{"id":1437,"date":"2023-01-01T17:14:00","date_gmt":"2023-01-01T16:14:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=1437"},"modified":"2025-08-24T18:32:46","modified_gmt":"2025-08-24T16:32:46","slug":"und-das-licht-leuchtet-in-der-finsternis-joh-15","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/und-das-licht-leuchtet-in-der-finsternis-joh-15\/","title":{"rendered":"\u201eUnd das Licht leuchtet in der Finsternis\u2026\u201c (Joh 1,5)"},"content":{"rendered":"\n<p>Licht und Finsternis, diese zwei Gegenpole durchziehen die ganze Bibel \u2013 und unser t\u00e4gliches Leben. Sie stehen f\u00fcr so viele Erfahrungen, f\u00fcr Empfindungen und Erlebnisse, die unser allt\u00e4gliches Leben pr\u00e4gen, nicht nur in der Advents- und Weihnachtszeit, sondern immer und \u00fcberall.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der gegenw\u00e4rtigen \u201e<em>Strommangellage<\/em>\u201c (Wort des Jahres 2022) ist die Adventszeit wieder etwas dunkler im Sinne von weniger licht\u00fcberflutet geworden. Die adventlich-weihn\u00e4chtliche Festbeleuchtung in den Strassen und Schaufenstern, auf Balkonen von Gesch\u00e4fts- und in den Fenstern von Wohnh\u00e4usern, in privaten G\u00e4rten und \u00f6ffentlichen Parkanlagen ist in den letzten Jahren immer mehr geworden. Man sprach daher \u2013 auch in Bezug auf die allabendliche Beleuchtung unserer D\u00f6rfer und St\u00e4dte &#8211; vom Problem einer zunehmenden \u201eLichtverschmutzung\u201c. Wo die Nacht nicht mehr dunkel sein darf, haben nicht nur V\u00f6gel und andere Wildtiere ihre Orientierungsschwierigkeiten, auch in uns Menschen kommt so einiges durcheinander\u2026 &#8211; Mittlerweile aber scheint sich doch ein Wandel zu vollziehen: Wo bis anhin Lichtgirlanden und blinkende Rentierfiguren ganze H\u00e4user und G\u00e4rten beleuchtet haben, sieht man heute wieder \u00f6fter auf den Fenstersimsen oder vor den Haust\u00fcren einfache Kerzen brennen, ein wohltuend warmes, ruhiges Licht ausstrahlend<strong>.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"487\" height=\"357\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-1-2023_Kerzen-und-Oellicht.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1439\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-1-2023_Kerzen-und-Oellicht.png 487w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-1-2023_Kerzen-und-Oellicht-300x220.png 300w\" sizes=\"(max-width: 487px) 100vw, 487px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Dieses ruhige, warme Licht spricht uns zutiefst an; es f\u00fchrt uns \u2013 auch wenn es nur f\u00fcr kurze Momente ist \u2013 zu Innerlichkeit, zu Stille und Ruhe. Wir kennen ja die Wirkung des Kerzenlichtes aus vielen allt\u00e4glichen Erfahrungen: Kein festliches Essen, kein romantisches T\u00eate-\u00e0-t\u00eate, kein Geburtstagskuchen, keine Erinnerungsfeier f\u00fcr Verstorbene oder keine Mahnwache f\u00fcr die Opfer von Gewalt ohne Kerzen. \u2013 Licht, Kerzenlicht spricht f\u00fcr sich; es ber\u00fchrt und braucht keine umst\u00e4ndlichen Erkl\u00e4rungen.<\/p>\n\n\n\n<p>So geh\u00f6rt das Licht seit je her zu den grundlegenden Symbolen der verschiedenen Religionen, auch der j\u00fcdischen und christlichen. Schon im dritten Vers zum Beginn des Alten Testamentes erscheint das Licht, das die Finsternis \u00fcber der Urflut vertreibt:<br><em>\u201eGott sprach: es werde Licht. Und es wurde Licht\u2026\u201c (Gen 1,3).<br><\/em><br>Das Lichtmotiv setzt sich in unz\u00e4hligen Variationen fort. Immer ist es das Licht, das Hoffnung und Zuversicht ank\u00fcndigt und die Dunkelheiten irdischer Gefangenschaft und Unterdr\u00fcckung vertreibt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDas Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; \u00fcber denen, die im Land der Finsternis wohnen, strahlt ein Licht auf\u201c (Jes 9,1).<br><\/em><br>Was sich in der Geschichte des Volkes Israels abzeichnet, erf\u00fcllt sich schliesslich in der Geburt Jesu von Nazareth; der Glanz Gottes umstrahlt die Hirten und ihnen verk\u00fcndet der Engel:<br><em>\u201eF\u00fcrchtet euch nicht, denn ich verk\u00fcnde euch eine grosse Freude\u2026: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr\u201c (Lk 2,9-11).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schliesslich ist es Jesus selber, der das Lichtmotiv aufgreift und auf sich selber anwendet:<br><em>\u201eIch bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben\u201c (Joh 8,12).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Gewissermassen best\u00e4tigt wird diese Selbstaussage Jesu in der wunderbaren Verkl\u00e4rung; mit drei seiner J\u00fcnger steigt Jesus auf einen Berg, um zu beten. W\u00e4hrend er also betet, ver\u00e4ndert sich sein Gesicht und sein Gewand wird leuchtend weiss und: da erscheinen Mose und Elija in strahlendem Licht und sprechen mit Jesus \u00fcber sein Ende in Jerusalem; alle drei sind in strahlendes Licht getaucht. Dieses Licht, das Taborlicht, geht als das g\u00f6ttliche, nicht-geschaffene Licht in die Theologie z.B. des Hl. Gregorios Palamas (14. Jh.) ein; es ist das g\u00f6ttliche Licht, das dem betenden Menschen (Herzens- oder Jesusgebet in der Tradition des Hesychasmus) als Geschenk, als Gnade zuteilwerden kann.