{"id":545,"date":"2018-10-02T15:12:00","date_gmt":"2018-10-02T13:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=545"},"modified":"2021-07-05T10:13:23","modified_gmt":"2021-07-05T08:13:23","slug":"kreuzerhoehung-ein-fest-in-ost-und-west-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/kreuzerhoehung-ein-fest-in-ost-und-west-2\/","title":{"rendered":"Kreuzerh\u00f6hung &#8211; Ein Fest in Ost und West"},"content":{"rendered":"\n<p>Auch heute, in einer Zeit, in der immer \u00f6fters die Entfernung der Kreuze aus \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden und von den Gipfeln der Berge gefordert wird, feiern die Kirchen in Ost und West jeweils am &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;14. September unbeirrt das Hochfest bzw. Fest \u201eKreuzerh\u00f6hung\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>\u201eVor deinem Kreuz fallen wir nieder, o Herr, und deine heilige Auferstehung verherrlichen wir!\u201c<a href=\"#_ftn1\"><strong>[1]<\/strong><\/a><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Urspr\u00fcnge von \u201eKreuzerh\u00f6hung\u201c liegen im Kirchweihfest der Grabes- oder besser: Auferstehungskirche in Jerusalem. Dieser Kirchenbau \u00fcber dem Grab Jesu und der Richtst\u00e4tte Golgotha wurde durch Kaiser Konstantin errichtet und am 13. September 335 eingeweiht. Damit verbunden war die feierliche Aufrichtung eines grossen Kreuzes durch den Bischof von Jerusalem. Die Pilgerin Egeria schildert Ende des 4. Jahrhunderts von diesem Fest, das in Verbindung steht mit der legend\u00e4ren Auffindung des Kreuzes Christi durch Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, am 14. September um das Jahr 320\/326 n.Chr.<\/p>\n\n\n\n<p>Wurde das Kirchweihfest also am 13. September gefeiert, hatte sich die feierliche Erh\u00f6hung des Kreuzes Christi am 14. September schon bald zu einem eigenen Festinhalt verselbst\u00e4ndigt.<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Worin aber liegt der Sinn der Kreuzverehrung? Ist die Verehrung des Kreuzes nicht eine fragw\u00fcrdige Verherrlichung des grausamen Leidens und Sterbens Jesu? Steht dahinter nicht ein ebenso fragw\u00fcrdiges Bild eines Gottes, der ein blutiges Opfer seines Sohnes braucht, um mit der Menschheit vers\u00f6hnt zu sein? \u2013 Verst\u00e4ndliche Fragen, die schon der V\u00f6lkerapostel Paulus wohl immer wieder zu h\u00f6ren bekam. Seine Antwort:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verk\u00fcndigen Christus als den Gekreuzigten: f\u00fcr Juden ein emp\u00f6rendes \u00c4rgernis, f\u00fcr Heiden eine Torheit, f\u00fcr die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn das T\u00f6richte an Gott ist weiser als die Menschen, und das Schwache an Gott ist st\u00e4rker als die Menschen.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>1 Kor 1,22-25<\/p>\n\n\n\n<p>Im Blick auf die Kreuzverehrung bedeutet dies:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eDie Wirklichkeit des heiligen Kreuzes ist\u2026 Jesus Christus selbst, der am Kreuz unsere Schuld getilgt, den Tod vernichtet und die D\u00e4monen besiegt hat. Wird nicht Er Selbst als die Wirklichkeit des Kreuzes erkannt, so ist die Kreuzesverehrung G\u00f6tzendienst. Das Kreuz verehren heisst also: Christus als Sieger am Kreuz verehren. Das aber bedeutet, dass das Kreuz im orthodoxen Glauben nie isoliert als Zeichen des blossen Leidens gesehen werden kann, sondern immer von der Auferstehung her in Blick zu nehmen ist. [\u2026] Das Kreuz kann man nur von der Auferstehung her sehen, auch wenn es noch so hart dr\u00fcckt. Von der Auferstehung her aber ist es ein kostbares, lebenspendendes Kreuz. Die Verehrung des kostbaren, lebenspendenden Kreuzes aber ist ein Akt dankbarer Annahme der Heilstat Christi und dessen, was sie uns gebracht<\/em> <em>hat; zugleich ist es aber auch ein Akt gehorsamer Unterwerfung unter das Kreuz, das uns in die Nachfolge ruft.