{"id":459,"date":"2021-05-31T11:49:00","date_gmt":"2021-05-31T09:49:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=459"},"modified":"2022-04-06T11:55:03","modified_gmt":"2022-04-06T09:55:03","slug":"wage-von-einer-besseren-zukunft-zu-traeumen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wage-von-einer-besseren-zukunft-zu-traeumen\/","title":{"rendered":"Wage von einer besseren Zukunft zu tr\u00e4umen!"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gedanken von Papst Franziskus<\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-3-2021-637x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-479\" width=\"319\" height=\"512\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-3-2021-637x1024.jpg 637w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-3-2021-187x300.jpg 187w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-3-2021.jpg 730w\" sizes=\"(max-width: 319px) 100vw, 319px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Pandemie rund um Covid-19, die einen Lock-down heraufbeschwor und 2020 die Christenheit des Osterfestes beraubte, wird von Papst Franzis-kus in einer Weise durchschaut, dass er nicht nur von einer \u00abweltweiten Krise\u00bb und einer \u00abZeit der Pr\u00fcfung\u00bb redet, sondern lautstark klarmacht, dass die Welt \u00abvor einem Wendepunkt\u00bb steht, denn \u00abCovid hat die Perspektive umgedreht\u00bb. Sein An-liegen, diesen Stillstand der Welt als Einkehrzeit zu nutzen, um den Stand der Menschen in der heutigen Welt zu eruieren und das m\u00f6gliche Aus-mass der Pandemie mit all ihren Begleiterschei-nungen zu bedenken, gab er schriftlich zu Wort. (Papst Franziskus, Wage zu tr\u00e4umen! Mit Zuversicht aus der Krise. Im Gespr\u00e4ch mit Austen Ivereigh \u2013 M\u00fcnchen: K\u00f6sel 2020, 189 S.)<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00dcberlegungen von Papst Franziskus sollen nicht ungeh\u00f6rt bleiben, weshalb wir hier einige Schwerpunkte aufzeigen m\u00f6chten.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Dialogpartner <em>Austen Ivereigh <\/em>beschreibt am Schluss des Buches die sehr eindr\u00fcckliche Hal-tung von Papst Franziskus, die wir gleich an den Anfang dieses Beitrags stellen: \u00abEr war \u2013 (und dies ist) sein besonderes Charisma \u2013 der geistli-che Begleiter der Welt; und nun, da die Welt in eine dunkle Nacht eingetreten war, ging er mit uns und leuchtete mit einer Fackel auf die vor uns lie-genden Wege und warnte uns vor den Klippen. Er suchte, die Dringlichkeit zu vermitteln, die Men-schen in Zeiten der Tr\u00fcbsal f\u00fcr die Gnade zu \u00f6ff-nen, und so Gott unsere Geschichte gestalten zu lassen.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Lekt\u00fcre stellen wir fest, dass Papst Fran-ziskus einem Arzt oder Heiler gleich an die aktu-elle Sachlage herantritt: Er macht in einem ersten Schritt eine Anamnese des Ist-Zustandes der Welt und stellt eine Diagnose; in einem zweiten Schritt w\u00e4gt er Heilungsm\u00f6glichkeiten ab; in einem drit-ten Schritt ruft er zur Durchf\u00fchrung der von ihm als Erfolg versprechenden Therapie auf. Konkret heisst dies: Das Buch hat \u2013 nach einem Vorwort des Papstes \u2013 drei Kapitel: 1. Eine Zeit zum Se-hen, 2. Eine Zeit zum W\u00e4hlen und 3. Eine Zeit zum Handeln.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1. Sehen, analysieren und verstehen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Papst Franziskus beginnt mit einer Situations- und Werteanalyse. Es stellt sich die Frage: Wo befin-det sich die heutige Welt? In welche Zeit hinein f\u00e4llt dieses lebensbedrohliche Virus? Zweifels-ohne hat Covid-19 eine weltweite Krise ausgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<p>An dieser Stelle lohnt es sich, einen Blick auf das kleine Wort \u00ab<strong><em>Krise\u00bb <\/em><\/strong>zu werfen. Abgeleitet vom griechischen \u00ab<em>krino\u00bb<\/em>, d.h. \u00ab<em>unterscheiden, abw\u00e4-gen\u00bb<\/em>, fordert eine Krise die Menschen heraus, sich Zeit zu nehmen und die Situation, in der sie stehen, nach allen Seiten hin zu begutachten, in Gedanken abzuw\u00e4gen, was gut und was ungut ist, wo man gefehlt hat, zu kurzsichtig war, eine Fehl-einsch\u00e4tzung gemacht hat, um schliesslich zu ent-scheiden, wie es weitergehen soll. Papst Franzis-kus betont, dass eine Krisen-Situation eine \u00abZeit der <em>Pr\u00fcfung\u00bb <\/em>ist und zu einer \u00abZeit der <em>Reinigung\u00bb <\/em>werden soll. Seine Quintessenz lautet: \u00abIch sehe diese Zeit als eine Stunde der <em>Wahrheit<\/em>.