{"id":226,"date":"2016-07-01T14:04:55","date_gmt":"2016-07-01T12:04:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=226"},"modified":"2021-06-07T14:15:55","modified_gmt":"2021-06-07T12:15:55","slug":"die-ruthenische-griechisch-katholische-kirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/die-ruthenische-griechisch-katholische-kirche\/","title":{"rendered":"Die Ruthenische Griechisch-katholische Kirche"},"content":{"rendered":"\n<p>Die katholische Kirche besteht aus einer bunten Vielfalt von 24 verschiedenen Teilkirchen mit ihren je eigenen kulturellen und geschichtlichen Hintergr\u00fcnden. \u2013 Eine dieser mit Rom in Einheit stehenden und dem byzantinischen Ritus zugeh\u00f6rigen Teilkirchen ist die Ruthenische Griechisch-katholische Kirche.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Aus der Geschichte der Ruthenischen Kirche<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Oeldemann schreibt \u00fcber die Entstehung dieser Kirche:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Christianisierung der Ruthenen, wie die slavischsprachige Bev\u00f6lkerung Transkarpa-tiens genannt wurde, geht vermutlich noch auf die Missionst\u00e4tigkeit der Slavenapostel Kyrillos und Methodios im Grossm\u00e4hrischen Reich zur\u00fcck. Ab dem 11. Jahrhundert geh\u00f6rte die Region gr\u00f6sstenteils zum K\u00f6nigreich Ungarn. Bestrebungen zum Abschluss einer Union der orthodoxen Christen in Ungarn mit Rom gab es erst ab dem Ende des 16. Jahrhunderts, um dem vordringenden Protestantismus entgegenzuwirken. Es waren jedoch nicht die Bisch\u00f6fe, sondern zwei Basilianerm\u00f6nche, die im 17. Jahrhundert die Mehrheit des ruthenischen Klerus f\u00fcr die Union gewinnen konnten. Im &nbsp;April 1646 nahm der lateinische Bischof von Eger 63 ruthenische Priester in die Gemeinschaft mit der Kirche von Rom auf. Dieses Datum gilt als Geburtsstunde der Ruthenischen Griechisch-katholischen Kirche. Weitere lokale Unionsabschl\u00fcsse in den \u00fcbrigen Gebieten der Karpato-Ukraine folgten 1664 und 1713. Obwohl damit zu Beginn des 18. Jahrhunderts fast alle slavischsprachigen Christen im Nordosten Ungarns in Gemeinschaft mit dem R\u00f6mischen Stuhl standen, blieb die Situation der Ruthenen unbefriedigend: Ihr Bischof unterstand dem lateinischen Bischof von Eger und ihre Priester mussten als Vikare der lateinischen Pfarrer arbeiten. Erst 1771 errichtete Papst Clemens XIV. auf Bitten von Kaiserin Maria Theresia die selbstst\u00e4ndige ruthenische Eparchie Muka\u010devo mit Sitz in U\u017ehorod.\u201c<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die weitere Geschichte der Ruthenischen Kirche war so wechselvoll wie die politische. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der gr\u00f6sste Teil Transkarpatiens von der Sowjetunion annektiert und in die ukrainische Republik einverleibt. 1949 wurde die Ruthenische Kirche in der Sowjetunion verboten und ihre Gl\u00e4ubigen in die Russische orthodoxe Kirche eingegliedert. Erst mit den politischen Umw\u00e4lzungen konnte 1991 wieder ein Bischof f\u00fcr die Eparchie von Muka\u010devo eingesetzt werden. Heute z\u00e4hlt die Ruthenische Kirche ca. 650\u2018000 Gl\u00e4ubige, verteilt auf eine Di\u00f6zese in der Ukraine, vier Di\u00f6zesen in den USA und einem Apostolischen Exarchat in der Tschechischen Republik.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Interview mit Priester Michahil Holoschnjaj und seiner Gattin Natascha Holoschnjaj, Theologin<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Vorfeld der byzantinischen Liturgie vom &nbsp;&nbsp;&nbsp;22. Mai in der Churer Kathedrale, der der ruthenische Priester Michahil Holoschnjaj aus Djurdjevo, Serbien, vorstand, ver\u00f6ffentlichte das Pfarreiblatt Graub\u00fcnden<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> ein Interview mit Priester Michahil und seiner Gattin Natascha, Theologin. \u2013 Dieses sei hier wiedergegeben:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201ePfarreiblatt Graub\u00fcnden: Herr Pfarrer Holoschnjaj, Sie sind Priester der Ruthenischen Kirche. Was sind rituelle Besonderheiten Ihrer Kirche?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die liturgische Tradition der Unierten der byzantinischen Tradition ist im Grunde genommen jene der Orthodoxen Kirchen der gleichen liturgischen \u00dcberlieferung. So sind der Kirchenbau, das Innere der Gottesh\u00e4user, die Gew\u00e4nder, die liturgischen Texte und oftmals auch der Gesang einer Region gleich. Die Unterschiede in der liturgischen Tradition sind oft \u201eLatinisierungen\u201c \u2013 also Elemente, die aus der Tradition der westlichen, lateinischen Kirche \u00fcbernommen wurden, wie beispielsweise Fronleichnam oder Rosenkranz.