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"521\" height=\"357\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-1-2023_Christus-2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1441\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-1-2023_Christus-2.png 521w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-1-2023_Christus-2-300x206.png 300w\" sizes=\"(max-width: 521px) 100vw, 521px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Wo Licht ist, da ist Gott \u2013 so k\u00f6nnte man etwas vereinfacht und zusammenfassend sagen, auch wenn umgekehrt ebenso gilt: Wo der glaubende, suchende Mensch im Dunkel des Zweifels, der inneren Leere und Not ist, auch da ist Gott, zwar verborgen, aber nicht abwesend, oder wie es K\u00f6nig Salomo sagt:<br><em>\u201eDer Herr hat die Sonne an den Himmel gesetzt; er selbst wollte im Dunkel wohnen\u201c (1K\u00f6n 8,12).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es verwundert nicht, sondern ist vielmehr eine logische Folge, dass das Motiv des Lichtes auf vielf\u00e4ltige Weise auch in das Feiern des Glaubens, in den Gebetsschatz und in die verschiedenen kirchlichen Braucht\u00fcmer eingeflossen ist. Gerade in der Liturgie des Ostens und des Westens spielt das Licht eine zentrale Rolle. Da sind etwa die bei der Evangelien- oder bei der Gabenprozession mitgef\u00fchrten Kerzen nicht einfach sch\u00f6n anmutende Dekoration, sondern stets Symbol f\u00fcr eben dieses g\u00f6ttliche Licht in und durch Christus.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Licht besingt der Chor dann nach dem Empfang der Heiligen Kommunion, also des kostbaren Leibes und Blutes Jesu Christi:<br><br><em>\u201eGesehen haben wir das wahre Licht, empfangen haben wir den Geist vom Himmel, gefunden haben wir den rechten Glauben, die ungeteilte Dreifaltigkeit beten wir an, denn sie hat uns erl\u00f6st\u201c (Liturgie des Hl. Johannes Chrysostomos).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Oder denken wir an den Charakter der byzantinischen Vesper, also des ostkirchlichen Abendgebetes: In diesem Gebet wird auf mystische Weise der Sch\u00f6pfung Gottes gedacht. Ein H\u00f6hepunkt der Vesper ist jeweils der Gesang des Abendhymnus \u201eHeiteres, freundliches Licht\u201c; dieser Hymnus d\u00fcrfte einer der \u00e4ltesten Ges\u00e4nge der fr\u00fchen Christenheit sein (2. Jh.) und erklingt jeweils nach dem Einzug mit dem Weihrauch durch die Heilige, K\u00f6nigliche Pforte der Ikonostase:<\/p>\n\n\n\n<p><br><em>\u201eHeiteres Licht heiliger Herrlichkeit des unsterblichen Vaters, des himmlischen, des heiligen, des seligen: Jesus Christus.<br>Gekommen zum Sinken der Sonne schauen wir das Abendlicht und singen in Hymnen Gott, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.<br>W\u00fcrdig bist Du zu allen Zeiten mit geziemenden Rufen gefeiert zu werden:<br>Gottessohn, Lebensspender: Dich verherrlicht das All.\u201c<\/em><sup data-fn=\"3b6d8ac9-f886-4373-b468-368a4980ff04\" class=\"fn\"><a href=\"#3b6d8ac9-f886-4373-b468-368a4980ff04\" id=\"3b6d8ac9-f886-4373-b468-368a4980ff04-link\">1<\/a><\/sup><a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Das Licht g\u00f6ttlicher Gegenwart begleitet uns von der Geburt bis zum Tod. In SEINEM LICHT zu leben und in sein LICHT hinein zu sterben ist unser Weg; ein Weg des Vertrauens, der Zuversicht und der Freude \u2013 trotz aller Dunkelheiten in dieser Welt und in unseren Herzen.&nbsp;<br><br>Ihnen ein lichtvolles Weihnachtsfest.<\/p>\n\n\n\n<p>Daniel Bl\u00e4ttler, Protodiakon<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n<ol class=\"wp-block-footnotes\"><li id=\"3b6d8ac9-f886-4373-b468-368a4980ff04\">Mysterium der Anbetung. G\u00f6ttliche Liturgie und Stundengebet der Orthodoxen Kirche. \u2013 Hrsg. Sergius Heiz, Luthe-Verlag, K\u00f6ln 1986 \u2013 S. 34. <a href=\"#3b6d8ac9-f886-4373-b468-368a4980ff04-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 1 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><\/ol>\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-e96ce17a-da91-4a24-b622-9028d28dcb4b\" href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-2023-1.pdf\">CUS_RB 2023-1<\/a><a href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2025\/08\/CUS_RB-2023-1.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-e96ce17a-da91-4a24-b622-9028d28dcb4b\">Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<p>Projekt: <a href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/hilfspakete-fuer-kolomyya\/\">Hilfspakete f\u00fcr Kolomyya<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rundbrief 2023-1. 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