{"id":52,"date":"2013-03-01T22:55:33","date_gmt":"2013-03-01T21:55:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=52"},"modified":"2021-06-09T13:51:59","modified_gmt":"2021-06-09T11:51:59","slug":"im-herzen-der-liturgie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/im-herzen-der-liturgie\/","title":{"rendered":"Im Herzen der Liturgie"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Anaphora in der Liturgie des hl. Basilius<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>In der Regel die Chrysostomus-Liturgie\u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir in den Kirchen des byzantinischen Ritus die G\u00f6ttliche Liturgie feiern, dann zumeist nach dem Formular des hl. Johannes Chrysostomus, des Patriarchen von Konstantinopel (gest. 407). Die Tradition bezeichnet ihn als den Verfasser dieser g\u00e4ngigen Liturgie, die Sonntag f\u00fcr Sonntag, an den meisten Festtagen und auch unter der Woche gefeiert wird. Auch wenn l\u00e4ngstens bekannt ist, dass der &nbsp;&nbsp;hl. Chrysostomus wohl der Verfasser einiger Gebete, nicht aber der ganzen Liturgie ist, so wird sie doch seit alters her nach ihm benannt. Wahrscheinlich ist der Kern der Chrysostomus-Liturgie in Antiochien entstanden, das sehr alte liturgische Traditionen besass. Hier wirkte Johannes Chrysostomus als ber\u00fchmter und beliebter Prediger, daher auch die Verbindung der Liturgie mit seiner Person.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hin und wieder auch die<\/strong> <strong>Basilius-Liturgie\u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Weniger bekannt, im Herzst\u00fcck, der Anaphora (Hochgebet), aber auf noch \u00e4lterer Tradition beruhend, ist die Liturgie nach dem Formular des hl. Basilius (oder Basileios). \u00c4usserlich unterscheidet sie sich in nichts von der Chrysostomus-Liturgie, ausser in der L\u00e4nge einzelner Gebete und damit nat\u00fcrlich auch in der zeitlich Ausdehnung des Gottesdienstes. Heute wird die Chrysostomus-Liturgie praktisch t\u00e4glich gefeiert, werktags wie sonntags. Fr\u00fcher war es allerdings gerade andersherum: Bis ins 11. Jahrhundert hatte die Basilius-Liturgie den Vorrang. Daran erinnert der Umstand, dass der Basilius-Liturgie \u2013 obwohl nur noch an 10 Tagen im Jahr gefeiert \u2013 ganz besondere Tage und Feste vorbehalten sind, n\u00e4mlich: die Sonntage der Grossen Fastenzeit (ausser der Palmsonntag), der Heilige und Grosse Donnerstag (Hoher Donnerstag), der Heilige und Grosse Samstag (Karsamstag), der Vorabend der Geburt Christi, der Vorabend von Epiphanie und nat\u00fcrlich der Tag des hl. Basilius selber (1. Januar).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"209\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-2-2013_Basilius.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-673\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Die Anaphora \u2013 das Hochgebet<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>in der Liturgie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Anaphora (griechisch: Emporbringen; Darbringung) ist das Kernst\u00fcck der eucharistischen Liturgie mit dem Hochgebet und dem Einsetzungsbericht.<a href=\"#_edn1\">[1]<\/a> Dieses Kernst\u00fcck der Liturgie ist zugleich das Herzst\u00fcck: in der Anaphora begegnen uns in der Regel die \u00e4ltesten, urspr\u00fcnglichsten Gebete der Liturgie. Gerade an der Anaphora der Basilius-Liturgie wird sp\u00fcrbar und sichtbar, wie die fr\u00fche Kirche darum gerungen hat, das Geheimnis Gottes als Vater, Sohn und Heiliger Geist in Worte zu fassen und im Gebet zu besingen. Basilius nimmt die theologischen Anliegen des Konzils von Nic\u00e4a (325 n.Chr.) auf und entwickelt sie weiter. \u00abDiesbez\u00fcglich wurde der erste Teil der Anaphora, das \u201atheologische\u2018 Gebet (vor dem Sanctus), besonders ausgefeilt, so dass eine nuancierte Darstellung der g\u00f6ttlichen Lebensgemeinschaft von Vater, Sohn und Geist entstanden ist. Innerhalb dieser wird der Sohn gepriesen als \u201adas Bild Deiner G\u00fcte\u2018, das gleichwesentliche Siegel, das Dich, den Vager, in sich zeigt, lebendiges Wort, wahrer Gott, Weisheit vor aller Ewigkeit, Leben, Heiligung, Kraft und wahres Licht. Vom Heiligen Geist und von seinem Verh\u00e4ltnis zum Sohn aber wird [\u2026] gesagt: \u201aDurch Ihn ist der Heilige Geist erschienen, der Geist der Wahrheit, das Gnadengeschenk der Sohnschaft, das Angeld des k\u00fcnftigen Erbes, der Erstling der ewigen G\u00fcter, die Leben schaffende Kraft, die Quelle der Heiligung; durch diesen Geist wird jedes vernunftbegabte und geistige Gesch\u00f6pf gest\u00e4rkt, dient Dir und sendet Dir den ewigen Lobpreis empor\u2018\u00bb.