{"id":233,"date":"2016-12-02T14:13:00","date_gmt":"2016-12-02T13:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=233"},"modified":"2021-07-05T10:19:44","modified_gmt":"2021-07-05T08:19:44","slug":"der-evangelist-lukas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/der-evangelist-lukas\/","title":{"rendered":"Der Evangelist Lukas"},"content":{"rendered":"\n<p>Am 18. Oktober feiern viele Kirchen, so auch die r\u00f6misch-katholische Kirche und die orthodoxen Kirchen das Ged\u00e4chtnis des heiligen Evangelisten Lukas. Er ist der Verfasser des dritten Evangeliums und der Apostelgeschichte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wer war der Evangelist Lukas?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie so oft, wenn es um Personen der Antike geht, sind die Quellen, die uns n\u00e4heres \u00fcber Herkunft, Leben und Wirken berichten, eher d\u00fcrftig. So verwundert es auch nicht, dass sich \u00dcberlieferungen unterschiedlichster Herkunft bald einmal zu verschiedenen Legenden verschmelzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Fragen wir nach dem Wissensstand der heutigen Forschung, erfahren wir kaum etwas \u201eHandfestes\u201c \u00fcber die Person des Evangelisten Lukas. Dar\u00fcber, wo Lukas geboren worden war, wo er lebte und wirkte, weiss man nichts Sicheres. Ob Antiochien, irgendwo in Griechenland oder gar in Rom der Wirkungsort des Evangelisten zu suchen ist, wird kontrovers diskutiert. Umstritten ist auch die \u00dcberlieferung des Iren\u00e4us von Lyon (um 180 n.Chr.), wonach der Evangelist Lukas mit jenem Lukas gleichzusetzen sei, der zum engeren Kreis des hl. Paulus geh\u00f6rte und als Arzt t\u00e4tig war (vgl. z.B. Kol 4,14). \u2013 Unbestritten jedoch ist, dass Lukas \u2013 wer immer er genau gewesen sein mag \u2013 ein wunderbares Evangelium von der Liebe Gottes und eine hochspannende Apostelgeschichte \u00fcber die Entstehung der Christengemeinden und die Ausbreitung des Christentums geschrieben hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Evangelium des Lukas \u2013 eine frohe Botschaft von Jesus, dem Heiland<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dem Evangelisten Lukas haben wir wunderbare Texte zu verdanken, die uns Jesus als den wahren Heiland zeigen, der sich ganz besonders den Ausgegrenzten, den Verlorenen, den S\u00fcndern und Leidenden zuwendet. F\u00fcr Lukas ist Jesus die menschgewordene Liebe Gottes zu den Menschen, denken wir nur an die ber\u00fchrenden Gleichnisse vom \u201ebarmherzigen Samariter\u201c oder vom \u201everlorenen Sohn\u201c. Kein anderer Evangelist berichtet auch so eindr\u00fccklich \u00fcber das Gebet als Fundament f\u00fcr das Leben aus dem Glauben. &#8211; Aber auch liturgische Texte finden sich in seinem Evangelium, Gebete, die t\u00e4glich gesprochen oder gesungen werden wie der Lobgesang Mariens in der Vesper, das Magnifikat (Lk 1,46ff), der Lobgesang des Zacharias in der Laudes, das Benedictus (Lk 1,68ff) oder das Lied des greisen Simeon in der Komplet, das Nunc dimittis (Lk2,29ff), das Jesus als das Heil und das Licht f\u00fcr alle V\u00f6lker besingt. \u2013 Schon dies zeigt, wie allgegenw\u00e4rtig gerade dieses Evangelium in den Tagzeitengebeten der Kirchen und damit auch in unseren betenden Herzen ist.