{"id":1271,"date":"2025-03-01T17:22:36","date_gmt":"2025-03-01T16:22:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=1271"},"modified":"2025-08-18T09:47:19","modified_gmt":"2025-08-18T07:47:19","slug":"2025-1700-jahre-konzil-von-nizaea-nikaia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/2025-1700-jahre-konzil-von-nizaea-nikaia\/","title":{"rendered":"2025: 1700 Jahre Konzil von Niz\u00e4a (Nikaia)"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Weltgebetswoche f\u00fcr die Einheit der Christen hat sich dieses Ereignis vom 18. \u2013 25. Januar 2025 zum Thema gemacht. Die Gemeinschaft von Bose, einem \u00f6kumenischen Kloster von Br\u00fcdern und Schwestern in Norditalien hat die Texte thematisch vorbereitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Da wir 2025 1700 Jahre Konzil von Niz\u00e4a feiern, stand in diesem Gottesdienst das Glaubensbekenntnis im Mittelpunkt. \u00abVor 1700 Jahren rangen die Christen mit Fragen des Glaubens. Die Auseinandersetzungen versetzten sie schliesslich in die Lage, ihren Glauben mit den Worten des Glaubensbekenntnisses von Niz\u00e4a gemeinsam zu verk\u00fcnden. Heute kommen wir als Christinnen und Christen aus unterschiedlichen Kulturen und Konfessionen zusammen, um unseren Glauben zu feiern.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wie kam es zum ersten \u00f6kumenischen Konzil?<\/h3>\n\n\n\n<p>Dieses Konzil fand 325&nbsp;n.&nbsp;Chr. in Niz\u00e4a (= die Siegreiche) in der N\u00e4he von Konstantinopel (in der heutigen T\u00fcrkei) im Kaiserpalast statt, es wurde von Kaiser Konstantin einberufen. Der \u00dcberlieferung nach sollen 318 V\u00e4ter teilgenommen haben. In den Jahrzehnten vor dem Konzil gab es heftige Meinungsverschiedenheiten, die in schwierige Konflikte innerhalb des Christentums f\u00fchrten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hauptpunkte waren: <\/p>\n\n\n\n<ol>\n<li>Das Wesen Christi im Verh\u00e4ltnis zum Vater. <\/li>\n\n\n\n<li>Die Frage nach einem gemeinsamen Datum f\u00fcr die Feier des Osterfestes, sowie dessen Beziehung zum j\u00fcdischen Pessah-Fest. <\/li>\n\n\n\n<li>Der Widerstand gegen theologische Ansichten, die als h\u00e4retisch galten. <\/li>\n\n\n\n<li>Die Frage, wie man Gl\u00e4ubige, die w\u00e4hrend der Christenverfolgungen vom Glauben abgefallen sind, wieder in die Kirche aufnehmen konnte.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Die Konzilien waren zumeist Abwehrmassnahmen gegen h\u00e4retische Tendenzen, sie stellten sich gegen vorhandene Auffassungen, welche das Christuszeugnis verzerren und verf\u00e4lschen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Einheit des Reiches und der Kirche<\/h3>\n\n\n\n<p><em>\u00abDurch das Konzil von Niz\u00e4a hat die Einheit der Kirche einen neuen, wichtigen, ja zum Wesen der Kirche geh\u00f6renden Ausdruck erhalten, n\u00e4mlich die auf der \u00f6kumenischen Synode vereinte Gesamtheit der Bisch\u00f6fe.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Konstantin lebte in den Gedanken, dass Gott, der die Welt erschaffen hatte, ihn zum Kaiser bestellt und ihm das \u00f6kumenische Reich anvertraut habe. Die Vorsehung hatte die Einheit des Reiches wieder hergestellt. Auch die Kirche sollte nun wie das Reich \u00f6kumenisch, katholisch, eins und ungeteilt sein. Folglich musste auch ihre Einheit wieder hergestellt werden.\u00bb Damaskinos Papandreou<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Lehre des Arius<\/h3>\n\n\n\n<p>Der alexandrinische Presbyter Arius (+336) brachte das Christusbekenntnis der Kirche in eine tiefe Krise. Seine Ansicht \u00fcber die Gottheit Christi war gepr\u00e4gt durch die Begriffswelt der damalig herrschenden Philosophie, insbesondere des Neuplatonismus. Arius leugnet: Die ewige Gottessohnschaft des Logos und dessen Gleichwesentlichkeit mit dem Vater. Zum anderen leugnet er auch die Existenz der menschlichen Seele Christi. Der Logos als das oberste und vornehmste Gesch\u00f6pf Gottes habe lediglich einen menschlichen Leib angenommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Streit bezog sich noch zu Lebzeiten des Arius besonders um die Wesensgleichheit (Homousia) des g\u00f6ttlichen Sohnes mit dem Vater.