{"id":523,"date":"2019-11-01T15:36:00","date_gmt":"2019-11-01T14:36:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=523"},"modified":"2021-07-05T10:08:59","modified_gmt":"2021-07-05T08:08:59","slug":"grabbesuch-toten-messen-grablichter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/grabbesuch-toten-messen-grablichter\/","title":{"rendered":"Grabbesuch \u2013 Toten-messen \u2013 Grablichter"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>\u00abWo Zeichen sprechen\u00bb<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Symbole sagen oft mehr als viele Worte. Sie sind sinnenhaft, also konkret erfahrbar. Dies trifft besonders auf kirchliche Riten zu (im Osten wie im Westen), weil sie den Weg zur Sinn- und Transzendenzerfahrung er\u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"859\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2019_AlleHl.Grch_.00084-2H17Jh-859x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-524\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2019_AlleHl.Grch_.00084-2H17Jh-859x1024.jpg 859w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2019_AlleHl.Grch_.00084-2H17Jh-252x300.jpg 252w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2019_AlleHl.Grch_.00084-2H17Jh-768x916.jpg 768w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2019_AlleHl.Grch_.00084-2H17Jh-1288x1536.jpg 1288w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2019_AlleHl.Grch_.00084-2H17Jh-1717x2048.jpg 1717w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2019_AlleHl.Grch_.00084-2H17Jh.jpg 1764w\" sizes=\"(max-width: 859px) 100vw, 859px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Alle Heiligen (griech., 17. Jh.)<\/p>\n\n\n\n<p>Eines dieser Zeichen ist der Grabbesuch an Allerseelen (Westkirche). Man stellt eine Lampe am Grab auf und entz\u00fcndet dort bei jedem Grabbesuch ein Licht. Es ist der sichtbare Ausdruck der Liebe und Dankbarkeit. Das brennende Licht und unsere Anwesenheit m\u00f6chten sagen: \u00abIch besuche dich. Ich bete f\u00fcr dich. Ich denke an dich. Ich habe dich nicht vergessen.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p>Das Licht am Grab wird f\u00fcr uns zur Verk\u00fcndigung des Glaubens an die Auferstehung. Es erinnert den Grabbesucher daran, dass der Verstorbene nicht f\u00fcr immer von ihm gegangen ist, sondern dass er ihm in die Ewigkeit vorausging, um ihn dort zu erwarten. Das Licht am Grab steht f\u00fcr den Christen in Zusammenhang mit dem Licht der Osterkerze, die ein Symbol f\u00fcr den Auf-erstandenen Herrn ist. Vielleicht k\u00f6nnte man sagen das Grablicht wird zum sprechenden Symbol: \u00abLeben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder sterben, wir geh\u00f6ren dem Herrn.\u00bb R\u00f6m 14,8<\/p>\n\n\n\n<p>In einem ostkirchlichen Gebetsb\u00fcchlein f\u00fcr Kinder heisst es: \u00abDie Kirche sorgt sich in m\u00fctterlicher Weise f\u00fcr ihre Verstorbenen, und zwar im gleichen Masse f\u00fcr die erst k\u00fcrzlich und die schon vor l\u00e4ngerer Zeit Verstorbenen.\u00bb Diese Sorge steht im Einklang mit der christlichen Lehre von der Unsterblichkeit der Seele, dem j\u00fcngsten Gericht und dem Himmelreich. Unsere Gebete und Liturgien, die wir f\u00fcr unsere Verstorbenen halten, bringen ihren Seelen Ruhe und Frieden in der jenseitigen Welt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"837\" height=\"993\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2019_AlleHlAbrSchoss.00153-2H17Jh.B.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-525\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2019_AlleHlAbrSchoss.00153-2H17Jh.B.jpg 837w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2019_AlleHlAbrSchoss.00153-2H17Jh.B-253x300.jpg 253w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2019_AlleHlAbrSchoss.00153-2H17Jh.B-768x911.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 837px) 100vw, 837px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Detail aus der Ikone Aller Heiligen: Abrahams Schoss <a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt eine ganze Reihe von Handlungen im Zusammenhang mit dem Totenged\u00e4chtnis an bestimmten Tagen nach dem Tod und regel-m\u00e4ssig zu bestimmten Jahreszeiten. Nach byzantinischem Brauch sind folgende Gedenk-tage vorgesehen: Am 3.,6.,9. und 40. Tage nach dem Begr\u00e4bnis h\u00e4lt man einen Gedenktag f\u00fcr &nbsp;&nbsp;den Verstorbenen. Am neunten Tag wird die &nbsp;\u00abLitia oder Kolyba\u00bb (verk\u00fcrzte Form der \u00abParastasis\/Panychida\u00bb) an die Liturgie ange-schlossen. Mancherorts ist es Brauch, dass die Angeh\u00f6rigen die Kolyba als Gabe in die Kirche mitbringen, die vom Priester gesegnet und an-schliessend an die Mitfeiernden verteilt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>(Die Kolyba besteht aus in Wasser gequollenen Weizenk\u00f6rnern. Man mischt sie mit meist mit Rosinen, Mandeln, N\u00fcssen, Sesam, Zimt und Zucker. Vgl. 1 Kor 15,37 \u2013 Symbol der Auf-erstehung)<\/p>\n\n\n\n<p>Totengedenktage w\u00e4hrend des Kirchenjahres sind: Samstag in der Woche des Fleischverzichts; der 2.; 3. und 4. Samstag in der grossen Fasten-zeit; das \u00f6sterliche Totengedenken an einem Dienstag; der Samstag vor Pfingsten und der Demetrios-Samstag.