<\/em>\u201c<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>So ist der feierliche Segen mit dem grossen, blumengeschm\u00fcckten Kreuz w\u00e4hrend der Festliturgie mit der anschliessenden Verehrung des Kreuzes durch alle Gl\u00e4ubigen, wie auch die Verehrung des Kreuzes am Schluss jeder G\u00f6ttlichen Liturgie, ein dankbares Bekenntnis zur Heilstat Jesu, zu seinem Sterben und seiner Auferstehung, zur \u00dcberwindung von Leid und Tod. \u2013 Das Kreuz wird zum Lebensbaum.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies nimmt einer der Festges\u00e4nge zu den Laudespsalmen an Kreuzerh\u00f6hung auf, wenn es da heisst:<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>\u201eHeute wird der in der Erde verborgene Baum des Lebens erh\u00f6ht, an den Christus geh\u00e4ngt war. So wird gefestigt unser Glaube an die Auferstehung. Hoch erhoben durch des Priesters Hand, verk\u00fcndet das Kreuz Seine Auffahrt in die Himmel. Durch sie wird unsere gefallene Natur erh\u00f6ht und in die himmlische Wohnung versetzt. Lasset uns danksagen und rufen:<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"187\" height=\"305\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2018_Kreuzerhoehung.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-546\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2018_Kreuzerhoehung.jpg 187w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2018_Kreuzerhoehung-184x300.jpg 184w\" sizes=\"(max-width: 187px) 100vw, 187px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong><em>O Herr, der Du auf das Kreuz erhoben warst, Du hast mit Dir Selbst auch uns erhoben. W\u00fcrdige der himmlischen Freude, die Dich lobpreisen!\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Liturgie der lateinischen Kirche nimmt diesen Gedanken auf; so heisst es im Tagesgebet an Kreuzerh\u00f6hung:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eAllm\u00e4chtiger Gott, deinem Willen gehorsam, hat dein geliebter Sohn den Tod am Kreuz auf sich genommen, um alle Menschen zu erl\u00f6sen. Gib, dass wir in der Torheit des Kreuzes deine Macht und Weisheit<\/em> <em>erkennen und in Ewigkeit teilhaben an der Frucht der Erl\u00f6sung.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Und noch deutlicher wird der Bezug zum Baum des Lebens im Gebet zur Pr\u00e4fation, dem einleitenden Gebet zur Anaphora, zum Hochgebet:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201eIn Wahrheit ist es w\u00fcrdig und recht, dir, Herr, heiliger Vater, allm\u00e4chtiger Gott, immer und \u00fcberall zu danken. Denn du hast das Heil der Welt auf das Holz des Kreuzes gegr\u00fcndet. Vom Baum des Paradieses kam der Tod, vom Baum des Kreuzes erstand das Leben. Der Feind, der am Holz gesiegt hat, wurde auch am Holze besiegt durch unseren Herrn Jesus Christus\u2026\u201c<a href=\"#_ftn4\"><strong>[4]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn auch in der lateinischen Kirche die Verehrung des Kreuzes praktisch auf die Karfreitagsliturgie beschr\u00e4nkt geblieben ist, so hat sich das lebenspendende Kreuz liturgisch doch noch einen weiteren Ort gesichert, n\u00e4mlich im Brauch, dass der Priester in diesen sommerlichen Wochen am Ende der Eucharistiefeier den Wettersegen mit einem Segenskreuz (mit Kreuzpartikel) erteilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Daniel Bl\u00e4ttler, Protodiakon<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Gesang anstelle des Trisagions an Festtagen der Kreuzverehrung<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Vgl. Konrad Onasch, Lexikon Liturgie und Kunst der Ostkirche, Buchverlag Union, Berlin\/M\u00fcnchen 1993,<\/p>\n\n\n\n<p>S. 229<\/p>\n\n\n\n<p>S. Heitz, Christus in euch, Hoffnung auf Herrlichkeit, Orthodoxes Glaubensbuch, G\u00f6ttingen 1994, S. 91<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> S. Heitz, S. 90<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Messbuch. F\u00fcr die Bist\u00fcmer des deutschen Sprachgebietes, 1981, S. 771-772<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch heute, in einer Zeit, in der immer \u00f6fters die Entfernung der Kreuze aus \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden und von den Gipfeln der Berge gefordert wird, feiern die Kirchen in Ost und West jeweils am      14. September unbeirrt das Hochfest bzw. 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