{"id":1373,"date":"2024-03-01T13:50:00","date_gmt":"2024-03-01T12:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=1373"},"modified":"2025-08-18T09:34:12","modified_gmt":"2025-08-18T07:34:12","slug":"christustraeger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/christustraeger\/","title":{"rendered":"Christustr\u00e4ger"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der heilige Christustr\u00e4ger<\/h3>\n\n\n\n<p>Mit der Bezeichnung \u00abChristustr\u00e4ger\u00bb denkt man unwillk\u00fcrlich an Christophorus. Er soll im3. Jahrhundert in Pal\u00e4stina gelebt haben. Da er riesenhaft gross gewachsen gewesen sein soll, machte er es sich zur Aufgabe, die Reisenden \u00fcber einen reissenden Fluss zu tragen. Bald gaben ihm die Leute den Namen \u00abO pheros\u00bb, was griechisch ist und \u00abder Tr\u00e4ger\u00bb heisst.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Legende besagt, dass er eines Tages einen kleinen Jungen \u00fcber den Fluss tragen sollte. Er hob ihn auf seine Schultern und schritt den gewohnten Weg durchs Wasser. Doch die Last des Knaben wurde immer gr\u00f6sser und brachte den Riesen an seine physischen Grenzen. Am andern Ufer angekommen, setzte er das Kind ab. Verwundert \u00fcber das seltsame Ereignis, erkl\u00e4rte ihm dieses: \u00abDu hast den getragen, der Himmel und Erde erschaffen hat. Ich bin Christus.\u00bb Von da an hiess er \u00abChristophorus\u00bb, in der Kurzform \u00abChristoph\u00bb, und trug sein Leben lang Christus in seinem Herzen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Getaufte Christustr\u00e4ger<\/h3>\n\n\n\n<p>Jeder Mensch, der die Taufe empf\u00e4ngt, wird sozusagen zu einem \u00abChristustr\u00e4ger\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Apostel Paulus schickt sich in seinen Briefen daran, diesen Zusammenhang zu erkl\u00e4ren: Durch den Tod am Kreuz hat Jesus die Menschen von der S\u00fcnde befreit und den ewigen Tod besiegt. In der Taufe aber erh\u00e4lt der Mensch Anteil an Christi Auferstehung (vgl. R\u00f6m 6,1ff.). So bewirkt die Taufe, dass alle, die sich f\u00fcr die Nachfolge Christi entscheiden, zu einem Christen oder einer Christin werden. Das Gesetz der Liebe, welches der zentrale Inhalt der Frohen Botschaft Jesu Christi ist, macht eine Christin und einen Christen zu einem neuen Menschen: Dieser Mensch lebt nicht mehr nur f\u00fcr sich und nach den Gesetzen der Welt, sondern der lebt aus dem Glauben, letztlich aus Gott. Noch deutlicher wird dies, wenn ein Christ oder eine Christin an der Eucharistie teilnimmt. So versteht man Paulus, wenn er sagt: \u00abNicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.\u00bb (Gal 2,20) Das heisst in seiner letzten Konsequenz: Jeder Christ und jede Christin ist ein \u00abChristustr\u00e4ger\u00bb oder eine \u00abChristustr\u00e4gerin\u00bb und ist aufgefordert, dies durch sein bzw. ihr Leben im Geiste Jesu Christi vor der Welt zu bezeugen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Christkind aus den finnischen W\u00e4ldern<\/h3>\n\n\n\n<p><em>Er hat dem Kind das Leben gerettet und das Kind hat seinen Tr\u00e4ger heil zur\u00fcckgef\u00fchrt und ihn wieder zum Leben zur\u00fcckfinden lassen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>So, kurz zusammengefasst, der Inhalt der f\u00fcr viele Menschen eindr\u00fccklichsten Weihnachtsgeschichte, in Worte gefasst von Edzard Schaper: <em>Das Christkind aus den grossen W\u00e4ldern<\/em>. Eine sch\u00f6ne Erz\u00e4hlung? Nichts kann sie davor bewahren, eines Tages zu einer erbaulichen Legende zu werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"512\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CuS_RB-2-2024_DSC_3985_2-1024x512.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1374\" style=\"width:838px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CuS_RB-2-2024_DSC_3985_2-1024x512.jpg 1024w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CuS_RB-2-2024_DSC_3985_2-300x150.jpg 300w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CuS_RB-2-2024_DSC_3985_2-768x384.jpg 768w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CuS_RB-2-2024_DSC_3985_2.jpg 1137w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die eingangs der Schrift verzeichneten Orts-, Zeit- und Namensangaben sind in Geschichtstexten und auf Karten ausgewiesen, was die Geschichte als wahre Begebenheit bezeugt. Dies macht sie umso wertvoller und vergewissert den Leser und die Leserin, dass Christus auch in unseren Tagen in und mit der Welt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese unglaubliche, weil so menschliche Geschichte, ist aktueller denn je. Der sowjetisch-finnische Grenzkrieg, ein Nebenschauplatz des zweiten Weltkriegs, hat gerade in den heutigen Tagen nichts an Aktualit\u00e4t verloren. Russische Grenzkriege\u2026?