{"id":1413,"date":"2023-09-01T17:41:00","date_gmt":"2023-09-01T15:41:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=1413"},"modified":"2025-08-24T18:29:50","modified_gmt":"2025-08-24T16:29:50","slug":"kroenung-charles-iii-oekumene-im-grossen-stil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/kroenung-charles-iii-oekumene-im-grossen-stil\/","title":{"rendered":"Kr\u00f6nung Charles III. &#8211; \u00d6kumene im grossen Stil"},"content":{"rendered":"\n<p>Am 6. Mai fand die Kr\u00f6nung von K\u00f6nig Charles III. in England statt. Die halbe Welt fieberte darauf hin, war es doch f\u00fcr die meisten Menschen ein erstmaliges Ereignis. Viele Medien vertraten die Ansicht \u00abunzeitgem\u00e4sser Prunk und Pomp\u00bb. Es gab TV-Kan\u00e4le, die in stumpfsinnigen Sketches schwelgten. Dass es aktuell selbsterkorene Alleinherrscher gibt, die sich ein modernes Feudalsystem aufgebaut haben, und deren Prunkbauten sich zum Teil im Versteckten unter der Erde befinden, wurde nirgends erw\u00e4hnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein K\u00f6nig, der sich innerhalb eines Gottesdienstes, basierend auf althergebrachten, in der biblischen \u00dcberlieferung gr\u00fcndenden Riten und Symbolen, zum K\u00f6nig salben l\u00e4sst, scheint unzeitgem\u00e4ss zu sein. Das fehlende Verst\u00e4ndnis ist Abbild unserer Zeit: Gott ist \u00fcberfl\u00fcssig geworden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ein K\u00f6nig steht vor Gott<\/h3>\n\n\n\n<p>K\u00f6nig Charles ist sich bewusst, dass er ohne Gottes Beistand seine Aufgabe nicht gelingend wird ausf\u00fchren k\u00f6nnen. So hat er sich von Anfang an der F\u00fchrung Gottes anvertraut. Dieses Eingest\u00e4ndnis dr\u00fcckt Bescheidenheit aus, denn es anerkennt, dass der Mensch alleine nicht viel vermag und je h\u00f6her und verantwortungsvoller die Aufgabe ist, desto mehr ist der Mensch auf Gottes Rat und Weisheit angewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies best\u00e4tigt auch der Wahlspruch von K\u00f6nig Charles III.: \u00abGlaube und Dienst\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Er\u00f6ffnung der Kr\u00f6nungsfeier begann mit einem aussergew\u00f6hnlichen Symbolakt. Nach dem Einzug von K\u00f6nigin und K\u00f6nig stellte sich ein Kind vor den K\u00f6nig, als ob es von Gott gesandt worden w\u00e4re, und sprach: \u00abIhre Majest\u00e4t, als Kinder von Gottes K\u00f6nigreich heissen wir Sie willkommen im Namen des K\u00f6nigs aller K\u00f6nige.\u00bb Darauf antwortete der K\u00f6nig: \u00abIn seinem Namen und nach seinem Beispiel komme ich nicht, um bedient zu werden, sondern um zu dienen.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Es soll Platz f\u00fcr alle geben<\/h3>\n\n\n\n<p>Wie zu vernehmen war, w\u00fcnschte sich K\u00f6nig Charles eine Kr\u00f6nungsfeier, die \u00abeine Gemeinschaft von Gemeinschaften\u00bb sei. So waren Vertreter und Vertreterinnen verschiedener christlicher Konfessionen anwesend: anglikanische, orthodoxe, r\u00f6misch-katholische, pfingstlerische, unierte, freikirchliche. Ausserdem waren Exponenten des Judentums, Islam, Hinduismus, Buddhismus und der Sikh unter den offiziellen G\u00e4sten.<\/p>\n\n\n\n<p>In ungewohnter Weise erkl\u00e4rte K\u00f6nig Charles, dass er nicht nur Oberhaupt und Besch\u00fctzer der Church of England und aller anglikanischen Kirchen sei, sondern dass alle in Grossbritannien vertretenen Glaubensrichtungen und Religionen respektiert werden sollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kr\u00f6nungsfeier hatte folglich nicht nur interchristlichen, sondern dar\u00fcber hinaus auch interreligi\u00f6sen Charakter.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u00d6kumenisch eminente Bedeutung<\/h3>\n\n\n\n<p>Unter den verschiedenen \u00f6kumenischen Gesten im Zusammenhang mit der Kr\u00f6nung von Charles III. bewegten sich einige weit \u00fcber den gewohnten Rahmen hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p>Der wichtigste Aspekt war die Anwesenheit eines offiziellen Vertreters der r\u00f6misch-katholischen Kirche. Dies ist eine ausgestreckte Hand zur Vers\u00f6hnung zwischen der anglikanischen und der r\u00f6misch-katholischen Kirche. Seit der Trennung durch K\u00f6nig Henry VIII. im Jahr 1531, also nach beinahe 500 Jahren war erstmalig wieder ein Vertreter der Kirche Roms an der Kr\u00f6nung eines englischen Monarchen zugegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausserdem hatte Papst Franziskus zwei Kreuzesreliquien \u00fcbersandt, welche ihren Platz im Vortragekreuz gefunden haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz abgesehen davon, dass das Salb\u00f6l vom anglikanischen Erzbischof Justin Welby zusammen mit dem griechisch-orthodoxen Patriarchen Theophilos