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend vor den Totengedenktagen wird eine eigene Feier (Parastasis), eine Matutin f\u00fcr die Toten abgehalten. Alle liturgischen Texte, Ges\u00e4nge und Troparien sind dem Gebet f\u00fcr die Toten gewidmet.<\/p>\n\n\n\n<p>Tropar: \u00ab<em>Mit den vollendeten Gerechten lass ruhen, Erl\u00f6ser, die Seelen Deiner Knechte und Deiner M\u00e4gde! Bewahre sie zum seligen Leben bei Dir, Du Menschenliebender! In Deiner Ruhest\u00e4tte, Herr wo alle Deine Heiligen sich finden, lass auch die Seelen Deiner Knechte und M\u00e4gde ruhen, denn Du allein bist unsterblich.\u00bb<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Am Morgender Totengedenktage wird eine Liturgie f\u00fcr die Toten gefeiert, bei der aller Verstorbenen gedacht wird. Nach der Liturgie wird noch die Panychida (allgemeiner Toten-ged\u00e4chtnisgottesdienst) zelebriert. Danach ist es \u00fcblich die Gr\u00e4ber der Familienangeh\u00f6rigen und Verwandten zu besuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gebet f\u00fcr die Verstorbenen ist eine alte Tradition der Kirche im Osten wie im Westen. Eine besondere Kraft haben die Gebete in der Liturgie, sie ist das Opfer \u00abf\u00fcr das Leben der Welt\u00bb, dargebracht f\u00fcr die Lebenden und die Verstorbenen. Vor der Liturgie liest der Priester folgendes Gebet (dem heiligen Ambrosius zugeschrieben): \u00ab<em>Wir bitten Dich, heiliger Vater, f\u00fcr die Seelen der verstorbenen Gl\u00e4ubigen, auf dass ihnen dieses grosse Geheimnis der Fr\u00f6mmigkeit zur Errettung, zur Erl\u00f6sung, zur Labsal und zur ewigen Freude werde\u2026\u00bb<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber das Gebet f\u00fcr die Verstorbenen sagt Dostojewskij durch den Mund seines Helden, des Starez Sossima: \u00ab<em>An jedem Tag und wann du kannst, wiederhole f\u00fcr dich: Herr, erbarme dich aller, die heute vor dich hintreten\u2026 Wie ger\u00fchrt wird seine Seele sein, wenn er in Furcht vor dem Herrn steht und in diesem Augenblick f\u00fchlt, dass es auch f\u00fcr ihn einen F\u00fcrsprecher gibt, dass auf der Erde ein menschliches Wesen zur\u00fcckblieb, das auch ihn liebt.\u00bb<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"825\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2019_GerichtJerus.SEBI734.00105C-2H17Jh-1024x825.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-526\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2019_GerichtJerus.SEBI734.00105C-2H17Jh-1024x825.jpg 1024w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2019_GerichtJerus.SEBI734.00105C-2H17Jh-300x242.jpg 300w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2019_GerichtJerus.SEBI734.00105C-2H17Jh-768x619.jpg 768w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2019_GerichtJerus.SEBI734.00105C-2H17Jh-1536x1238.jpg 1536w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/05\/CUS_RB-6-2019_GerichtJerus.SEBI734.00105C-2H17Jh.jpg 1588w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>\u00abWohnungen im Himmel\u00bb (Det. aus einer Ikone vom Gericht, 17. Jh.)<\/p>\n\n\n\n<p>Die vielen Zeichen und Traditionen in Ost und West die wir f\u00fcr unsere lieben Verstorbenen begehen, sprechen f\u00fcr sich, sie zeigen die besondere Verbundenheit mit ihnen. Als Christinen und Christen glauben wir, dass wir alle, die Lebenden und die Verstorbenen in Gott aufgehoben sind: In Gott leben wir, bewegen wir uns und sind wir. Also leben unsere Verstorbenen bei Gott, und \u00fcber diesen Gott des Lebens sind wir mit ihnen verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Archimandrit Roger Schmidlin<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sergius Heitz \u00abMysterium der Anbetung\u00bb;<br>Handbuch der Ostkirchenkunde, Band III;<br>Seraphim \u00abDie Seele nach dem Tod\u00bb;<br>F. Dostojewskij \u00abGesammelte Werke\u00bb;<br>Sergius Heitz \u00abChristus in euch: Hoffnung auf Herrlichkeit\u00bb<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Text zur Ikone \u00abAbrahams Schoss\u00bb von J.- P. D.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf gemeinsamer Bank sitzen die Vorv\u00e4ter Abraham, Isaak und Jakob, weissgekleidete Seelen auf dem Schoss. Der Ort ist durch stilisierte gr\u00fcne B\u00e4umchen hinter ihnen deutlich als \u00abirdisches Paradies\u00bb gekennzeichnet. Im syrischen Stundengebet legen die Gl\u00e4ubigen die ganze Woche hindurch F\u00fcrbitte ein f\u00fcr die Verstorbenen, dann und wann auch mit Worten, die sie selbst mit einbeziehen:\u2026<em>\u00abSchenk ihnen Ruhe im ruhmreichen Schoss der Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob, damit wir am grossen Tage Deines glorreichen Erscheinens mit ihnen zu Deiner Rechten stehen\u2026\u00bb (Westsyr. Einleitungsgebet zur Non)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Symbole sagen oft mehr als viele Worte. Sie sind sinnenhaft, also konkret erfahrbar. 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