{"id":201,"date":"2015-04-02T13:36:00","date_gmt":"2015-04-02T11:36:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=201"},"modified":"2021-07-05T10:23:53","modified_gmt":"2021-07-05T08:23:53","slug":"das-leuchtende-zeugnis-der-nonnen-im-christlichen-orient","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/das-leuchtende-zeugnis-der-nonnen-im-christlichen-orient\/","title":{"rendered":"Das leuchtende Zeugnis der Nonnen im christlichen Orient"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Auf Wunsch von Papst Franziskus feiern wir in der katholischen Kirche vom 30. November 2014 bis zum 2. Februar 2016 das Jahr des Geweihten Lebens. Es geht ihm besonders um die Berufung, \u201eJesus in vollkommener Ausrichtung nach seinem Evangelium und im Dienst der Kirche nachzufolgen\u201c.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dabei lohnt sich ein Blick in die Ostkirchen. Papst Johannes Paul II. schrieb mit Recht in seinem Apostolischen Schreiben ORIENTALE LUMEN (Nr.9): \u201eDie ersten christlichen M\u00f6nche sind im Orient geboren, und das monastische Leben war wesentlicher Bestand des lumen orientale, das von den grossen V\u00e4tern der ungeteilten Kirche an das Abendland weitergegeben wurde.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er schreibt weiter: \u201eWenn die Berufung durch Gott eine totale ist wie im monastischen Leben, dann vermag die Person die h\u00f6chste Stufe dessen zu erreichen, was Sensibilit\u00e4t, Kultur und Spiritualit\u00e4t auszudr\u00fccken imstande sind. Das gilt um so mehr f\u00fcr die Ostkirchen, f\u00fcr die das M\u00f6nchtum eine wesentliche Erfahrung darstellte und das sich auch heute noch als bl\u00fchend erweist.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Er erinnert dabei besonders an das leuchtende Zeugnis der Nonnen im christlichen Orient. \u201eEs hat ein Modell der Hochsch\u00e4tzung des spezifisch Weiblichen in der Kirche aufgezeigt, indem es auch die Denkweise der Zeit aufgebrochen hat. Als im Zuge der j\u00fcngsten Verfolgungen, vor allem in den L\u00e4ndern Osteuropas, viele M\u00e4nnerkl\u00f6ster gewaltsam geschlossen wurden, hat das weibliche Ordenswesen die Flamme des monastischen Lebens am Brennen erhalten. Das Charisma der Nonne mit den f\u00fcr sie spezifischen Wesensmerkmalen ist ein sichtbares Zeichen f\u00fcr jene M\u00fctterlichkeit Gottes, auf die sich die Heilige Schrift so oft beruft.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb sollen im Folgenden Texte einer orthodoxen Nonne, Mutter Evfrosinia, stehen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>P. Kilian Karrer<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Bruder machte sich auf den Weg, um Abba Joseph zu sehen, und sagte zu ihm: \u201eAbba, soweit ich vermag, spreche ich meine Gebetsregel, ich faste ein wenig, ich bete und gebe mich der Betrachtung hin, ich lebe in Frieden, soweit ich kann, ich reinige meine Gedanken. Was kann ich sonst noch tun?\u201c Da stand der alte Mann auf und streckte seine H\u00e4nde gen Himmel aus. Seine Finger wurden wie zehn feurige Leuchten, und er sprach zu ihm: \u201eWenn du willst, kannst du ganz Flamme werden.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>(aus den Apophthegmata Patrum)<\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist das M\u00f6nchtum: eine Sehnsucht nach Gott, die keine Grenzen kennt. Es ist der Anfang der kommenden Weltzeit, des K\u00f6nigreichs des Himmels, schon hier auf Erden. Die Kirche nennt das M\u00f6nchtum das engelhafte Leben. Entsprechend der heiligen Tradition erschien im 4. Jahrhundert ein Engel dem hl. Pacho-mius, dem ersten der M\u00f6nche, die ihren Kampf in der \u00e4gyptischen W\u00fcste f\u00fchrten, um eine m\u00f6nchische Gemeinschaft zu gr\u00fcnden, und gab ihm eine Bronzetafel, auf der eine Regel eingetragen war, der seine M\u00f6nche folgen sollten. Von