{"id":221,"date":"2016-03-01T13:58:06","date_gmt":"2016-03-01T12:58:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=221"},"modified":"2021-06-07T14:25:00","modified_gmt":"2021-06-07T12:25:00","slug":"barmherzig-wie-der-vater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/barmherzig-wie-der-vater\/","title":{"rendered":"Barmherzig wie der Vater"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zum Jubil\u00e4um der Barmherzigkeit<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Mittelpunkt des orthodoxen Gottesdienstes finden wir die Worte &#8222;Herr, erbarme dich&#8220;. In jeder G\u00f6ttlichen Liturgie h\u00f6ren wir sie, in den Nachtwachen, in allen Gottesdiensten. Es wird schnell klar, dass &#8222;Herr, erbarme dich&#8220; so etwas wie die Hauptidee ist. Selbst bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen steht die Barmherzigkeit des Herrn im Zentrum. Und in der kl\u00f6sterlichen Praxis sollen die Worte \u201eHerr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner\u201c die ganze Zeit im Herzen widerhallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Alt-Griechischen hat das Wort f\u00fcr Erbarmen (\u201eeleos\u201c) die gleiche Wurzel wie das Wort f\u00fcr Oliven\u00f6l (\u201eelaion\u201c). Oliven\u00f6l wurde seit alter Zeit genutzt, um den Schmerz der Wunden, Prellungen und Verletzungen zu lindern. Im Hebr\u00e4ischen bedeutet das Wort f\u00fcr Barmherzigkeit best\u00e4ndige Liebe. Im kirchenslawischen sowie im Russischen, Serbischen und Rum\u00e4nischen hat das Wort Erbarmen viele \u00e4hnliche Bedeutungen: Z\u00e4rtlichkeit, G\u00fcte, S\u00fcsse, Mitgef\u00fchl und Mitleid.<\/p>\n\n\n\n<p>Das \u00d6l spricht zun\u00e4chst vom Frieden, den Gott den Menschen, die ihn beleidigt haben, anbietet. Sodann spricht es von Gott, der uns heilt, damit wir in der Lage sind, so zu leben und das zu werden, wozu wir berufen sind. Und weil Gott weiss, dass wir nicht in der Lage sind, aus eigener Kraft seinen Willen oder die Gesetze unserer eigenen geschaffenen Natur zu erf\u00fcllen, giesst er sein Erbarmen reichlich \u00fcber uns aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sollen die S\u00fcnde nicht so sehr als b\u00f6se Tat und Gott als den Richter ansehen. Auch wenn dies im w\u00f6rtlichen Sinne wahr ist, geht es um mehr als das, um etwas viel Tieferes: Die S\u00fcnde ist eine Krankheit und Gott ist der Arzt. Mehr als alles andere suchen wir bei ihm Heilung.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir um Erbarmen bitten, bitten wir Gott, uns zu lieben, unsere Schmerzen zu lindern, die vielen Krankheiten des Charakters zu heilen und uns so mit heiliger Liebe zu n\u00e4hren, dass wir in bessere Menschen verwandelt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Thema der Barmherzigkeit Gottes scheint auf im Evangelium vom Pharis\u00e4er und Z\u00f6llner. &#8222;Gott, sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig &#8222;, betete der Z\u00f6llner. Seine einzige Bitte suchte das Erbarmen, Kyrie eleison! Ohne dieses Gebet w\u00e4re das Christentum eine Philosophie, eine Geschichte, ein System, aber nicht eine Religion, die rettet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gleiche Thema der Barmherzigkeit Gottes kommt im Evangelium vom verlorenen Sohn zum Ausdruck. F\u00fcr den Gottesdienst wird dies so paraphrasiert:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Als der verlorene Sohn komme ich zu dir, barmherziger Gott. Ich habe mein ganzes Leben in einem fremden Land vertan, ich habe die F\u00fclle, die du mir gabst, Vater, verschleudert. Nimm mich in Reue auf, o Gott, und sei mir barmherzig.