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"559\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-6-2016_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-605\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-6-2016_1.jpg 559w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-6-2016_1-218x300.jpg 218w\" sizes=\"(max-width: 559px) 100vw, 559px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Lukas in der kirchlichen \u00dcberlieferung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die kirchliche \u00dcberlieferung ist und bleibt Lukas aber doch mehr, als der kaum fassbare Evangelist der heutigen Bibelwissenschaft. So gilt er als einer der siebzig J\u00fcnger, die der Herr je zu zweit aussandte, um in den St\u00e4dten und D\u00f6rfern zu predigen (vgl. Lk 10,1ff). Oder Lukas wird mit jenem J\u00fcnger gleichgesetzt, der am dritten Tage nach dem Tod Jesu zusammen mit Kleopas auf dem Weg nach Emmaus war, als ihnen der Auferstandene erschien und sie begleitete, ohne dass sie ihn erkannt h\u00e4tten (vgl. Lk 24,13ff.). Erst beim Brechen des Brotes gingen ihnen die Augen auf, und sie kehrten nach Jerusalem zur\u00fcck, um den J\u00fcngern die frohe Botschaft von der Auferweckung Jesu zu berichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Andere Traditionen wissen davon zu berichten, Lukas habe erst durch den Apostel Paulus zum Glauben an Christus gefunden. Begeistert von der Predigt des Paulus, habe er sogleich alles liegen gelassen und sich ihm angeschlossen. Lukas wurde zum treuen Begleiter des Paulus und zugleich sein Leibarzt. Er begleitete Paulus auf seinen Reisen und habe schliesslich auch dessen M\u00e4rtyrertod in Rom miterlebt. \u2013 Nach dem Tod des Paulus habe Lukas in Kleinasien und Achaia gelebt und sei zum Bischof von Theben ernannt und geweiht worden, wo er viele Kranke heilte, aber auch Kirchen baute, Priester und Diakone weihte und als vorbildlicher Hirte wirkte. Da soll er im Alter von 84 Jahren gestorben sein, w\u00e4hrend andere Quellen berichten, Lukas habe schliesslich selber das Martyrium erlitten. Aus dem Grab des Heiligen sei lange Zeit wunderwirkendes Myron geflossen. Kaiser Konstantius, Sohn Konstantins d.Gr., liess im Jahr 357 n.Chr. die Reliquien des Lukas nach Konstantinopel bringen und sie dort in der Kirche des Heiligen Apostels beisetzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lukas \u2013 der erste Ikonenmaler<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere kirchliche Tradition sieht in Lukas den ersten Ikonenmaler. Er gilt als der erste Maler, der die Gottesmutter Maria abgebildet hat. Noch zu Lebzeiten der Maria habe Lukas die Mutter Jesu gemalt und so ihr Antlitz verewigt. Die Ikone der Heiligen Gottesmutter wird in der p\u00e4pstlichen Basilika Santa Maria Maggiore in Rom als das Gnadenbild \u201eSalus populi Romani\u201c verehrt. R. Raffalt schreibt dazu:<br><br>\u201eUnter einer funkelnden Krone blickt das dunkle Antlitz der Madonna auf uns nieder, aus seinen gelassenen Z\u00fcgen senkt sich auf die Betr\u00fcbten Trost, auf die Kranken Heilung, auf die Zweifelnden Weisheit herab\u2026\u2018Salus\u2018 \u2013 so nennt man diese Madonna, das \u201aHeil\u2018 des r\u00f6mischen Volkes, und in diesem Wort ist nicht nur die Rettung der Seelen, sondern auch die Gesundheit des Leibes verstanden. Auch hier scheint die Verbindung zu dem Patron der \u00c4rzte wie der K\u00fcnstler gegeben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"177\" height=\"285\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-6-2016_2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-607\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Lukas \u2013 der Evangelist, Lukas \u2013 der Patron der Ikonenmaler, Lukas \u2013 der Patron der \u00c4rzte. Auch wenn man historisch betrachtet nur wenig \u00fcber diesen Lukas weiss \u2013 die Wirkung und Ausstrahlung dieses Mannes ist bis heute ungebrochen lebendig.<\/p>\n\n\n\n<p>Daniel Bl\u00e4ttler, Protodiakon<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2019\/07\/2016-6.pdf\">Rundbrief 6\/2016<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 18. 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