{"id":536,"date":"2018-04-02T14:10:00","date_gmt":"2018-04-02T12:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=536"},"modified":"2021-07-05T10:14:03","modified_gmt":"2021-07-05T08:14:03","slug":"kommunion-begegnung-mit-dem-goettlichen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/kommunion-begegnung-mit-dem-goettlichen-2\/","title":{"rendered":"Kommunion \u2013 Begegnung mit dem G\u00f6ttlichen"},"content":{"rendered":"\n<p>Zu Ostern<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die byzantinisch-orthodoxe Liturgie stellt die Kommunion \u2013 wie \u00fcbrigens alle Sakramente \u2013 als Mysterium, ein Geheimnis dar, in dem Gott dem unvollkommenen, s\u00fcndigen Menschen in besonderer Weise als menschenfreundlicher Gott entgegentritt. Je mehr man sich im Verlauf der Liturgie der Kommunion n\u00e4hert, desto inniger bekennt der Mensch seine Schw\u00e4che. Die Kommunion wird als &#8222;heiliges Opfer&#8220; gefeiert, bei dem der S\u00fchneakt Jesu Christi im Mittelpunkt steht. Die Teilnahme am &#8222;Tisch des Herrn&#8220; entbl\u00f6sst die Unzul\u00e4nglichkeit des Menschen, der aber gerade deswegen auf die Hilfe Gottes angewiesen ist. Nur die dem\u00fctige Haltung \u2013 eine Tugend, die heute weitgehend abhanden gekommen ist \u2013 erlaubt es, vor Gott hinzutreten. So stammelt der Mensch ein Bekenntnis des Glaubens<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a>, welches sich durch seine L\u00e4nge auszeichnet, indem er Christus als Sohn Gottes bezeugt und das Vertrauen in das Verzeihen Gottes zum Ausdruck bringt. Wie eine Erl\u00f6sung ert\u00f6nt schliesslich der Ruf des Diakons<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a>:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Mit Gottesfurcht, Glauben und Liebe tretet herzu.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und der Kommunionspruch, den der Priester zu jeder Person spricht, die kommuniziert, ist wie die Zusicherung dieser Erl\u00f6sung:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Der Diener \/ die Dienerin Gottes erh\u00e4lt Anteil am kostbaren Leib und Blut unseres Herrn und Gottes und Erl\u00f6sers Jesus Christus, zur Vergebung seiner \/ ihrer S\u00fcnden und zum ewigen Leben.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrenddessen singt der Chor Hymnen:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Den Leib Christi empfanget, und kostet von der unsterblichen Quelle.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>oder<em>: &#8222;Zu deinem heiligen Abendmahl.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\" alt=\"Textfeld:  \" width=\"650\" height=\"311\">Und sehr trostvoll, aber auch in eindrucksvoller Geste, erhebt der Priester am Ende der Kommunion den Kelch und segnet die Gl\u00e4ubigen mit den Worten:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Rette, oh Gott, dein Volk und segne dein Erbe.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>II.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die besinnliche Stimmung auf die Kommunion hin ist nach Erhalt der Kommunion augenblicklich vertrieben. Es ert\u00f6nt ein erl\u00f6sender, froher Gesang mit wunderbarem Inhalt, der das Herz eines jeden erhellt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Wir haben das wahre Licht geschaut;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\" alt=\"Textfeld: Der Auferstandene holt Adam und Eva sowie alle Verstorbenen aus den Gr\u00e4bern.\" width=\"651\" height=\"31\"><em>Wir haben den himmlischen Geist empfangen;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wir haben den wahren Glauben gefunden,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>da wir die unteilbare Trinit\u00e4t anbeten,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>denn sie hat uns erl\u00f6st.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dieser frohlockende Gesang ist ein Kernst\u00fcck der &#8222;G\u00f6ttlichen Liturgie&#8220;; er dr\u00fcckt das Wesen des orthodoxen Glaubens aus: Die Orthodoxie bleibt nicht beim Kreuz stehen, sondern alles ist von der Auferstehung her zu verstehen und auf die Begegnung mit dem Auferstandenen hingeordnet. Durch das &#8222;Himmlische Brot&#8220; wird der Mensch in die himmlische Dimension hineingenommen, erh\u00e4lt er Anteil am G\u00f6ttlichen, wird er in die Gemeinschaft (<em>communio<\/em>) mit dem Auferstandenen aufgenommen, wird er bef\u00e4higt, das g\u00f6ttliche Licht zu schauen. Einerseits ist der Glaube die Voraussetzung f\u00fcr den Empfang der Kommunion, andererseits wird durch den Empfang des Leibes und Blutes Christi der Glaube gest\u00e4rkt und der gl\u00e4ubige Mensch erkennt die Wahrheit des Glaubens, d.h. dass der Glaube an Gott durch Jesus Christus wahr ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das kommt auch im Auferstehungshymnus zum Ausdruck, den der Diakon nach der Kommunion