<\/p>\n\n\n\n<p>Das Erlebnis der finnischen Patrouille zeigt die teuflische Seite eines jeden Krieges auf, jenseits von allem, was gut und b\u00f6se ist, nur einer perfid durchtriebenen Kreatur f\u00e4hig, die die Bezeichnung Mensch kaum mehr verdient. Und trotz allem, trotz der tiefsten Abgr\u00fcnde des irdischen Lebens, will diese Erz\u00e4hlung der Hoffnung zum Durchbruch verhelfen, dass Gott \u00fcberall auf uns wartet und die Begegnung mit ihm den Menschen aus den dunkelsten Stunden herausheben kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Das beschriebene Ereignis ist gleichsam ein Weg von Golgotha nach Bethlehem, in der umgekehrten Reihenfolge, als man es kennt. Am Anfang steht die teuflische Falle, zu der ein unschuldiges Kind missbraucht wird. Ein weinendes Kleinkind, hungrig und in der winterlichen K\u00e4lte eines leeren Hauses unter einem Deckenberg zur\u00fcckgelassen, welches einen Helfer oder eine Helferin anziehen soll, um es aus dem Elend zu befreien. Prompt wird einer der Soldaten von Mitleid gepackt, sein Kamerad jedoch wittert eine Falle. Das pl\u00f6tzliche Dunkel, in welches sie die heruntergefallene Taschenlampe abrupt versetzt, ist aller Drei Rettung. Beim Suchen verr\u00e4t die metallische K\u00e4lte die unter dem Bettchen versteckten Minen und die abscheuliche Absicht der feindlichen Truppe: Die Retter sollen beim Hochnehmen des Kindes, welches an die Lagerst\u00e4tte gefesselt ist, die Z\u00fcndung ausl\u00f6sen und alle zusammen in die Luft sprengen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Situation symbolisiert das Pr\u00e4torium, in das Jesus gefesselt gef\u00fchrt wurde, und Golgotha, wo das Todesurteil vollzogen wurde. Sie entspricht aber auch den Umst\u00e4nden der Geburt Jesu, als K\u00f6nig Herodes die drei K\u00f6nige zu umgarnen versuchte, um selbst auf Knien, in angeblich anbetender Haltung, dem g\u00f6ttlichen Kind nach dem Leben zu trachten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Christustr\u00e4ger von Kangasj\u00e4rvi<\/h3>\n\n\n\n<p>Der grobschl\u00e4chtige finnische Soldat liess sich nicht beirren, befreite vorsichtig das Kind und nahm es an sich und, allen berechtigten Einw\u00e4nden seiner Kameraden zum Trotz, gab er das Kind nicht mehr aus den Armen. Der Gedanke, die Unschuld und Hilflosigkeit dieses Kindes f\u00fcr die Vernichtung des Gegners zu missbrauchen, war so gr\u00e4sslich, dass er das Wenige, was ihm zur Verf\u00fcgung stand, einsetzte, um das Kind zu ern\u00e4hren und warm zu halten. Mit Kind und Maschinengewehr in den H\u00e4nden folgte er wortlos trotzig seinen Gef\u00e4hrten. Einzig mit dem Kleinkind hielt er einen intimen Austausch, um es zu beruhigen, damit es durch das Erheben seiner Stimme nicht die Aufmerksamkeit des Feindes auf sie zog.<\/p>\n\n\n\n<p>So stapfte er mit den andern durch den tiefen Schnee, in voller Konzentration um das kostbare B\u00fcndel besorgt, das er mit sich trug. Die innige Beziehung, die er mit dem Kind aufbaute, f\u00fchrte dazu, dass, beinahe unmerklich, mit der Zeit er es war, der den Weg vorzeigte, ja sogar gegen die Order des befehlshabenden Leutnants. Die Kameraden zeigten sich erstaunt, ordneten es als Vaterinstinkt ein, der sonst eher M\u00fcttern eigen sei. Sie schwiegen und akzeptierten, dass er die Leitung \u00fcbernahm. Sie wagten nicht, etwas gegen seine bestimmte Art einzuwenden und folgten ihm. Etwas schien ihnen besonders zu sein, beim Anblick dieses Soldaten-Kameraden mit Kind und Waffe in den Armen. Etwas im Bild wollte nicht zusammenpassen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"732\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-2-2024_Schafe5_2009_1-732x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1375\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-2-2024_Schafe5_2009_1-732x1024.jpg 732w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-2-2024_Schafe5_2009_1-214x300.jpg 214w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-2-2024_Schafe5_2009_1-768x1075.jpg 768w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-2-2024_Schafe5_2009_1-1097x1536.jpg 1097w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-2-2024_Schafe5_2009_1.jpg 1409w\" sizes=\"(max-width: 732px) 100vw, 732px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Im Nachhinein hatte sich der Weg als die richtige Entscheidung erwiesen und sie heil, am Feind vorbei, ans Ziel gef\u00fchrt. Wochen sp\u00e4ter redeten sie noch dar\u00fcber. Das Erlebnis ging ihnen nicht mehr aus dem Sinn.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war der \u00abChristustr\u00e4ger von Kangasj\u00e4rvi\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. theol. Maria Brun<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-41d56a55-bf18-4499-9b15-7271b3d9323c\" href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-2024-2.pdf\">CUS_RB 2024-2<\/a><a href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-2024-2.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-41d56a55-bf18-4499-9b15-7271b3d9323c\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<p>Projekt: <a href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/haushaltgeraete-fuer-lviv\/\">Haushaltsger\u00e4te f\u00fcr Lviv<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rundbrief 2024-2. Mit der Bezeichnung \u00abChristustr\u00e4ger\u00bb denkt man unwillk\u00fcrlich an Christophorus. Er soll im3. Jahrhundert in Pal\u00e4stina gelebt haben. Da er riesenhaft gross gewachsen gewesen sein soll, machte er es sich zur Aufgabe, die Reisenden \u00fcber einen reissenden Fluss zu tragen. Bald gaben ihm die Leute den Namen \u00abO pheros\u00bb, was griechisch ist und \u00abder Tr\u00e4ger\u00bb heisst.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1373"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1373"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1373\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1396,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1373\/revisions\/1396"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1373"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1373"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1373"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}