{"id":122,"date":"2014-01-01T14:31:00","date_gmt":"2014-01-01T13:31:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=122"},"modified":"2021-07-05T10:26:23","modified_gmt":"2021-07-05T08:26:23","slug":"der-stern-von-bethlehem-ihm-folgen-sie-ihm-folgen-wir","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/der-stern-von-bethlehem-ihm-folgen-sie-ihm-folgen-wir\/","title":{"rendered":"Der Stern von Bethlehem \u2013 ihm folgen sie, ihm folgen wir"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Eine Weihnachtsgeschichte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schweigend, jeder in seine Gedanken versunken, gehen sie hinter einander her. Schritt f\u00fcr Schritt kommen sie voran, nicht schneller. Die Lasten tragenden Tiere haben sich an den gleichm\u00fctigen Trott gew\u00f6hnt. Nicht zum ersten Mal begleiten sie ihre Herren auf Reisen. Aber dies\u2019 Mal scheint es etwas Besonderes zu sein. Sie f\u00fchren keinen Auftrag des Herrschers aus, nein, sie sind auf ihrer eigenen Reise.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie entdeckten einen aussergew\u00f6hnlichen Stern<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a>; des nachts ist er unverkennbar. Die Ungewissheit \u00fcber den neuen Stern, der sie zu heftigen Diskussionen animiert hatte, ist l\u00e4ngst der inneren Gewissheit gewichen: jetzt folgen sie <em>ihrem<\/em> Stern \u2013 daher das Schweigen. Vertrauen und stetig wachsende Zuversicht vertiefen sich in ihnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Tags \u00fcber br\u00fctende Hitze, nachts hindurch bittere K\u00e4lte: so ist die W\u00fcste. Die W\u00fcste ist ihr Leben geworden. Sich gegen sie aufzulehnen, w\u00e4re sinnlos, verderblich, w\u00fcrde sie erbarmungslos in den Tod f\u00fchren. Doch dies sind nur die \u00e4usseren Umst\u00e4nde, denen sie sich gef\u00fcgig machen m\u00fcssen. Aber ihr Herz, das sp\u00fcren die Tiere, ist anderswo. Da ist keine Furcht, kein Unbehagen vor den Launen der Natur. Das Vertrauen macht sie stark. Und jeden Abend, wenn sie sich am Feuer w\u00e4rmen, heben sie den Blick zum Himmel. Welch heiliger Moment, wenn der Sternen Glanz sich zu verdichten beginnt und wie ein <em>Schmuck<\/em>reif, wie ein k\u00f6nigliches Diadem der erlesensten Edelsteine die Erde umg\u00fcrtet. Das ist der <em>Kosmos<\/em>, wie die alten Griechen das mystisch leuchtende Weltall bezeichneten.<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn die wiederk\u00e4uenden Tiere ihre Herren be\u00e4ugen, sehen sie den Widerstrahl des Himmels auf ihren H\u00e4uptern, aber noch strahlender wirkt der Abglanz ihres Innern in ihren geradezu verkl\u00e4rten Augen. Sie betrachten den grossen, unbekannten Stern, der jetzt <em>ihr<\/em> Stern ist. Ihm folgen sie; ihm vertrauen sie. L\u00e4ngst kann ihnen nichts mehr anhaben. Gl\u00fcck und Freude erf\u00fcllen sie beim Gedanken, dass sie bald ihr Ziel erreichen werden. Jetzt ist es klar: die hohe Kunst der Sterndeutung hat sich bewahrheitet. Sie werden dem neuen K\u00f6nig der Juden huldigen! Denn der Stern f\u00fchrt sie tats\u00e4chlich nach Pal\u00e4stina. Jupiter und Saturn \u2013 so nahe bei einander wie kaum je. Jupiter: der \u201eK\u00f6nigsstern\u201c des h\u00f6chsten babylonischen Gottes Marduk, und Saturn: der \u201eK\u00f6nigsstern\u201c von Israel; beide im Sternbild Fische: das bedeutet die Geburt eines K\u00f6nigs in Pal\u00e4stina!<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> Diesem \u201eK\u00f6nig aller K\u00f6nige\u201c werden sie huldigen \u2013 nicht nur mit Geschenken, sondern auch mit Gebet und Andacht, wer weiss denn schon, ob er nicht vielleicht doch g\u00f6ttlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die drei Herrschaften ist dieser lange Weg, diese m\u00fchsame Reise zum eigentlichen Lebensziel geworden. Es hat sich gelohnt. Das sp\u00fcren auch die Tragtiere, denn auf dem Heimweg begleitet sie zwar nicht mehr der Stern; an seine Stelle hat der Himmel einen Engel geschickt. Also stimmt es doch: dieser neu geborene K\u00f6nig ist ein g\u00f6ttliches Kind!<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Folgen also auch wir ihm und beten wir <em>Ihn<\/em> an!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Maria Brun, Dr. theol.<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Vgl. Mt 2,1-12.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Das griechische Verb \u201e<em>kosm\u00f5<\/em>\u201c heisst \u201ezieren, schm\u00fccken\u201c; \u201e<em>k\u00f3smos<\/em>\u201c bedeutet zun\u00e4chst \u201eSchmuck, Zierde\u201c. Mit \u201e<em>k\u00f3smos<\/em>\u201c bezeichneten die Griechen den mit Sternen geschm\u00fcckten Himmel, das Weltall. \u201eOrnament, Schmuck, Schmuckst\u00fccke\u201c heissen heute noch im Griechischen \u201e<em>k\u00f3smima \/ kosm\u00edmata<\/em>\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Vgl. Woelk Ulrich: Sternenklar. Ein kleines Buch \u00fcber den Himmel. \u2013 Dumont Verlag, K\u00f6ln 2008, 42-44.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Vgl. Mt 2,6 und Micha 5,1-4.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2019\/07\/Rundbrief-2014_1-1.pdf\">Rundbrief 1\/2014<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schweigend, jeder in seine Gedanken versunken, gehen sie hinter einander her. Schritt f\u00fcr Schritt kommen sie voran, nicht schneller. Die Lasten tragenden Tiere haben sich an den gleichm\u00fctigen Trott gew\u00f6hnt. Nicht zum ersten Mal begleiten sie ihre Herren auf Reisen. Aber dies\u2019 Mal scheint es etwas Besonderes zu sein. 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