{"id":1365,"date":"2024-05-01T13:02:00","date_gmt":"2024-05-01T11:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=1365"},"modified":"2025-08-18T09:42:25","modified_gmt":"2025-08-18T07:42:25","slug":"ist-frieden-eine-utopie-ein-plaedoyer-fuer-das-gebet-des-friedens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/ist-frieden-eine-utopie-ein-plaedoyer-fuer-das-gebet-des-friedens\/","title":{"rendered":"Ist Frieden eine Utopie? Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr das Gebet des Friedens"},"content":{"rendered":"\n<p>Weltweit haben Konflikte und Auseinandersetzungen zugenommen. Meistens geht es um Einfluss der jeweiligen Weltanschauung, um wirtschaftliche Faktoren und deren Ausbau, deren Ziel die Weltherrschaft ist. Das nennen wir Geopolitik. \u00dcber Krieg und Frieden entscheiden oft wenige. Hilflos und gel\u00e4hmt m\u00fcssen wir zusehen, wie die M\u00e4chtigen und Einflussreichen die Welt in Brand halten. Jemand hat geschrieben: \u00abWir k\u00f6nnen das doch nicht geschehen lassen. Wir m\u00fcssen doch aufschreien. Die Z\u00fcndschn\u00fcre sollten heruntergerissen, die Streichh\u00f6lzer versteckt und die Brandstifter verjagt werden. Aber wie?\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Wir akzeptieren das T\u00f6ten, wir dulden Tyrannen, den Unterdr\u00fcckten stehen wir oft mit leeren Worten bei. Die kriegerischen Auseinandersetzungen sind wir schon gewohnt. So auch der Krieg, der seit zwei Jahren in der Ukraine tobt, wo Tausende Menschen ihr Leben verloren haben. Die anhaltenden K\u00e4mpfe zerst\u00f6ren den Lebensraum der Menschen und hinterlassen in Ihren Seelen tiefe Wunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Konflikt zwischen Israel und Pal\u00e4stina schein unl\u00f6sbar zu sein. Die gegenseitigen Beschuldigungen verst\u00e4rken noch die Situation.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abDer Vatikan ist besorgt, dass der Ukraine-Krieg sich ausweiten und noch mehr Tod und Zerst\u00f6rung bringen k\u00f6nnte. Das Risiko einer atomaren Eskalation sei vorhanden.\u00bb Deshalb dringe der Papst auf eine Verhandlungsl\u00f6sung. Friede kann nur durch beide Kriegsparteien geschaffen werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Zwischen Gut und B\u00f6se<\/h3>\n\n\n\n<p>Einfluss und Macht in einer Zeit von Fortschritt in der Wissenschaft und Technik; auch sie k\u00f6nnen zu Zerst\u00f6rung und Tod beitragen. Wir bewegen uns also zwischen Gut und B\u00f6se. Das erz\u00e4hlt uns schon die biblische Geschichte: als Adam und Eva den Apfel vom Baume der Erkenntnis assen, wussten sie, was Gut und B\u00f6se ist. Wissen wir es heute noch? Woher kommt die dunkle Kraft, die uns veranlasst, Dinge zu tun, die uns und anderen Schaden zuf\u00fcgen? Daher ist die Frage erlaubt, ja erforderlich, ob es eigentlich das B\u00f6se gibt, den Teufel, den Satan? Abtprimas Notker Wolf beschreibt es folgendermassen: \u00abDas Begehren des menschlichen Herzens ist b\u00f6se von Kindheit an\u00bb. (1. Mose 8,21) Gemeint ist, wir sind alle anf\u00e4llig f\u00fcr das B\u00f6se, in jedem Alter.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Notker Wolf gibt es aber zwei unterschiedliche Kr\u00e4fte am Werk: \u00abEine, die fragt, wie ein Verf\u00fchrer vorgeht, heimlich und heimt\u00fcckisch. Und eine andere, die uns nicht verf\u00fchren, sondern \u00fcberzeugen und durch Liebe gewinnen will. Wenn wir die Macht des Guten Gottes nennen, warum sollen wir die Macht des B\u00f6sen dann nicht Teufel nennen?\u00bb Aber der Teufel wurde doch abgeschafft!? Wie kann man also vom Teufel reden!?<\/p>\n\n\n\n<p>Notker Wolf sagt dazu: \u00abNat\u00fcrlich ist der Teufel nicht an seinen H\u00f6rnern und an seinen Pferdefuss zu erkennen. Aber immer, wenn Menschen Macht \u00fcber andere Menschen gewinnen wollen, um sie zu unterwerfen, auszubeuten oder zu erniedrigen, k\u00f6nnen wir sicher sein: jetzt ist nicht mehr die Kraft Gottes am Werk, sondern der Teufel.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"801\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-3-2024_Deschler1-1024x801.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1366\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-3-2024_Deschler1-1024x801.jpg 1024w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-3-2024_Deschler1-300x235.jpg 300w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-3-2024_Deschler1-768x601.jpg 768w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-3-2024_Deschler1-1536x1202.jpg 1536w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-3-2024_Deschler1.jpg 1600w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das B\u00f6se existiert, warum schweigt Gott?<\/h3>\n\n\n\n<p>Das B\u00f6se, das in der Welt geschieht, erleben wir heute viel bewusster, weil es direkt \u00fcber die Medien an uns gelangt. Wir sehen es mit eigenen Augen. Viele Menschen k\u00f6nnen das nicht mit dem \u00ablieben Gott\u00bb in Einklang bringen. Wenn er ein gerechter und allm\u00e4chtiger Gott ist, warum greift er nicht ein?<\/p>\n\n\n\n<p>Macht diese Erfahrung es den Menschen nicht schwer, an die biblische Offenbarung von einer guten Weltsch\u00f6pfung durch Gott zu glauben?