{"id":138,"date":"2014-04-01T15:47:53","date_gmt":"2014-04-01T13:47:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=138"},"modified":"2021-06-07T15:49:19","modified_gmt":"2021-06-07T13:49:19","slug":"griechenland-in-not-der-beitrag-der-kirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/griechenland-in-not-der-beitrag-der-kirche\/","title":{"rendered":"Griechenland in Not &#8211; der Beitrag der Kirche"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Kirche und Gesellschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Griechenland steckt seit ein paar Jahren in der Rezession. Seit Beginn der Krise ist die griechische Wirtschaft sehr stark geschrumpft. Die Arbeitslosigkeit hat dramatisch zugenommen, L\u00f6hne und Renten wurden teilweise fast um die H\u00e4lfte gek\u00fcrzt. Alles ist teurer geworden, und horrende Steuern reduzieren das Einkommen noch mehr. Was \u00fcbrig bleibt, reicht gerade so zum \u00dcberleben. Offene Armut, Obdachlosigkeit, Zukunftslosigkeit der Jugend und Protestbewegungen geh\u00f6ren zum Alltag. Die Menschen sind frustriert, verunsichert, w\u00fctend und ersch\u00f6pft. Sie f\u00fchlen sich von der Regierung und der EU verspottet und verraten. Die von der Troika geforderten Sparmassnahmen, die der Staat umsetzt, werden unertr\u00e4glich: Tausende von Staatsangestellten wurden entlassen, Schulen geschlossen, Lehrer auf die Strasse gesetzt. Wo fr\u00fcher das Leben und die Gesch\u00e4fte bl\u00fchten, blickt man auf leere Pl\u00e4tze und verriegelte L\u00e4den. \u00dcber zwanzig Prozent der Menschen leben unterhalb der Armutsgrenze. Die Schlangen vor den Suppenk\u00fcchen werden immer l\u00e4nger. Zwei Millionen Leute, allein in Athen, und vierzig Prozent im ganzen Land k\u00f6nnen sich keine Krankenversicherung mehr leisten. Nichtversicherte Krebskranke bekommen keine Therapie und keine Medikamente. Neben der Solidarit\u00e4t w\u00e4chst auch die Kriminalit\u00e4t. Dazu kommt das Chaos, wenn gestreikt wird. <em>Griechischer Salat!!!<\/em> \u2013 wie es ein Artikel im Schweizer <em>Sonntags-Blick<\/em> betitelte (3. Juli 2011, 24ff.).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Finanzkrise macht keine Ausnahme. Die Situation ist auch f\u00fcr die Kirche sehr schwierig. Da die Kleriker in Griechenland vom Staat bezahlt werden, sind sie ebenfalls von einer bis zu vierzigprozentigen Lohnk\u00fcrzung betroffen. Trotz ihrer pers\u00f6nlichen Schwierigkeiten versuchen die griechischen Geistlichen, je nach Kr\u00e4ften, dem Volk beizustehen. Die Kirche \u00fcbt Kritik aus und wird auch kritisiert. Einige Geistliche sehen in der Finanzkrise eine geistige Krise. Sie glauben an einen direkten Zusammenhang zwischen der Wirtschaftskrise und der &#8222;ethischen oder geistigen Krise&#8220;, welche mit dem Fehlen von Werten in der Gesellschaft verbunden sei. Die &#8222;Krise der Spiritualit\u00e4t&#8220; wird als Ausl\u00f6ser der globalen Wirtschaftskrise bezeichnet, weil die meisten Menschen in erster Linie materielle Ziele verfolgten, in der Gesellschaft Egoismus und Materialismus als oberstes Gebot g\u00e4lten und Menschenliebe und Solidarit\u00e4t nur eine untergeordnete Rolle spielten. Aus diesem Grund solle die Kirche die Menschen so gut wie m\u00f6glich begleiten und die Rolle einer Mutter \u00fcbernehmen, welche die Gesellschaft zusammenh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Orthodoxe Kirche von Griechenland leistet in der Krise eine wertvolle karitative Arbeit. Sie begleitet die Menschen so gut wie m\u00f6glich. Durch materielle Hilfe und moralische Unterst\u00fctzung macht sie Mut, hilft den Notleidenden und spendet Trost. Das hat die Kirche schon immer getan, doch seit Ausbruch der Wirtschaftskrise hat die Orthodoxe Kirche Griechenlands ihr philanthropisches Werk betr\u00e4chtlich intensiviert. Die Rolle der Kirche in der Krise kann deshalb als sehr wichtig bewertet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 2010 hat das Erzbistum von Athen die Hilfsorganisation <strong>APOSTOLI<\/strong> (<strong>MISSION<\/strong>) ins Leben gerufen. Ihre Aktivit\u00e4ten erstrecken sich auf die Bereiche Mensch, Entwicklung und Ausbildung und dies sowohl auf nationaler und, falls n\u00f6tig, \u2013 f\u00fcr griechische Minderheiten \u2013 auch auf internationaler Ebene.<\/p>\n\n\n\n<p>Hilfsorganisation&nbsp; <strong>\u0391\u03a0\u039f\u03a3\u03a4\u039f\u039b\u0397 <\/strong>(<strong>MISSION<\/strong>)<\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>MISSION<\/strong> f\u00fchrt zahlreiche Sozialprojekte durch:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Programm \u201eDie Kirche auf der Strasse\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Aktion besteht in der kostenlosen Verteilung von Mahlzeiten, t\u00e4glich und an 365 Tagen im Jahr, an Wohnungslose, Ausl\u00e4nder, Suchtkranke und allgemein an Mittellose, gleich welcher Herkunft oder sonstigen Unterschieds.