{"id":511,"date":"2020-10-30T15:18:00","date_gmt":"2020-10-30T14:18:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=511"},"modified":"2021-07-05T10:03:19","modified_gmt":"2021-07-05T08:03:19","slug":"halloween-allerheiligen-allerseelen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/halloween-allerheiligen-allerseelen\/","title":{"rendered":"Halloween \u2013 Allerheiligen \u2013 Allerseelen"},"content":{"rendered":"\n<p>Auf den ersten Blick passen die drei Begriffe nicht zusammen, abgesehen von der gleichen Jahreszeit, in die sie fallen. Ende Oktober \u2013 Anfang November sind markiert durch diese drei Feste. Dabei ist zu sagen, dass sie eine Art Demarkationslinie durch die Generationen bilden. Die J\u00fcngeren wachsen heute mit Halloween auf und freuen sich, dass am 1. November schulfrei sei, damit sie ausschlafen k\u00f6nnten. Die \u00c4lteren hingegen k\u00f6nnen mit dieser neuen, Fasnacht \u00e4hnlichen \u00abMode\u00bb am 31. Oktober nicht viel anfangen. Der 2. November ist nur noch vom 3. Alter aufw\u00e4rts bekannt und man entsinnt sich wehm\u00fctig der alten Zeiten, als diesem Totengedenktag noch volle Bedeutung zukam.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Folgenden m\u00f6chten wir den drei Begriffen nachgehen und die innere Beziehung aufzeigen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>1 Halloween<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die unbekannten Br\u00e4uche zu Halloween sind via Medien in den 1990er Jahren im deutsch-sprachigen Europa aufgetaucht. Von den katholischen Gebieten der Britischen Inseln haben vor allem die Iren, die im 19. Jh. infolge Hungersnot und Armut auswanderten, ihre Traditionen nach Amerika gebracht. Doch was steckt hinter \u00abHalloween\u00bb?<\/p>\n\n\n\n<p>Halloween hat seinen Ursprung im Keltischen und geht auf das Herbstfest <em>\u00abSamhain\u00bb<\/em> zur\u00fcck. Die Kelten kannten vier Sonnenfeste (je zwei zur <em>\u00c4quinox<\/em><a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> und <em>Solstitium<\/em><a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a>) und vier Mondfeste zu Beginn der Jahreszeiten, von denen <em>Samhain<\/em> das wichtigste war. Es bezeichnete auch den \u00dcbergang des alten ins neue Jahr, vom 31. Oktober zum 1. November. Die Feierlichkeiten hatten mehrere Gr\u00fcnde: Jahres\u00fcbergang \u00e4hnlich heutigem Silvester, Freude \u00fcber Ernte und aufgezogenes Vieh als Vorl\u00e4ufer des Erntedankfestes, Entz\u00fcnden des \u00abheiligen Feuers\u00bb und Entfachen des Herdes mit demselben zur Abwehr des B\u00f6sen, \u00abSchwellenzeit\u00bb in der sich die dies- und jenseitige Welt nahe kamen.<\/p>\n\n\n\n<p>Uns interessiert der letzte Aspekt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Samhain<\/em><\/strong> bezeichnete nach religi\u00f6sem Gesichtspunkt den \u00abdunklen Pol\u00bb im Gegensatz zum \u00abhellen Pol\u00bb von <em>Beltane<\/em><a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a>. Die Kelten glaubten, dass sich in zyklischen Abst\u00e4nden die beiden Welten n\u00e4her k\u00e4men und an <em>Samhain<\/em> die trennenden \u00abSchleier\u00bb besonders d\u00fcnn seien. In dieser Nacht w\u00e4re also eine Begegnung zwischen Lebenden und Toten, aber auch anderen Wesen der jenseitigen Welt, m\u00f6glich. Man nahm an, dass die <em>\u00abAnderswelt\u00bb <\/em>mit Elfen, Feen, Kobolden, \u00abWi(e)derg\u00e4ngern\u00bb \u2013 entsprechend \u00abUntoten\u00bb oder \u00abarmen Seelen\u00bb, die ihre Ruhe nicht finden \u2013 unmittelbar neben der Welt der Menschen sei. Und \u2013 man war sich bewusst, dass eine solche Begegnung sowohl eine Chance, die dem Menschen Segen brachte, als auch eine Gefahr, die den Erdenb\u00fcrgern zum Schaden gereichen konnte, in sich bargen. So entstanden die einzelnen Br\u00e4uche: Fratzenhaft flackernde (K\u00fcrbis-)Gesichter auf dem Fenstersims und verkleidete Unwesen sollten die b\u00f6sen Geister vom Haus fernhalten; den guten Seelen seien sog. <strong><em>\u00abSoulcakes\u00bb<\/em><\/strong>hinzulegen. Sollten allenfalls Bettler diese an sich nehmen, so waren sie geheissen, f\u00fcr die \u00abarmen Seelen\u00bb zu beten, ansonsten sie Unheil zu gew\u00e4rtigen h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"374\" height=\"331\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2020_Bild1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-512\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2020_Bild1.jpg 374w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2020_Bild1-300x266.