<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Christenheit kommt der Glaube an eine Welt, die Gott erschaffen hat, aus der Offenbarung der Heiligen Schrift. Sie vermittelt uns ein St\u00fcck weit die Sichtweise Gottes, wie Gott selbst die Welt sieht. Die Welt ist ein Ganzes mit eigenen Kr\u00e4ften und Gesetzen. Wie auch jeder Mensch und die verschiedenen Gemeinschaften, in die jeder einzelne Mensch als \u00abMosaiksteinchen\u00bb eingef\u00fcgt ist, unterliegen sie ihren bestimmenden Lebensbedingungen, in die Gott normalerweise nicht eingreift. So gesehen schafft diese Tatsache eine Distanz zwischen Gott und der Welt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"263\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-3-2024_Deschler2-263x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1367\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-3-2024_Deschler2-263x1024.jpg 263w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-3-2024_Deschler2-77x300.jpg 77w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-3-2024_Deschler2-395x1536.jpg 395w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-3-2024_Deschler2.jpg 411w\" sizes=\"(max-width: 263px) 100vw, 263px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Paulus schreibt dazu: \u00abDenn die Sch\u00f6pfung wartet sehns\u00fcchtig auf das Offenbarwerden der S\u00f6hne Gottes. Gewiss, die Sch\u00f6pfung ist der Nichtigkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin. Denn auch sie, die Sch\u00f6pfung, soll von der Knechtschaft der Verg\u00e4nglichkeit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Sch\u00f6pfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.\u00bb (R\u00f6m. 8,19-22)<\/p>\n\n\n\n<p>Auch im Gebet des Herrn, dem \u00abVater unser\u00bb, ist die Hauptbitte: \u00abDein Reich komme!\u00bb Das heisst: Jetzt ist das Reich Gottes noch nicht ganz da. Deshalb bitten wir im Vaterunser eindringlich, dass der Einfluss Gottes die Welt immer mehr erfasst und bis in den letzten verborgenen Winkel ganz durchdringt. Daf\u00fcr bitten wir in Bezug auf uns pers\u00f6nlich, aber auch auf die ganze Welt. M\u00f6ge Gott immer mehr bestimmend werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott hat den Menschen eine wichtige Verantwortung bei der \u00dcberwindung des B\u00f6sen in der Welt zugewiesen. Wir Menschen m\u00fcssen und k\u00f6nnen dazu beitragen, dass die Welt dem Willen Gottes entspricht oder sich von ihm entfernt und abwendet. Das B\u00f6se und das Leid, das in der Welt geschieht, ist oft das Werk von Menschen. Daf\u00fcr darf man nicht Gott verantwortlich machen. Gott gibt den Menschen einen Handlungsspielraum (Freiheit), in den er nicht eingreift. Das B\u00f6se also wie das Gute verlangt von uns, dass wir uns darauf einstellen. Erst durch unsere Antwort wird das Gute eben gut und das B\u00f6se eben b\u00f6se. Mit anderen Worten k\u00f6nnen wir auch sagen: wir entscheiden zwischen Segen oder Fluch.<\/p>\n\n\n\n<p>Archimandrit Roger Schmidlin<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Literatur:<\/h4>\n\n\n\n<ul>\n<li>Osservatore Romano 54\/20 2024<\/li>\n\n\n\n<li>Bibel Einheits\u00fcbersetzung 2016<\/li>\n\n\n\n<li>Notker Wolf \u00abAus heiterem Himmel\u00bb<\/li>\n\n\n\n<li>Wolfgang Bittner, Zeitgeist \u00abDie Heimat, der Krieg und der goldene Westen\u00bb<\/li>\n\n\n\n<li>\u00abDer neue West-Ost-Konflikt\u00bb<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Ikonenfotos: <\/strong>Dr. Jean Paul Deschler<\/p>\n\n\n\n<ol>\n<li>Vertreibung aus dem Paradies Gen 3,14ff. (Melake Genet Berthe Gebrekidan; Kathedrale St. Antonius, Emdibir, \u00c4thiopien)<\/li>\n\n\n\n<li>senkrechter Streifen dreiteilig: Kirche Abreha w\u00e4 Atsbeha: Versuchung Gen 3,1-6 (Adam und Eva noch im \u00abGewand der Herrlichkeit\u00bb, die Erkenntnis der Nacktheit Gen 3,7, mit Sch\u00fcrzen, Trauer im Gesicht<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-d69fa6ca-532e-4c5b-bb4f-41f44c222746\" href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-2024-3.pdf\">CUS_RB 2024-3<\/a><a href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-2024-3.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-d69fa6ca-532e-4c5b-bb4f-41f44c222746\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<p>Projekt: <a href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/bibelkurse-fuer-familien-in-aegypten\/\">Bibelkurse f\u00fcr Familien in \u00c4gypten<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rundbrief 2024-3. Weltweit haben Konflikte und Auseinandersetzungen zugenommen. Meistens geht es um Einfluss der jeweiligen Weltanschauung, um wirtschaftliche Faktoren und deren Ausbau, deren Ziel die Weltherrschaft ist. Das nennen wir Geopolitik. \u00dcber Krieg und Frieden entscheiden oft wenige. Hilflos und gel\u00e4hmt m\u00fcssen wir zusehen, wie die M\u00e4chtigen und Einflussreichen die Welt in Brand halten. Jemand hat geschrieben: \u00abWir k\u00f6nnen das doch nicht geschehen lassen. Wir m\u00fcssen doch aufschreien. Die Z\u00fcndschn\u00fcre sollten heruntergerissen, die Streichh\u00f6lzer versteckt und die Brandstifter verjagt werden. 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