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Tor zur Barmherzigkeit Gottes ist Umkehr. Deshalb sagte der heilige Johannes von Kronstadt: &#8222;Beeilen wir uns, sein Erbarmen durch Reue und Tr\u00e4nen zu wecken.&#8220; So wird in der Zeit der Busse vor Ostern am Sonntag nach dem Evangelium des Morgengebetes gesungen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Busse T\u00fcren \u00f6ffne mir, Lebensspender, denn es erwacht mein Geist zu deinem heiligen Tempel, da er den Tempel des Leibes ganz verunreinigt tr\u00e4gt. Du jedoch als Erbarmungsvoller, reinige ihn mit deiner barmherzigen Gnade.\u201c Und weiter: \u201eErbarme dich meiner, o Gott, nach deiner grossen Barmherzigkeit, und nach der F\u00fclle deiner Erbarmung tilge meine Missetat.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Und im Grossen Apodeipnon (Komplet) steht dieses sch\u00f6ne Gebet:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eErbarme dich unser, Herr, erbarme dich unser. Wir S\u00fcnder, die wir keine Rechtfertigung haben, bringen dir, dem Gebieter, dieses Gebet dar: Erbarme dich unser! \u2026 \u00d6ffne uns die Tore der Barmherzigkeit, gepriesene Gottesgeb\u00e4rerin, damit wir, die wir auf dich hoffen, nicht verloren gehen, sondern durch dich von allem Elend befreit werden; denn du bist das Heil des Christengeschlechtes.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Mutter bat Napoleon, das Leben ihres verurteilten Sohnes zu schonen. Der Kaiser sagte, dass sein Verbrechen schrecklich sei; die Gerechtigkeit verlange sein Leben. &#8222;Sir&#8220;, schluchzte die Mutter, &#8222;nicht Gerechtigkeit, sondern Barmherzigkeit.&#8220; &#8222;Er verdient keine Barmherzigkeit\u201c, war die Antwort. &#8222;Aber, mein Herr, wenn er es verdiente, w\u00e4re es keine Barmherzigkeit&#8220;, sagte die Mutter. &#8222;Ah ja, wie wahr&#8220;, sagte Napoleon. &#8222;Ich werde ihm Barmherzigkeit erweisen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wagen es nicht, vor Gott zu treten und nach dem zu verlangen, was wir verdienen. Unser einziger Schrei ist: &#8222;Herr, sei barmherzig.&#8220; Und das Wunder ist, dass die Barmherzigkeit da ist. Im Herzen des Universums schl\u00e4gt das Herz der Liebe Gottes. &#8222;Ich sage euch,&#8220; sagte Jesus \u00fcber den Z\u00f6llner, &#8222;dieser kehrte als Gerechter nach Hause zur\u00fcck, der andere nicht.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Der heilige Isaak der Syrer hat einmal gesagt: &#8222;Sage nie, dass Gott gerecht ist. Wenn er gerecht w\u00e4re, w\u00fcrdest du in der H\u00f6lle sein. Verlass dich nur auf seine Ungerechtigkeit, welche Barmherzigkeit, Liebe und Vergebung ist.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb beten wir so oft in der Liturgie: &#8222;Herr, erbarme dich.&#8220; Dieses Gebet, auch mit einem noch so kleinen Glauben ausgesprochen, wird den Weg f\u00fcr die Vergebung Gottes und f\u00fcr das Kommen seines Reiches in unsere Herzen \u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<p>P. Kilian Karrer OSB<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2019\/07\/2016-2.pdf\">Rundbrief 2\/2016 <\/a><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Mittelpunkt des orthodoxen Gottesdienstes finden wir die Worte &#8222;Herr, erbarme dich&#8220;. In jeder G\u00f6ttlichen Liturgie h\u00f6ren wir sie, in den Nachtwachen, in allen Gottesdiensten. Es wird schnell klar, dass &#8222;Herr, erbarme dich&#8220; so etwas wie die Hauptidee ist. Selbst bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen steht die Barmherzigkeit des Herrn im Zentrum. 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