{"id":528,"date":"2018-01-02T14:03:00","date_gmt":"2018-01-02T13:03:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=528"},"modified":"2021-07-05T10:15:12","modified_gmt":"2021-07-05T08:15:12","slug":"der-stern-von-bethlehem-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/der-stern-von-bethlehem-2\/","title":{"rendered":"Der Stern von Bethlehem"},"content":{"rendered":"\n<p>In der Advents- und Weihnachtszeit sieht man \u00fcberall Sterne. Die kleinen m\u00f6gen die Schneeflocken symbolisieren. Die grossen weisen auf den Stern von Bethlehem, der auch in der Bibel, im NT durch die <em>drei K\u00f6nige<\/em> bezeugt ist (Mt 2,1-12). Man sieht verschiedene Formen: bei uns meistens f\u00fcnf- oder sechseckige Sterne, auch Kometen. Was stimmt nun?<\/p>\n\n\n\n<p>Warum denn \u00fcberhaupt ein &#8222;Stern&#8220;?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gestirne geh\u00f6ren zum Kosmos; auch sie wurden von Gott erschaffen (Gn 1,14), sie sind das Werk seiner H\u00e4nde (Ps 8,4). Als Verk\u00fcnder von Gottes Ehre (Ps 19,2) weisen sie auch auf die Ankunft des Messias, der Gottes Willen auf Erden ausf\u00fchren soll.<\/p>\n\n\n\n<p>So sah bereits der <em>Seher<\/em> <em>Bileam<\/em> in einem Gesicht einen bedeutungsvollen Stern. Es heisst: &#8222;Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, ich erblicke ihn, aber nicht in der N\u00e4he: Ein Stern geht in Jakob auf, ein Zepter erhebt sich in Israel. &#8222;(Nm 24,17) Diese Episode ist auf einem Fresko in den Priscilla-Katakomben in Rom dargestellt: Bileam, der auf den Stern zeigt, der \u00fcber der Muttergottes mit dem Jesuskind steht. Der Bileamspruch vom &#8218;Stern aus Jakob&#8216; gilt als <em>echtes messianisches Zeugnis<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"799\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-1-2018_Abb.-1-799x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-529\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-1-2018_Abb.-1-799x1024.jpg 799w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-1-2018_Abb.-1-234x300.jpg 234w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-1-2018_Abb.-1-768x984.jpg 768w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-1-2018_Abb.-1.jpg 908w\" sizes=\"(max-width: 799px) 100vw, 799px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Abb. 1: Der Seher Bileam zeigt auf den Stern, 3.Jh.<\/p>\n\n\n\n<p>Der <em>Evangelist Matth\u00e4us<\/em> berichtet von &#8222;<em>Sterndeutern<\/em>&#8222;, welche &#8222;aus dem Osten nach Jerusalem&#8220; kamen und K\u00f6nig Herodes fragten: &#8222;Wo ist der neugeborene K\u00f6nig der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.&#8220; (Mt 2,1f.) K\u00f6nig Herodes aber &#8222;liess sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war&#8220; (Mt 2,7). Die Hohenpriester und Schriftgelehrten in Israel wussten jedoch nur den Ort, nicht aber die Zeit, wann der Messias geboren werden sollte. Beim <em>Propheten<\/em> <em>Micha<\/em> steht, dass es <em>Bethlehem<\/em> w\u00e4re, in der eine Frau einen Sohn geb\u00e4ren werde. (Mi 5,1.3)<\/p>\n\n\n\n<p>Hier stellt sich die Frage, woher die Weisen aus dem Morgenland Kenntnis \u00fcber die Geburt dieses k\u00f6niglichen, wenn nicht sogar g\u00f6ttlichen Kindes hatten, und mehr wussten als der heimische K\u00f6nig?