{"id":212,"date":"2016-01-01T13:53:25","date_gmt":"2016-01-01T12:53:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=212"},"modified":"2021-06-07T14:28:51","modified_gmt":"2021-06-07T12:28:51","slug":"miteinander-statt-gegeneinander","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/miteinander-statt-gegeneinander\/","title":{"rendered":"Miteinander statt Gegeneinander"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zum \u00d6kumenismusdekret Unitatis redintegratio<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Am 7. Dezember 1965, am Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils, hoben Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras I. die gegenseitige Exkommunikation von Papst und Patriarch aus dem Jahre 1054 auf. Bereits am 5.\/6. Januar 1964 kam es zum historischen Treffen von Papst Paul VI. und dem \u00d6kumenischen Patriarchen Athenagoras I.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine symboltr\u00e4chtige Geste war auch die \u00dcbersendung der Ikone \u201eAndreas und Petrus in br\u00fcderlicher Umarmung\u201c durch Patriarch Athenagoras I. an Papst Paul VI. ein Jahr nach der Begegnung in Jerusalem. Sie h\u00e4ngt heute im Plenarsaal des Rates f\u00fcr die Einheit der Christen und erinnert an den Auftrag, nach Jahrhunderten der Trennung im Geist br\u00fcderlicher Liebe aufeinander zuzugehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Unitatis redintegratio (\u201eDie Wiederherstellung der Einheit\u201c)<\/h2>\n\n\n\n<p>So heisst, nach seinen Anfangsworten, das Dekret \u00fcber den \u00d6kumenismus des Zweiten Vatikanischen Konzils. Es umfasst ein Vorwort und drei Kapitel:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Die katholischen Prinzipien des \u00d6kumenismus<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Die praktische Verwirklichung des \u00d6kumenismus<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; Die vom R\u00f6mischen Apostolischen Stuhl getrennten Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften<\/p>\n\n\n\n<p>Im dritten Kapitel wird dabei spezifisch auf die Beziehungen zu den orthodoxen und reformatorischen Kirchen eingegangen. Inhaltlich ist das Dekret von der Kirchenkonstitution Lumen gentium abh\u00e4ngig. Es bringt eine Neuausrichtung der r\u00f6misch-katholischen Kirche gegen\u00fcber den anderen christlichen Konfessionen, die nun positiver gew\u00fcrdigt werden als vor dem Konzil.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00d6kumene: Ausdruck der eschatologischen Dynamik der Kirche<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Konzil beschreibt die Kirche als eine dynamische Gr\u00f6sse, als Volk Gottes, das zwischen dem \u00bbSchon\u00ab und dem \u00bbNoch nicht\u00ab pilgernd unterwegs ist. So verstanden ist die \u00d6kumene der Weg der Kirche. Die Kirche ist schon jetzt die Eine, Heilige Kirche. Aber ebenso wird die Kirche erst in der Geschichte, was sie ist, was sie schon immer war und was sie bleibend ist. Sie ist unterwegs, um dieses ihr Wesen in der Wirklichkeit des Lebens in seiner F\u00fclle konkret zu verwirklichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als geistliche Bewegung hebt die \u00f6kumenische Bewegung die Tradition nicht auf; sie schenkt vielmehr neue und vertiefte Einsicht in die ein f\u00fcr alle Mal gegebene \u00dcberlieferung.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ziel der vollen Einheit kann nur durch die Hinwendung und die Bekehrung aller zu dem einen Haupt der Kirche, Jesus Christus, erreicht werden. In dem Masse, in dem wir mit Christus eins sind, werden wir auch untereinander eins werden und die der Kirche eigene Katholizit\u00e4t konkret in ihrer ganzen F\u00fclle verwirklichen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Grundlegend ist die Taufe.<\/h2>\n\n\n\n<p>Sie ist das Sakrament des Glaubens, durch das die Getauften dem einen Leib Christi, der die Kirche ist, angeh\u00f6ren. Die nichtkatholischen Christen sind nicht ausserhalb der einen Kirche, sie geh\u00f6ren ihr vielmehr in grundlegender Weise bereits an.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wo Eucharistie gefeiert wird, ist Kirche.<\/h2>\n\n\n\n<p>Durch die Eucharistie wird die Einheit der Kirche bezeichnet und bewirkt.<\/p>\n\n\n\n<p>So wird von der Eucharistiefeier der orthodoxen Kirchen gesagt: \u201eSo baut sich auf und w\u00e4chst durch die Feier der Eucharistie des Herrn in diesen Einzelkirchen die Kirche Gottes, und durch die Konzelebration wird ihre Gemeinschaft offenbar.\u201c (UR 15)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einheit als communio<\/h2>\n\n\n\n<p>Das katholische Verst\u00e4ndnis der \u00d6kumene setzt die in der katholischen Kirche bereits gegebene Einheit und die ebenfalls bereits gegebene teilweise Gemeinschaft (communio) mit den anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften voraus, um von dieser unvollst\u00e4ndigen Gemeinschaft zur vollen Gemeinschaft zu gelangen, welche Einheit im Glauben, in den Sakramenten und in der kirchlichen Leitung einschliesst.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Wesen der als communio verstandenen Einheit ist Katholizit\u00e4t in ihrer nicht konfessionellen, sondern urspr\u00fcnglichen qualitativen Bedeutung: Die Verwirklichung aller Gaben, welche die Orts- und Konfessionskirchen beitragen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das \u201eganze geistliche und liturgische, disziplin\u00e4re und theologische Erbe mit seinen verschiedenen Traditionen geh\u00f6rt zur vollen Katholizit\u00e4t und Apostolizit\u00e4t der Kirche\u201c. (UR 17)<\/p>\n\n\n\n<p>Das Konzil \u201espricht den dringenden Wunsch aus, dass von nun an alle ihr Bestreben darauf richten, diese Einheit allm\u00e4hlich zu erlangen in den verschiedenen Einrichtungen und Lebensformen der Kirche, besonders durch das Gebet und den br\u00fcderlichen Dialog \u00fcber die Lehre und \u00fcber die dr\u00e4ngenden Notwendigkeiten der Seelsorgsaufgaben in unserer Zeit. In gleicher Weise empfiehlt das Heilige Konzil den Hirten und den Gl\u00e4ubigen der katholischen Kirche eine enge Verbundenheit mit denen, die nicht mehr im Orient, sondern fern von ihrer Heimat leben, damit die br\u00fcderliche Zusammenarbeit mit ihnen im Geist der Liebe und unter Ausschluss jeglichen Geistes streits\u00fcchtiger Eifersucht wachse. Wenn dieses Werk mit ganzer Seele in Angriff genommen wird, so hofft das Heilige Konzil, dass die Wand, die die abendl\u00e4ndische und die orientalische Kirche trennt, einmal hinweggenommen werde und schliesslich nur eine einzige Wohnung sei, deren fester Eckstein Jesus Christus ist, der aus beidem eines machen wird.\u201c (UR 18)<\/p>\n\n\n\n<p>P. Kilian Karrer<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2019\/07\/2016-1.pdf\">Rundbrief 1\/2016<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 7. Dezember 1965, am Ende des Zweiten Vatikanischen Konzils, hoben Papst Paul VI. und Patriarch Athenagoras I. die gegenseitige Exkommunikation von Papst und Patriarch aus dem Jahre 1054 auf. Bereits am 5.\/6. 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