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Konzil verurteilte die Lehre des Arius, und der christliche Glaube bzw. die Lehre der Kirche \u00fcber die Gottheit des menschgewordenen Sohnes Gottes wurde bekannt mit dem Begriff \u00abHomoousios = wesensgleich\u00bb. Der Sohn Gottes ist also kein Gesch\u00f6pf, wie die Anh\u00e4nger des Arius behauptet haben, sondern wie der Vater Gott ist, so ist es auch der Sohn.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stellungnahme des Konzils wurde in einem Glaubensbekenntnis formuliert. Grundlage daf\u00fcr war ein Taufbekenntnis aus der Kirche von Caesarea.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Bekenntnis von Niz\u00e4a hat folgenden Wortlaut:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abWir glauben an Einen Gott, den Vater, den Allm\u00e4chtigen,<br>den Sch\u00f6pfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren.<br>Und an Einen Herrn, Jesus Christus, den Sohn Gottes,<br>der gezeugt wurde aus dem Vater als einziggeborener<br>&#8211; <strong>d.h. aus dem Wesen \/Usia) des Vaters<\/strong> -,<br>Gott aus Gott, Licht aus Licht \u2013 <strong>wahrer Gott aus<br>wahrem Gott, gezeugt, nicht geschaffen,<br>wesenseins (=homoousios) mit dem Vater,<\/strong><br>durch den alles geworden ist, sowohl das im<br>Himmel wie das auf Erden,<br>der wegen unser, der Menschen, und unsres Heiles wegen<br>herabgekommen ist und Fleisch geworden, Mensch<br>geworden ist, gelitten hat und auferstanden ist<br>am dritten Tage, aufgestiegen in den Himmel und<br>kommt, zu richten die Lebendigen und die Toten.<br>Und an den heiligen Geist.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>(Die fett ausgezeichneten Worte sind die anti-arianischen Zus\u00e4tze des Konzils).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Text dieses Glaubensbekenntnisses wurde aber erst auf dem Konzil von Konstantinopel im Jahr 381 n. Chr. \u00fcberarbeitet und erweitert. Dies ist die Form des \u00abCredos\u00bb, die die christlichen Kirchen heute als das Niz\u00e4no-Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis anerkennen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ostertermin<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Konzil von Niz\u00e4a legte fest, wie das Osterdatum zu berechnen ist, sp\u00e4ter f\u00fchrten verschiedene Auslegungen dazu, dass Ostern in Ost und West an unterschiedlichen Terminen gefeiert wird. Obwohl wir immer noch auf einen gemeinsamen Ostertermin warten. Dieses Jahr ist es ein gl\u00fccklicher Zufall, dass dieses Fest der Feste der ganzen Christenheit im Jubil\u00e4umsjahr des ersten \u00f6kumenischen Konzils 2025 in der Ost- und Westkirche am selben Tag gefeiert wird.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"678\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-2-2025_Pantikratkor_Monreale-1024x678.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1275\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-2-2025_Pantikratkor_Monreale-1024x678.jpg 1024w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-2-2025_Pantikratkor_Monreale-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-2-2025_Pantikratkor_Monreale-768x509.jpg 768w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-2-2025_Pantikratkor_Monreale.jpg 1357w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Pantokrator in der Apsis im Dom von Monreale, Sizilien, 12. Jahrhundert<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Bedeutung und der Inhalt der Heilsereignisse im Osten haben sich f\u00fcr alle Christen im Laufe der 17 Jahrhunderte nicht ver\u00e4ndert. Dieses lebendige Erbe gilt es neu zu entdecken und im gemeinsamen apostolischen Glauben wieder zu beleben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das ist eine bleibende Aktualit\u00e4t des Konzils<\/h3>\n\n\n\n<p>Kurt Kardinal Koch schreibt in einem Artikel \u00fcber \u00ab1700 Jahre Konzil von Niz\u00e4a\u00bb im L\u2019Osservatore Romano:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00abWenn wir diese vielf\u00e4ltigen Perspektiven im christologischen Bekenntnis des Konzils von Niz\u00e4a vor Augen halten, erweist es sich als ein wichtiges Gebot der \u00f6kumenischen Stunde, dass sein 1700-Jahre-Jubil\u00e4um von allen christlichen Kirchen in \u00f6kumenischer Gemeinschaft neu angeeignet wird. Dieses Gebot dr\u00e4ngt sich auch aus einem weiteren Grund auf. Wenn wir ehrlich in die heutige Glaubenswelt in unseren Breitengraden hineinblicken, m\u00fcssen wir wahrnehmen, dass wir uns wiederum in einer \u00e4hnlichen Situation wie im 4. Jahrhundert vorfinden, insofern ein starkes Wiedererwachen von arianischen Tendenzen festzustellen ist.