\u00bb Men-schen sind verunsichert, weil ihr \u00abFunktionalis-mus\u00bb ersch\u00fcttert wird, weil \u00abfalsche Sicherheiten\u00bb aufgedeckt werden. \u00abDie Krise hat die Wegwerf-Kultur sichtbar werden lassen\u00bb, in der Materie, Profit und Fortschritt mehr Wert haben als der ein-zelne Mensch. Und sie hat den \u00abTrugschluss\u00bb ans Licht gebracht, wenn der \u00abIndividualismus zum Organisationsprinzip der Gesellschaft erho-ben wird\u00bb, Solidarit\u00e4t und Geschwisterlichkeit aber an den Rand gedr\u00e4ngt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig birgt eine Krise die <strong><em>Chance <\/em><\/strong>in sich, dass man sich und die Welt \u00e4ndern kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Schliesslich muss der Mensch <strong><em>w\u00e4hlen<\/em><\/strong>, in welche Richtung sein weiteres Leben gehen soll. \u00abUnd in deiner Wahl zeigst du dein Herz\u00bb\u2026 In Krisen zei-gen sich die Menschen, \u00abwie sie wirklich sind\u00bb. \u00abGott (aber) fordert uns auf, es zu wagen, etwas Neues zu erschaffen\u00bb und uns daran zu erinnern, \u00abdass wir zu ihm und zueinander geh\u00f6ren\u00bb. Nur eine geschwisterliche Welt wird Gerechtigkeit und Freiheit f\u00fcr alle Menschen, auch die am Rande der jetzigen Gesellschaft stehenden, entstehen lassen, so dass das Leben in Einklang mit der Na-tur der Verheissung des Sch\u00f6pfers entsprechen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Papst Franziskus skizziert in diesem ersten Kapi-tel ein Manifest f\u00fcr eine Post-Covid-Gesellschaft, in der aber nicht mehr gelten kann, was die Welt sich bis anhin einbildete: \u00abLange Zeit dachten wir, wir k\u00f6nnten gesund bleiben, auch in einer kranken Welt.\u00bb Es bedarf einer rigorosen Kehrtwende!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2. W\u00e4hlen, handeln und leben<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das zweite und dritte Kapitel besch\u00e4ftigen sich mit den Fragen: Was sollen wir tun? Wo gibt es ver-n\u00fcnftige Ans\u00e4tze f\u00fcr den Aufbau einer besseren Welt? Welches sind Wege? Welches Irrwege? Welche Welt w\u00fcnschen wir?<\/p>\n\n\n\n<p>Papst Franziskus scheint von einer \u00abheiligen Un-geduld\u00bb durchdrungen zu sein. Seine Devise ist: Die Kirche soll nach der Corona-Zeit nicht irgend-einer Reaktion fr\u00f6nen auf Beschl\u00fcsse, die \u00abdie Welt\u00bb gefasst \u2013 oder schlimmstenfalls nicht ge-fasst \u2013 hat. Nein. Die Kirche soll als Mitgestalterin einer besseren Welt auftreten, das heisst heute schon \u00abdie Zukunft vorbereiten\u00bb. Und \u2013 um keine Zeit zu verlieren \u2013 hat er bereits eine Kommission ins Leben gerufen, die die \u00abnach-Covid-Zukunft\u00bb vordenken soll. Heute schon. Die Chance ergibt sich jetzt, sie muss jetzt genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der <strong><em>Ansatz<\/em><\/strong>, den Papst Franziskus skizziert, geht auf die Wurzeln des Christentums zur\u00fcck, auf die Werte, die der \u00abSchl\u00fcssel zum menschlichen Le-ben\u00bb sind. Nicht verhandelbare, sakrosankte Werte. Werte, die Gott in die Wiege der Mensch-heit gelegt hat. Konkret: Da Gott seine Sch\u00f6pfung liebt, kann der Mensch nicht anders, als in einer Du-Beziehung zur Welt zu stehen und in unab-dingbarer, selbstloser Solidarit\u00e4t mit den Mitmen-schen zu leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Den <strong><em>Weg <\/em><\/strong>sieht er in der \u00ab<em>Synodalit\u00e4t\u00bb, <\/em>einem