betet:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Da wir die Auferstehung Christi geschaut haben,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>lasset uns nun den heiligen Herrn Jesus, den allein S\u00fcndlosen, anbeten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dein Kreuz verehren wir, oh Christus;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Deine heilige Auferstehung besingen und preisen wir,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>denn Du bist unser Gott\u2026&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>All diese Erfahrungen f\u00fchren dazu, dass sich der Mensch Gott gegen\u00fcber als dankbar erweist, was mit dem Begriff &#8222;Eucharistie&#8220; zum Ausdruck kommt und w\u00f6rtlich &#8222;Danksagung&#8220; heisst.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"666\" height=\"374\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-3-2018_Bild-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-538\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-3-2018_Bild-1.jpg 666w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-3-2018_Bild-1-300x168.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 666px) 100vw, 666px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>III.<\/strong> <strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Apostel Paulus hat im &#8222;Hohen Lied der Liebe&#8220; die Begegnung mit dem G\u00f6ttlichen auf eindr\u00fcckliche Weise beschrieben:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;St\u00fcckwerk ist unser Erkennen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wenn aber das Vollendete kommt,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>vergeht alles St\u00fcckwerk.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Jetzt schauen wir wie in einen Spiegel<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>und sehen nur r\u00e4tselhafte Umrisse,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Jetzt erkenne ich unvollkommen,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>dann aber werde ich durch und durch erkennen,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>so wie auch ich durch und durch erkannt worden bin.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>(vgl. 1Kor13,9-13)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Paulus visiert hierbei die letzte Begegnung mit Gott, nach dem Tod. Doch wissen wir, dass es Menschen gibt, die bereits zu Lebzeit eine &#8222;Schau Gottes&#8220; erfahren haben. Das <em>Abendmahl<\/em> ist nicht nur ein <em>Erinnerungsmahl<\/em>, die <em>heiligen Gaben<\/em> sind nicht nur eine <em>Wegzehrung<\/em>, die <em>Eucharistie<\/em> ist dar\u00fcber hinaus eine <em>Kommunion<\/em>, weil sie den Gl\u00e4ubigen zur <em>communio<\/em> mit dem Heiligen f\u00fchrt und ihm \/ ihr <em>Anteil<\/em> am G\u00f6ttlichen verleiht. Die Kommunion ist also alles in allem.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p>[1] Dieser Beitrag versteht sich im Anschluss an die Ausf\u00fchrungen von Protodiakon Daniel Bl\u00e4ttler im Rundbrief 2\/2018 \u00fcber &#8222;Das Gebet zum Empfang der heiligen Kommunion&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>[2] S. Rundbrief 2\/2018, S. 3.<\/p>\n\n\n\n<p>[3] Reihenfolge und Hymnen k\u00f6nnen in der griechischen und der slawischen Tradition variieren.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die byzantinisch-orthodoxe Liturgie stellt die Kommunion \u2013 wie \u00fcbrigens alle Sakramente \u2013 als Mysterium, ein Geheimnis dar, in dem Gott dem unvollkommenen, s\u00fcndigen Menschen in besonderer Weise als menschenfreundlicher Gott entgegentritt. Je mehr man sich im Verlauf der Liturgie der Kommunion n\u00e4hert, desto inniger bekennt der Mensch seine Schw\u00e4che. Die Kommunion wird als &#8222;heiliges Opfer&#8220; gefeiert, bei dem der S\u00fchneakt Jesu Christi im Mittelpunkt steht. Die Teilnahme am &#8222;Tisch des Herrn&#8220; entbl\u00f6sst die Unzul\u00e4nglichkeit des Menschen, der aber gerade deswegen auf die Hilfe Gottes angewiesen ist. Nur die dem\u00fctige Haltung \u2013 eine Tugend, die heute weitgehend abhanden gekommen ist \u2013 erlaubt es, vor Gott hinzutreten. So stammelt der Mensch ein Bekenntnis des Glaubens[1], welches sich durch seine L\u00e4nge auszeichnet, indem er Christus als Sohn Gottes bezeugt und das Vertrauen in das Verzeihen Gottes zum Ausdruck bringt. <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/536"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=536"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/536\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":539,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/536\/revisions\/539"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=536"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=536"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=536"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}