den apostolischen Zeiten bis in die Gegenwart haben Tausende, Hunderttausende, wahrscheinlich Millionen von Menschen alles verlassen, was sie hatten, und alles verachtet, das diese Welt anzubieten hat, um Christus zu folgen und um die Evangelien vollst\u00e4ndiger zu leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Zeiten ist dieser Impuls st\u00e4rker gewesen, zu anderen Zeiten schw\u00e4cher, und die Heiligen V\u00e4ter sprechen vom M\u00f6nchtum als dem Barometer des geistlichen Lebens in der Kirche. Am Ende des 4. Jahrhunderts, als die Verfolgung der Christen aufh\u00f6rte und die Kirche zum ersten Mal Frieden erfuhr, doch der Eifer der Bekehrten sich noch nicht abgek\u00fchlt hatte und viele Christen w\u00fcnschten, Christus alles zu geben, wurde das M\u00f6nchtum sogar zu einer Massenbewegung.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist es, das weiterhin Menschen zu dieser Lebensweise hinzieht, die im Grunde genommen ein Geheimnis ist, etwas, von dem sogar die heiligsten M\u00f6nche mit Ehrfurcht und Zittern sprechen? Vor allem ist das M\u00f6nchtum der Weg der Reue. Nicht jene Art Reue, wenn wir innehalten, um zu seufzen, und wir Bedauern empfinden \u00fcber die schlechten Dinge, die wir getan haben, woraufhin wir uns schnell dem n\u00e4chsten Punkt auf unserer Liste der zu erledigenden Dinge zuwenden. Oder wenn wir eine Liste von S\u00fcnden bei der Beichte murmeln, damit wir zur Kommunion gehen k\u00f6nnen. Nein, jene Art Reue bedeutet eine v\u00f6llig Umwendung, eine Bekehrung, einen tiefen Wandel im Lebensstil. Dies ist die Reue des Verlorenen Sohns aus dem Evangelium, der dahin gelangt, festzustellen, dass sein ganzer Lebensweg sehr falsch gewesen ist, und der alles hinter sich l\u00e4sst, um zu seinem Vater nach Hause zu gehen und um Verzeihung zu bitten. Der Gottesdienst der monastischen Tonsur beginnt mit einem Vers, der diese Parabel umschreibt: \u201eEile, mir Deine v\u00e4terlichen Arme aufzutun, denn wie der Verschwender [der Verlorene Sohn] habe ich mein Leben vergeudet. In der unfehlbaren F\u00fclle Deines Erbarmens, o Erl\u00f6ser, weise nicht mein Herz in seiner Armut zur\u00fcck. Denn in Zerknirschung schreie ich zu Dir, Herr: Vater, ich habe gegen den Himmel und vor Dir ges\u00fcndigt.\u201c Es ist diese Sehnsucht nach der Umarmung unseres himmlischen Vaters, nach Seiner Verzeihung und nach einem Zuhause bei Ihm, der immer noch Menschen dazu bringt, allem den R\u00fccken zu kehren und den m\u00fchseligen Weg auf dieser felsigen Strasse zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn der M\u00f6nch erst einmal aus der Welt entkommen ist, beginnt er schliesslich den Versuch, klar zu denken und sich auf die Dinge zu konzentrieren, die sein ewiges Schicksal bestimmen. Er beginnt, wirklich zu verstehen und zu glauben, dass wir elende S\u00fcnder wirklich am Verderben sind, dass wir verzweifelt einen Erl\u00f6ser brauchen, der die Seele heilt, und dass nur in Ihm das Leben ist. Alles andere ausserhalb davon ist leer und sinnlos. Er beginnt, dies wirklich zu f\u00fchlen und zu erfahren, und nicht einfach nur diese W\u00f6rter zu sprechen. Nur wenn der Mensch aufh\u00f6rt, dem L\u00e4rm und Trubel der Welt zuzuh\u00f6ren, seine Augen von ihren wilden, psychedelischen Farben abwendet und wenn er \u00fcber den Kater hinwegkommt, den ihm die Welt durch die Vergn\u00fcgungen hinterl\u00e4sst, beginnt er, sich klar zu sehen und die Bedeutung und das Ziel des Lebens auf dieser Erde wahrzunehmen und gegen seinen Feind, den B\u00f6sen, zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2019\/07\/Rundbrief-2015_2.pdf\">Rundbrief 2015_2<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Wunsch von Papst Franziskus feiern wir in der katholischen Kirche vom 30. November 2014 bis zum 2. Februar 2016 das Jahr des Geweihten Lebens. 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