<a href=\"#_edn2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der gr\u00f6sste Teil der Anaphora, des grossen eucharistischen Gebetes, wird vom Priester vor und nach dem Einsetzungsbericht leise gebetet. Daher sind diese wunderbaren, tiefen und dichten Gebete kaum bekannt. F\u00fcr einmal sei hier ein etwas l\u00e4ngerer Text abgedruckt: es ist dieser erste Teil der Basilius-Anaphora, vor dem Sanctus:<br><br><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00abSeiender, gebietender Herr, Gott Vater, angebeteter Allherrscher! Wahrhaft billig, gerecht und der Gr\u00f6sse Deiner Heiligkeit geziemend ist es, Dich zu loben, Dich zu besingen, Dich zu preisen, Dich anzubeten, Dir zu danken, Dich, den einzigen, den wahrhaft seienden Gott zu verherrlichen und Dir mit zerknirschtem Herzen und im Geiste der Demut diesen unsern vern\u00fcnftigen Gottesdienst darzubringen; denn Du hast uns die Erkenntnis Deiner Wahrheit geschenkt. Wer w\u00e4re imstande, Deine Macht auszusprechen, all Dein Lob zu verk\u00fcndigen oder all die Wunden aufzuz\u00e4hlen, die Du, Gebieter des All, Herr des Himmels und der Erde und jedes sichtbaren und unsichtbaren Gesch\u00f6pfes, zu allen Zeiten gewirkt hast! Du sitzest auf dem Throne der Herrlichkeit und blickst auf die Abgr\u00fcnde nieder, Ewiger, Unsichtbarer, Unbegreiflicher, Unbeschreiblicher, Unver\u00e4nderlicher, Vater unseres Herrn Jesus Christus, des grossen Gottes und Retters unserer Hoffnung. Dieser ist das Bild Deiner G\u00fcte, das Siegel der Gleichheit, das in sich den Vater zeigt, das lebendige Wort, wahrer Gott von Ewigkeit, Weisheit, Leben, Heiligung, Kraft und wahres Licht. Von ihm erschien der Heilige Geist, der Geist der Wahrheit, das Gnadengeschenk der Kindschaft, das Unterpfand der k\u00fcnftigen Erbschaft, der Erstling der ewigen G\u00fcter, die lebendigmachende Kraft und die Quelle der Heiligung. Von ihm gest\u00e4rkt dient Dir jedes vern\u00fcnftige und geistige Gesch\u00f6pf und sendet zu Dir ewige Lobpreisung empor, weil alles Dir dienstbar ist. Denn Dich loben die Engel, Erzengel, Thronen, Herrschaften, M\u00e4chte, Gewalten, Kr\u00e4fte und die viel\u00e4ugigen Cherubim. Rings um Dich stehen die Seraphim, von denen jeder sechs Fl\u00fcgel hat; mit zweien bedecken sie das Angesicht, mit zweien die F\u00fcsse und mit zweien fliegen sie. Mit unerm\u00fcdetem Munde und mit nie schweigender Lobpreisung ruft einer dem andern<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Priester laut:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>den Siegeshymnus zu, indem sie singen, rufen, schreien und sprechen:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Chor:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heerscharen. Himmel und Erde sind voll seiner Herrlichkeit; Hosanna in der H\u00f6he. Gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn; Hosanna in der H\u00f6he.\u00bb<a href=\"#_edn3\"><strong>[3]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Daniel Bl\u00e4ttler, Protodiakon<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2018\/08\/cus_rb_2013_2.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Rundbrief 2\/2013<\/a><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref1\">[1]<\/a> Vgl. Jean-Paul Deschler, WORD AND MEANING, a glossary in liturgy and iconography with special reference to the theology of the eastern churches, Ephrem Ecumenical Research Institute (SEERI), Baker Hill, Kottayam, Kerala, India, 2012, S. 42<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref2\">[2]<\/a> Handbuch der Ostkirchenkunde, Bd II, Hrsg: Wilhelm Nyssen, Hans-Joachim Schulz und Paul Wiertz, Patmos, D\u00fcsseldorf 1989, S. 18-19<\/p>\n\n\n\n<p>Liturgien, Griechische<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref3\">[3]<\/a> Die griechische Basiliusliturgie: Generiert von der elektronischen BKV von Gregor Emmenegger \/ Ottmar Str\u00fcber&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Text aus:Griechische Liturgien. \u00dcbers. von Remigius Storf ; mit Einl. versehen von Theodor Schermann. (Bibliothek der Kirchenv\u00e4ter, 1. Reihe, Band 5) M\u00fcnchen 1912<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Anaphora in der Liturgie des hl. Basilius<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10,3],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=52"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":674,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/52\/revisions\/674"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=52"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=52"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=52"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}