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Programm \u201eDie Kirche zu Hause\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Juli 2011 begann MISSION mit der Realisierung des Programms \u201eDie Kirche zu Hause\u201c. Jeden Monat bekommen griechische Familien, die an der Armutsgrenze leben, ein Paket mit Nahrungsmitteln, ein sogenanntes \u201ePaket der Liebe\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Programm MISSION an der Seite der Sch\u00fcler<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Programm bietet \u2013 auf angemessene Weise, so dass die Anonymit\u00e4t und die W\u00fcrde gewahrt bleiben \u2013 den Sch\u00fclern und Sch\u00fclerinnen aus armen Verh\u00e4ltnissen eine ausreichende Ern\u00e4hrung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Programm \u201eIch habe eine MISSION\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei diesem Programm werden B\u00fccher an Bibliotheken in abgelegenen Grenzregionen geschickt, wird das n\u00f6tige Schreibmaterial zu Verf\u00fcgung gestellt, Nachhilfeunterricht organisiert und f\u00fcr jede m\u00f6gliche Hilfe gesorgt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MISSION bei den Obdachlosen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Abends \u2013 und bis in die fr\u00fchen Morgenstunden \u2013 werden den umherirrenden Wohnungslosen in Athen Essen, Fruchts\u00e4fte und Wasser angeboten, und \u00c4rzte stehen f\u00fcr die medizinische Versorgung zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MISSION bei den Gefangenen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MISSION ist bem\u00fcht, den t\u00e4glichen Grundbedarf der Gefangenen zu decken, indem sie ihnen nebst der Seelsorge auch Tausende von Hygiene- und Pflegeprodukten \u00fcbergibt. Dar\u00fcber hinaus verteilt sie grosse Mengen an Kleidung, Mahlzeiten, aber auch Computer. Damit tr\u00e4gt sie zur Ermutigung der H\u00e4ftlinge bei, sich aktiv an Ausbildungsprozessen zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MISSION ohne Grenzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>MISSION k\u00fcmmert sich um Erwachsene und Kinder mit k\u00f6rperlicher und geistiger Behinderung (z.B. Down-Syndrom).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MISSION bei Kranken und alten Menschen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Pastorale Besuche bei Patienten in Krankenh\u00e4usern und Altersheimen.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Seite von Kranken, Kraft und Trost spendend:<\/p>\n\n\n\n<p>der Erzbischof von Athen, Hieronymos II.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MISSION: Zusammenarbeit mit dem \u00c4rzteverband Athen \u201e\u00c4rztepraxis sozialer Mission\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ziel ist die Errichtung einer \u00e4rztlichen Station, die eine prim\u00e4re Gesundheitsversorgung f\u00fcr alle gew\u00e4hrt, die die Sozialversicherung verloren haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MISSION erm\u00f6glicht kostenlose Medikamentenabgabe<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am 1. Oktober 2013 begann ein Programm f\u00fcr die Abgabe kostenloser Medikamente an arme und nicht versicherte B\u00fcrger und B\u00fcrgerinnen, mit Hilfe eines Sammelnetzes und \u00fcber eine soziale Medikamentenbank.<\/p>\n\n\n\n<p>Abgabe kostenloser Medikamente (Aufschrift: \u201eAlle zusammen\u201c)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MISSION errichtet soziale Superm\u00e4rkte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seit 2011 betreibt MISSION mehrere soziale Superm\u00e4rkte, um Hunderte von Menschen (Mittellose, kinderreiche Familien) mit den n\u00f6tigsten Grundnahrungsmitteln zu versorgen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MISSION unterst\u00fctzt kinderreiche Familien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr kinderreiche Familien werden spezielle Hilfsprogramme angeboten (z.B. finanzielle Unterst\u00fctzung, medizinische Versorgung, Nahrungspakete).<\/p>\n\n\n\n<p>Hilfsprogramme f\u00fcr kinderreiche Familien<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne die Orthodoxe Kirche und die Gemeinschaft im Glauben h\u00e4tten die Griechen als Volk in der Vergangenheit wohl nie \u00fcberlebt. Die Kirche war es, welche die griechische Identit\u00e4t, die Sprache, die Religion, die Kultur und die Tradition bewahrte. Diese Rolle ist auch heute noch im Bewusstsein der Menschen und unvergessen geblieben. Mit den zahlreichen Sozialprojekten, welche die Kirche \u2013 nebst dem moralischen Beistand \u2013 in der aktuellen Krisensituation durchf\u00fchrt und anbietet, \u00fcbernimmt sie weiterhin die Rolle der liebevollen, sch\u00fctzenden Mutter, die alle Menschen unterst\u00fctzt und die gesamte Gesellschaft umarmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. theol. Konstantina Peppa, Athen<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. theol. Konstantina Peppa hat an der christ-katholisch-theologischen Fakult\u00e4t in Bern ihre Doktoratsstudien abgeschlossen. Sie ist heute Gymnasiallehrerin f\u00fcr Religionskunde und Ethik in Athen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2019\/07\/Rundbrief-2014_3.pdf\">Rundbrief 3\/2014<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Griechenland steckt seit ein paar Jahren in der Rezession. Seit Beginn der Krise ist die griechische Wirtschaft sehr stark geschrumpft. Die Arbeitslosigkeit hat dramatisch zugenommen, L\u00f6hne und Renten wurden teilweise fast um die H\u00e4lfte gek\u00fcrzt. Alles ist teurer geworden, und horrende Steuern reduzieren das Einkommen noch mehr. Was \u00fcbrig bleibt, reicht gerade so zum \u00dcberleben. Offene Armut, Obdachlosigkeit, Zukunftslosigkeit der Jugend und Protestbewegungen geh\u00f6ren zum Alltag. 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