<\/p>\n\n\n\n<p>Sicher ist, dass im Gebiet des Morgenlandes, d.h. Mesopotamiens, die Sterndeutung einen grossen Platz einnahm. Was genau der &#8222;Stern von Bethlehem&#8220; war, weiss man jedoch nicht. Aus heutiger naturwissenschaftlicher Kenntnis gibt es verschiedene Theorien:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <em><u>Eine Sternschnuppe<\/u><\/em>: wird es kaum gewesen sein. Dies ist ein zu allt\u00e4gliches Ph\u00e4nomen. Da das Ende der Leuchterscheinung abrupt ist, eignet sie sich nicht als Wegweiser.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;<em><u>Eine Supernova<\/u><\/em>: Dies ist die Explosion eines Sterns, der am Ende seiner Entwicklung angelangt ist. Es wird dabei eine Unmenge Licht freigesetzt, welches heller aufscheint als alle Sterne ringsum. Heute m\u00fcssten allerdings noch \u00dcberreste ihrer Explosionswolke feststellbar sein, was nicht der Fall ist.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;<em><u>Ein Komet<\/u><\/em>: Auf vielen Weihnachtskarten ist ein Komet dargestellt. Tats\u00e4chlich ist f\u00fcr das Jahr &nbsp;&nbsp;&nbsp;5 v.C. ein Schweifstern nachweisbar. Der Kirchenvater <em>Origenes<\/em> (\u2020 254) vertrat die Meinung, dass <em>der Stern, der den Weisen im Morgenland erschienen ist, ein neuer Stern gewesen ist<\/em>, ein Komet.<\/p>\n\n\n\n<p>Der italienische Maler Giotto di Bodone hat als einer der ersten auf seinem bekannten Weihnachtsbild <em>&#8222;Die Anbetung der K\u00f6nige&#8220;<\/em> (um 1305) einen Kometen gemalt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"320\" height=\"323\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-1-2018_Abb.-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-530\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-1-2018_Abb.-2.jpg 320w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-1-2018_Abb.-2-297x300.jpg 297w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-1-2018_Abb.-2-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Abb 2: Giotto, Die Anbetung der K\u00f6nige, 14. Jh.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem gilt diese Theorie als eher <em>unwahrscheinlich<\/em>, weil man von alters her mit einem Kometen Negatives verband und Kometen in regelm\u00e4ssigen Abst\u00e4nden wiederkehren, somit also nichts Besonderes sind.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;<em><u>Eine Planetenkonjunktion<\/u><\/em>: Dies k\u00f6nnte sich f\u00fcr den &#8222;Stern von Bethlehem&#8220; eignen, da Planeten &#8222;Wandelsterne&#8220; sind, die sich auf einer Umlaufbahn um die Sonne bewegen und auch mal stehenbleiben. Daher k\u00f6nnte eine solche den &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;3 K\u00f6nigen den Weg gewiesen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es kommen zwei Planetenkonjunktionen in Frage:<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211; <em><u>Die Konjunktion von Jupiter und Venus<\/u><\/em>: Hierbei verk\u00f6rpert <em>Jupiter<\/em> als oberster Gott der R\u00f6mer die Vaterfigur, mit k\u00f6niglichem Status, und weist den Sterndeutern den Weg in den Westen. <em>Venus<\/em> verk\u00f6rpert die Liebe und ist der Mutterplanet. Die Kombination der beiden l\u00e4sst erahnen, dass diese Planeten auf ein werdendes Leben, also ein Kind, hindeuten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die verfilmte <em>Weihnachtsgeschichte<\/em> &#8222;<em>Es begab sich aber zu der Zeit\u2026&#8220; <\/em>(2006) basiert auf dieser Theorie, f\u00fchrt aber noch einen dritten &#8222;Stern&#8220; namens &#8222;Scharuh&#8220; an, was auf Babylonisch &#8222;K\u00f6nig&#8220; bedeute. <em>Das Neugeborene w\u00e4re somit ein K\u00f6nigskind g\u00f6ttlicher Herkunft, im Westen geboren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Heute