III. in der Grabeskirche in Jerusalem geweiht worden war. Es war Oliven\u00f6l, angereichert mit wohlriechenden Essenzen und \u00e4therischen \u00d6len aus Sesam, Rosen, Zimt, Jasmin und Orangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das \u00d6l stammte aus dem Olivenhain am \u00d6lberg bei Jerusalem, genauer aus dem Garten der Maria-Magdalena-Kirche, wo Charles Grossmutter, Alice von Battenberg, beerdigt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch all diese symbolischen Gesten sollte eine historische Kontinuit\u00e4t zwischen der biblischen \u00dcberlieferung, dem Heiligen Land, den christlichen Traditionen und der Familiengeschichte f\u00fcr die Kr\u00f6nung von Charles III. hergestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Eine Gemeinschaft von Gemeinschaften<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Kr\u00f6nungsfeier, die innerhalb eines Gottesdienstes stattfand, wurde mit Psalm 122 er\u00f6ffnet, der die Freude ausstrahlt, dass der Mensch mit Zuversicht und Vertrauen den Weg zu Gott unter die F\u00fcsse nehmen darf. \u00abIch freute mich, als man mir sagte: \u2018Zum Haus des Herrn wollen wir pilgern\u2019, um den Namen des Herrn zu preisen.\u00bb Denn dort stehen die Throne des Hauses David, von denen aus Gerechtigkeit walten soll, damit Frieden und Geborgenheit f\u00fcr alle Menschen werde.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter den Kl\u00e4ngen dieses Psalms beschritt K\u00f6nig Charles III., begleitet und unterst\u00fctzt von seiner Gattin, K\u00f6nigin Camilla, den langen Pfad in der biblischen Tradition voller religi\u00f6ser Symbolik, die die ganze Kr\u00f6nungsfeier pr\u00e4gten.<\/p>\n\n\n\n<p>Und mit ihm feierte eine weltweite Gemeinschaft: Vertreter und Vertreterinnen des ganzen Commonwealth, welche symbolisch auch in der R\u00fcckwand des Paravent dargestellt waren, sowie alle grossen Glaubensgemeinschaften, christliche und nicht-christliche, die im Vereinigten K\u00f6nigreich ans\u00e4ssig sind. Sie alle stellten sich in die freudige Reihe der Feiernden, um Zeugen dieser Weihehandlung zu werden. Es war keine passive Haltung, nein, ganz im Gegenteil: die Geladenen waren gebeten, sich aktiv zu beteiligen. Hier einige Elemente:<\/p>\n\n\n\n<p>Liturgische Ges\u00e4nge ert\u00f6nten auf Keltisch, Walisisch, G\u00e4lisch, Irisch, Englisch, Lateinisch und Griechisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein ausdrucksstarkes Zeichen war ferner, dass der Hindu Premierminister Hon Rishi Sunak die neutestamentliche Lesung vortrug. Ausserdem waren unter den verschiedenen Lords, die die \u00abRegalia\u00bb \u00fcberreichten, ein Muslim, ein Hindu und ein Sikh.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Zuschauer und Zuschauerin bekam man tats\u00e4chlich den Eindruck einer weltweiten, im Frieden vereinten Gemeinschaft und man fragte sich, inwiefern die Grenzen nicht k\u00fcnstliche Gr\u00e4ben sind.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Charles im Kreis der versammelten Christenheit zum K\u00f6nig erhoben<\/h3>\n\n\n\n<p>Eine weitere eminent hohe Bedeutung, die sowohl symbolische als auch effektive Aussagekraft hat, ist die Tatsache, dass die nicht-anglikanischen W\u00fcrdentr\u00e4ger sich zu einem Halbkreis vor dem frisch gesalbten und gekr\u00f6nten K\u00f6nig aufreihten und je einen Segensspruch \u00fcber ihn aussprachen. Diese kamen von anglikanischer, orthodoxer, freikirchlicher, unierter und r\u00f6misch-katholischer Seite. Im Anschluss an den Aaronitischen Segen (Num 6,24-26) erbaten sie Schutz und Erfolg, Hoffnung und Gl\u00fcck, Weisheit und Gottesfurcht, Gnade, Langlebigkeit und ewiges Leben sowie den Segen Gottes.<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6nnen \u00f6kumenische Gesten noch \u00fcberh\u00f6ht werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. theol. Maria Brun<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-9e3b76e9-bd9d-46a9-b228-06877ecb7007\" href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-2023-5.pdf\">CUS_RB 2023-5<\/a><a href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-2023-5.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-9e3b76e9-bd9d-46a9-b228-06877ecb7007\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<p>Projekt: <a href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/loehne-fuer-angestellte-im-patriarchat-damaskus\/\">L\u00f6hne f\u00fcr Angestellte im Patriarchat Damaskus<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rundbrief 2023-5. Am 6. Mai fand die Kr\u00f6nung von K\u00f6nig Charles III. in England statt. Die halbe Welt fieberte darauf hin, war es doch f\u00fcr die meisten Menschen ein erstmaliges Ereignis. 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