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 374px) 100vw, 374px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Man beachte die in Kreuzform angelegte Dekoration.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Hier ist bereits der Einfluss des christlichen Glaubens erkennbar.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Diese Kuchen sollen dem Spender Heil bringen durch die guten Geister.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dahinter die Fratzengesichter, die die b\u00f6sen Geister abwehren sollen. (Abb. 1)<\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>2 Allerseelen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Fest Allerseelen reiht sich an oben genannte Ausf\u00fchrungen an und hat in gewissen Kulturen eine inhaltliche Verwandtschaft, so z.B. im <em>altmexikanischen<\/em> Glauben, welcher an <em>aztekischen<\/em> Vorstellungen anschliesst: Einmal im Jahr, am <em>\u00abDia de (los) Muertos\u00bb,<\/em> zum Ende der Erntezeit, k\u00e4men die Verstorbenen aus dem Jenseits zu Besuch und feierten mit den Lebenden ein fr\u00f6hliches Wiedersehen. Ein farbenpr\u00e4chtiges Volksfest mit vielen Blumen vor allem in den Farben gelb und orange \u2013 weil diese von den Jenseitigen am besten erkannt w\u00fcrden \u2013 und dem <em>\u00abPan de Muerto\u00bb<\/em> heisst in der Nacht auf den 1. November zun\u00e4chst die <em>\u00abAngelitos\u00bb<\/em>, die verstorbenen Kinder, dann die Erwachsenen willkommen, um am 2. November um Mitternacht von diesen auf dem Friedhof wieder Abschied zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das <strong><em>christliche Allerseelen<\/em><\/strong> ging 998 von Cluny aus und breitete sich im 11. Jh. in der ganzen lateinischen Kirche aus. Allerseelen hat einen Bezug zum Fegefeuer, d.h. durch Gebet, F\u00fcrbitte, Fasten und Almosen k\u00f6nnten die Lebenden den Verstorbenen helfen. Vielerorts gibt es Grabsegnungen sowie Grab- oder Seelenlichter als Symbol f\u00fcr das ewige Licht: beide sind Ausdruck der Verbundenheit mit den Verstorbenen. Die Zeit vom 30. Oktober bis 8. November heisst <em>\u00abSeelenwoche\u00bb.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"418\" height=\"299\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2020_Bild2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-513\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2020_Bild2.jpg 418w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2020_Bild2-300x215.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 418px) 100vw, 418px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Angeh\u00f6rige auf dem Friedhof. (Abb. 2)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong><em>evangelische Kirche<\/em><\/strong> kennt den <em>\u00abTotensonntag\u00bb,<\/em> heute meist <em>\u00abEwigkeitssonntag\u00bb<\/em> genannt; dieser wird am letzten Sonntag des Kirchenjahres, also am Sonntag vor dem &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;1. Advent begangen. Auch die <strong><em>orthodoxe Kirche<\/em><\/strong> gedenkt der Toten. Die Traditionen sind unterschiedlich; allen gemeinsam sind der Samstag \u2013 als Tag der Grabesruhe Jesu, vor der Auferstehung \u2013 vor Beginn der Osterfasten und vor Pfingsten. Die <strong><em>syrisch-orthodoxe Kirche<\/em><\/strong> feiert am Ostermontag den <em>\u00abRuhetag aller Verstorbenen\u00bb<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3 Allerheiligen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist der \u00e4lteste Feiertag. <em>Ephrem der Syrer<\/em> (306-373) initiierte 373 einen Gedenktag<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> aller M\u00e4rtyrer. In der <strong><em>orthodoxen Kirche<\/em><\/strong> wird am ersten Sonntag nach Pfingsten aller \u00abHeiligen\u00bb<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> gedacht. Erst im 9. Jh. erkl\u00e4rte Papst Gregor IV. (827-844) Allerheiligen, inklusive Vigil am Vorabend, als Feiertag der Westkirche. Zuvor hatte Alkuin (735-804) darauf gedr\u00e4ngt, das Fest auf den 1. November festzulegen, denn als Angelsachse wusste er um den keltischen Neujahrsbeginn.&nbsp; So wird auch klar, weshalb \u00ab<strong><em>Halloween\u00bb<\/em><\/strong> etymologisch <em>(hallow = \u00abheiligen, weihen\u00bb)<\/em> <strong><em>\u00abAll Hallows\u00bb <\/em><\/strong>n\u00e4mlich <strong><em>\u00aballe Heiligen\u00bb <\/em><\/strong>bedeutet bzw. <strong><em>\u00abAll Hallows Eve\u00bb<\/em><\/strong> der Vorabend von Allerheiligen, wovon sich \u00abHalloween\u00bb ableitet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"250\" height=\"249\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2020_Bild3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-514\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2020_Bild3.jpg 250w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2020_Bild3-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Ikone zu Allerheiligen. (Abb. 3)<\/em><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>In der Alten Kirche wurden alle Getauften und Mitglieder der jungen Kirche als \u00abHeilige\u00bb bezeichnet, weshalb in der orthodoxen Kirche alle Getauften, deren Namenspatron keinen eigenen Festtag hat oder die keinen christlichen Namen tragen, an \u00abAllerheiligen\u00bb Namenstag feiern. Erst sp\u00e4ter wurde der Begriff \u00abheilig\u00bb eingeschr\u00e4nkt und im Zusammenhang mit der Kanonisierung nur noch f\u00fcr jene Personen verwendet, von denen sowohl die Menschen als auch die Kirche annimmt, \u00abdass sie schon zur Vollendung in Gott gelangt sind\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesem Verst\u00e4ndnis schliesst das Fest \u00abAllerheiligen\u00bb den Gedenktag \u00abAllerseelen\u00bb mit ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Maria Brun, Dr. theol.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Tag- und Nacht-Gleiche.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Sommer- und Winter-Sonnwende.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> 30. April \/ 1. Mai.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Am 13. Mai.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> M\u00e4rtyrer, Heilige, Apostel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf den ersten Blick passen die drei Begriffe nicht zusammen, abgesehen von der gleichen Jahreszeit, in die sie fallen. Ende Oktober \u2013 Anfang November sind markiert durch diese drei Feste. Dabei ist zu sagen, dass sie eine Art Demarkationslinie durch die Generationen bilden. Die J\u00fcngeren wachsen heute mit Halloween auf und freuen sich, dass am 1. November schulfrei sei, damit sie ausschlafen k\u00f6nnten. Die \u00c4lteren hingegen k\u00f6nnen mit dieser neuen, Fasnacht \u00e4hnlichen \u00abMode\u00bb am 31. Oktober nicht viel anfangen. Der 2. November ist nur noch vom 3. Alter aufw\u00e4rts bekannt und man entsinnt sich wehm\u00fctig der alten Zeiten, als diesem Totengedenktag noch volle Bedeutung zukam.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/511"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=511"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/511\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":515,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/511\/revisions\/515"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=511"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=511"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=511"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}