weiss man, dass es zwei solche Konjunktionen im Jahr 3 und 2 v.C. gegeben hat, wobei die beiden Planeten sich auf minimalsten Abstand (0\u00b04&#8242; \/ 26&#8220;) n\u00e4herten, so dass sie f\u00fcrs blosse Aug zu <em>einem<\/em> Lichtpunkt verschmolzen. Ausserdem waren sie \u00fcber mehrere Wochen im Nahen und Mittleren Osten sichtbar, so dass sie gut als Wegweiser dienen konnten. <em>Dagegen<\/em> spricht, dass Konjunktionen von Jupiter und Venus h\u00e4ufig sind und diese Konstellationen erst nach dem Todesjahr von K\u00f6nig Herodes (ca. 4 v.C.) waren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"363\" height=\"244\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-1-2018_Abb.-3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-531\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-1-2018_Abb.-3.jpg 363w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-1-2018_Abb.-3-300x202.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 363px) 100vw, 363px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Abb. 3: Nach \u00fcber 2000 Jahren \u00e4hnliche<br>Konstellation, &#8222;Stern&#8220; am 30.6.2015<\/p>\n\n\n\n<p>&#8211;<em><u>Die Konjunktion von Jupiter und Saturn<\/u><\/em>: Diese Konjunktion, die f\u00fcr das Jahr 7 v.C. nachweisbar ist, wird heute als die <em>wahrscheinlichste<\/em> angenommen, und zwar weil drei Komponenten zusammentrafen, die auf ein <em>einmaliges Ereignis<\/em> hinweisen:<\/p>\n\n\n\n<p><em><u>1. Die dreifache Planetenkonjunktion<\/u><\/em>: Im Jahr &nbsp;&nbsp;7 v.C. ereignete sich die aussergew\u00f6hnliche, \u00e4usserst seltene, <em>dreimalige<\/em> Ann\u00e4herung von Jupiter und Saturn. Eine solche &#8222;<em>Coniunctio<\/em> <em>Magna<\/em>&#8220; tritt nur alle 794 Jahre auf, ist also ein Jahrtausendereignis.<\/p>\n\n\n\n<p><em><u>2. Die Konstellation der Planeten<\/u><\/em>: Jupiter und Saturn standen im Jahr 7 v.C. f\u00fcr kurze Zeit sehr nah beieinander. Erg\u00e4nzend zu Obgenanntem symbolisierte <em>Jupiter<\/em> f\u00fcr die Sterndeuter aus dem Morgenland auch den h\u00f6chsten Gott der Babylonier, Marduk, d.h. den Weltenherrscher, und ist damit ein himmlisches, g\u00f6ttliches Vorzeichen. <em>Saturn<\/em> wurde mit Israel in Verbindung gebracht, also eine geographische Angabe.<\/p>\n\n\n\n<p><em><u>3. Der \u00dcbergang in ein neues Zeitalter<\/u><\/em>: Um Christi Geburt war auch der \u00dcbergang ins Fische-Zeitalter. Dies deutet eine neue \u00c4ra an. Zudem stand das Sternbild <em>Fische<\/em> in der babylonischen Astrologie f\u00fcr Pal\u00e4stina.<\/p>\n\n\n\n<p>4. <em><u>Der &#8222;Schweif&#8220; des Sterns: <\/u><\/em>k\u00f6nnte vom sog. &#8222;Zodiakallicht&#8220; ausgegangen sein, welches in der s\u00fcdlichen Hemisph\u00e4re im Jahr 7 v.C. f\u00fcr mehrere Stunden sichtbar und <em>auf ein und dieselbe Stelle am Horizont gerichtet war<\/em>. (cf. Mt 2,9f.)<\/p>\n\n\n\n<p>Schliesslich heisst dies: <em>Im Volk Israel wird in Pal\u00e4stina ein &#8222;K\u00f6nigskind&#8220; geboren, welches g\u00f6ttlichen Ursprungs ist. Mit ihm wird eine neue Zeit anbrechen. Es ist der Messias.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Maria Brun, Dr. theol.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Advents- und Weihnachtszeit sieht man \u00fcberall Sterne. Die kleinen m\u00f6gen die Schneeflocken symbolisieren. Die grossen weisen auf den Stern von Bethlehem, der auch in der Bibel, im NT durch die drei K\u00f6nige bezeugt ist (Mt 2,1-12). 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