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"589\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-4-2016_Michael-und-Natascha-589x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-613\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-4-2016_Michael-und-Natascha-589x1024.jpg 589w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-4-2016_Michael-und-Natascha-173x300.jpg 173w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-4-2016_Michael-und-Natascha-768x1335.jpg 768w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-4-2016_Michael-und-Natascha-884x1536.jpg 884w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-4-2016_Michael-und-Natascha-1178x2048.jpg 1178w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-4-2016_Michael-und-Natascha-scaled.jpg 1473w\" sizes=\"(max-width: 589px) 100vw, 589px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Wie ist Ihre Kirche entstanden?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Unierten Kirchen waren bis zum Ende des 16. Jahrhunderts ein Teil der Orthodoxen Autokephalen Kirchen. Nachdem die angestrebte Vereinigung zwischen West- und Ostkirche gescheitert war, stellten einige Bist\u00fcmer in eigener Initiative die Einheit mit Rom wieder her. Zu den ersten geh\u00f6rten die ruthenischen Bist\u00fcmer in Litauen-Polen (16.Jh.) und Bist\u00fcmer in der \u00f6sterreichisch-ungarischen Monarchie (17.Jh.).<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ihre Kirche steht in voller Glaubens- und Sa-kramentengemeinschaft mit der R\u00f6misch-katholischen Kirche. D\u00fcrfen Sie bei einer Messe im lateinischen Rituskonzelebrieren<strong>?<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Kirchenrecht der R\u00f6misch-Katholischen Kirche und dem der katholischen Ostkirchen ist die Konzelebration m\u00f6glich. Die alleinige Zelebration eines einzelnen Priesters im Ritus, dem er nicht angeh\u00f6rt, ist hingegen nicht erlaubt. Falls pastorale Bed\u00fcrfnisse es trotzdem notwendig machen, bekommt der Priester daf\u00fcr von der Kongregation f\u00fcr die Ostkirchen in Rom eine Erlaubnis f\u00fcr ein oder zwei Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wo liegen die heutigen Probleme der Ruthenischen Kirche?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das Hauptproblem ist die stets kleiner werdende Zahl der Gl\u00e4ubigen. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind vielf\u00e4ltig: Emigration, Mischehen mit Angeh\u00f6rigen anderer ethnischen und religi\u00f6sen Gruppierungen, Demografie&#8230; Die Ruthenische Kirche verwendet seit ihrer Gr\u00fcndung die kirchenslawische Sprache im Gottesdienst und die ruthenische Volkssprache in der Pastoral. F\u00fcr Familien, in denen die ruthenische Sprache nicht mehr gesprochen wird, wird es schwierig, sich in der ruthenischen unierten Gemeinde heimisch zu f\u00fchlen. Dennoch gibt es bei uns auch viele sehr kleine Gemeinden, in denen viele Mitglieder nicht mehr Ruthenisch sprechen. In diesen Gemeinden sind die Herausforderungen in pastoraler Hinsicht f\u00fcr die Zukunft besonders gross.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Welche beruflichen M\u00f6glichkeiten haben ausgebildete Theologinnen wie Sie, Frau Holoschnjaj, innerhalb Ihrer Kirche?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem ist es der Religionsunterricht f\u00fcr Kinder und Jugendliche. Vor der Trauung ist es obligatorisch, dass sich die Ehepartner auf das Sakrament der Ehe gr\u00fcndlich vorbereiten. So gestalte ich zwei Abende Religionsunterricht f\u00fcr sie und spreche mit den Ehepartnern \u00fcber den christlichen Glauben, die Sakramente der Kirche, Spiritualit\u00e4t und andere Glaubensfragen. Danach gehen sie zur Beichte, Kommunion und empfangen das Sakrament der Ehe. Eine M\u00f6glichkeit w\u00e4re auch, im Gottesdienst als Kantorin zu wirken.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Daniel Bl\u00e4ttler, Protodiakon<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2019\/07\/2016-4.pdf\">Rundbrief 4\/2016<\/a><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> J. Oeldemann, Die Kirchen des christlichen Ostens. Orthodoxe, orientalische und mit Rom unierte Ostkirchen, Verlagsgemeinschaft topos plus, 2008<sup>2<\/sup>, Kevelaer, S. 128f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Pfarreiblatt Graub\u00fcnden Nr. 10, Mai\/2016, Das Interview f\u00fchrte: Sabine-Claudia Nold, Redaktionsverantwortliche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die katholische Kirche besteht aus einer bunten Vielfalt von 24 verschiedenen Teilkirchen mit ihren je eigenen kulturellen und geschichtlichen Hintergr\u00fcnden. \u2013 Eine dieser mit Rom in Einheit stehenden und dem byzantinischen Ritus zugeh\u00f6rigen Teilkirchen ist die Ruthenische Griechisch-katholische Kirche.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10,3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/226"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=226"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/226\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":615,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/226\/revisions\/615"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=226"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=226"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=226"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}