Charakteristikum, welches von Anfang an die Kir-che gepr\u00e4gt hat, aber im Westen w\u00e4hrend Jahr-hunderten vernachl\u00e4ssigt und von Papst Paul VI. auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962\u20131965) wieder in den Vordergrund ger\u00fcckt wurde. \u00ab<em>Synodalit\u00e4t\u00bb <\/em>bedeutet \u00ab<em>den Weg zusammen ge-hen\u00bb, <\/em>Partner auf Augenh\u00f6he sein \u2013 ohne Rivali-t\u00e4t; Konflikte auf eine Meta-Ebene transferieren \u2013 fern von Fundamentalismus und Traditionalismus; in Offenheit f\u00fcr Gottes Wort sich vom Geist Gottes leiten lassen \u2013 das ewig Gestrige hinter sich las-send; mutig und furchtlos voranschreiten \u2013 und die Scheuklappen der Angst ablegen. Letztlich Gott das Wort \u00fcberlassen, denn die Wahrheit ruht allein in Gott.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeit dr\u00e4ngt, kreativ, mitgestaltend neue, unge-ahnte L\u00f6sungen aufzusp\u00fcren, um einen Wandel in der Welt zu bewirken. \u00abWandel\u00bb heisst jedoch \u00abUmkehr\u00bb. Covid f\u00fchrte die Menschheit in eine Sackgasse; der Ausweg f\u00fchrt nur \u00fcber eine Kehrt-wende.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie, mit welcher <strong><em>Methode <\/em><\/strong>will Papst Franziskus vorankommen? Im <em>Gebet<\/em>, um innerlich zur Ruhe zu kommen, um offen zu werden, die Eingebun-gen des Geistes zu \u00abh\u00f6ren\u00bb, den Weg zu \u00abse-hen\u00bb und die ungeahnten M\u00f6glichkeiten zu \u00aber-kennen\u00bb. Gottes Geist leitet zur \u00abBekehrung\u00bb an, damit sich Blockaden im Denken l\u00f6sen und Ver-suchungen entlarvt werden \u2013 und die Menschen zu Mitgestaltern einer \u00abneuen Welt\u00bb werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das <strong><em>Ziel <\/em><\/strong>soll eine gel\u00e4uterte Welt sein, in der die gelebte Geschwisterlichkeit alle Menschen zu ei-nem einzigen \u00abVolk Gottes\u00bb zusammenf\u00fchrt, wel-ches in den je eigenen Traditionen verwurzelt ist, wo das \u00abgemeinschaftliche Ged\u00e4chtnis\u00bb der Nati-onen und die \u00abkollektive Weisheit\u00bb aller Kulturen das Band einer lebendigen Wirklichkeit kn\u00fcpft, wo die W\u00fcrde dieses Volkes aus der N\u00e4he zu Gott entsteht, und die Seele dieses geeinten Volkes sich aus der Liebe Gottes versteht.<\/p>\n\n\n\n<p>So ist Papst Franziskus zum Vordenker einer bes-seren Zukunft geworden: Er entwirft eine Sozial-lehre f\u00fcr ein neues Volk Gottes, in einer mensch-licheren Welt, mit einer Menschheit, die dem Sch\u00f6pfungsauftrag gerecht wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. theol. Maria Brun<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-0d81f67c-f2a8-4946-82ae-23975bb999c1\" href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-3-2021.pdf\">Rundbrief 3\/2021<\/a><a href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-3-2021.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-0d81f67c-f2a8-4946-82ae-23975bb999c1\">Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rundbrief 3\/2021 \u2013 Die Pandemie rund um Covid-19, die einen Lock-down heraufbeschwor und 2020 die Christenheit des Osterfestes beraubte, wird von Papst Franzis-kus in einer Weise durchschaut, dass er nicht nur von einer \u00abweltweiten Krise\u00bb und einer \u00abZeit der Pr\u00fcfung\u00bb redet, sondern lautstark klarmacht, dass die Welt \u00abvor einem Wendepunkt\u00bb steht, denn \u00abCovid hat die Perspektive umgedreht\u00bb.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/459"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=459"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/459\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1025,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/459\/revisions\/1025"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=459"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=459"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=459"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}