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Geist des Arius zeigt sich vor allem darin an, dass sich auch heute nicht wenige Christen zwar durchaus von allen menschlichen Dimensionen an der Gestalt Jesus von Nazareth ber\u00fchren lassen, dass ihnen aber das Glaubensbekenntnis, dass Jesus von Nazareth der eingeborene Sohn des himmlischen Vaters ist, und damit der kirchliche Christusglaube weithin M\u00fche bereitet. Selbst in der Kirche und in der \u00d6kumene scheint es heute oft nicht mehr zu gelingen, im Menschen Jesus das Antlitz Gottes selbst wahrzunehmen und ihn als Gottessohn zu bekennen und in ihm nicht einfach einen \u2013 wenn auch besonders guten und hervorragenden \u2013 Menschen zu sehen.\u00bb<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00d6kumenische Chance<\/h3>\n\n\n\n<p><em>\u00abAuf diesem Wege stellen die 1700 Jahre Konzil von Niz\u00e4a nicht nur eine willkommene Chance dar, das Glaubensbekenntnis zu Jesus Christus, dem mit dem Vater wesensgleichen Sohn in \u00f6kumenischer Gemeinschaft zu erneuern, sondern auch eine wichtige Herausforderung, die in den bisherigen \u00f6kumenischen Gespr\u00e4chen zu wenig behandelten \u00dcbergangsprobleme aus der Vergangenheit entschieden aufzunehmen und zu besprechen. Wenn Chance und Herausforderung gleichermassen wahrgenommen werden, kann der 1700. Jahrestag des Konzils von Niz\u00e4a zu einer \u00f6kumenischen Sternstunde werden.\u00bb<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Archimandrit Roger Schmidlin<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Literatur \/ Bildnachweis *<\/h4>\n\n\n\n<ul>\n<li>Handbuch der Ostkirchenkunde Band I und III, Patmos 1984\/1997<\/li>\n\n\n\n<li>Orthodoxie und \u00d6kumene, Gesammelte Aufs\u00e4tze von Damaskinos Papandreou, Kohlhammer 1986<\/li>\n\n\n\n<li>Handbuch der Dogmatik I, Patmos 1992<\/li>\n\n\n\n<li>L\u2019Osservatore Romano 3\/2025, Beitrag von Kurt Kardinal Koch<\/li>\n\n\n\n<li>* Faszination Ikonen, Aloys Butzkamm, Bonifatius-Verlag 2006<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-8f6c906d-0a67-4741-8af4-4beb2be26808\" href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-2025-2.pdf\">CUS_RB-2025-2<\/a><a href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-2025-2.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-8f6c906d-0a67-4741-8af4-4beb2be26808\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/bibliothek-fuer-indische-ordensfrauen\/\">Projekt: Bibliothek f\u00fcr indische Ordensfrauen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rundbrief 2025-2. Die Weltgebetswoche f\u00fcr die Einheit der Christen hat sich dieses Ereignis vom 18. \u2013 25. Januar 2025 zum Thema gemacht. Die Gemeinschaft von Bose, einem \u00f6kumenischen Kloster von Br\u00fcdern und Schwestern in Norditalien hat die Texte thematisch vorbereitet. Da wir 2025 1700 Jahre Konzil von Niz\u00e4a feiern, stand in diesem Gottesdienst das Glaubensbekenntnis im Mittelpunkt. \u00abVor 1700 Jahren rangen die Christen mit Fragen des Glaubens. Die Auseinandersetzungen versetzten sie schliesslich in die Lage, ihren Glauben mit den Worten des Glaubensbekenntnisses von Niz\u00e4a gemeinsam zu verk\u00fcnden.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1271"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1271"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1271\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1406,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1271\/revisions\/1406"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1271"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1271"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1271"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}