{"id":691,"date":"2013-06-09T14:07:00","date_gmt":"2013-06-09T12:07:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=691"},"modified":"2021-06-09T14:10:16","modified_gmt":"2021-06-09T12:10:16","slug":"johannes-xxiii-und-die-ostkirchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/johannes-xxiii-und-die-ostkirchen\/","title":{"rendered":"Johannes XXIII. und die Ostkirchen"},"content":{"rendered":"\n<p>Vor 50 Jahren, am 3. Juni 1963, starb Papst Johannes XXIII. Er hatte ein ganz pers\u00f6nliches Interesse an den Ostkirchen. Seine eigenen Kontakte und Erfahrungen in fr\u00fcheren Jahren pr\u00e4gten auch sein Pontifikat. Er konnte aber auch an dem ankn\u00fcpfen, was seine Vorg\u00e4nger bereits begonnen hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>Papst Leo XIII. zum Beispiel schrieb in Orientalium dignitas (30.11.1894), dass die Bewahrung des Wesens der \u00f6stlichen Riten von gr\u00f6sserer Bedeutung sei, als man sich vorstellen kann. Die altehrw\u00fcrdigen Riten der einzelnen Kirchen sind eine Zierde der ganzen Kirche und ein Zeugnis der g\u00f6ttlichen Einheit des katholischen Glaubens. Vielleicht beweist nichts die Katholizit\u00e4t der Kirche Gottes besser als diese einzigartige Gottesverehrung durch die vielf\u00e4ltigen Zeremonien in altehrw\u00fcrdigen Sprachen, welche zudem durch ihren Gebrauch durch die Apostel und Kirchenv\u00e4ter geheiligt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Papst Benedikt XV. stellte in Dei providentis (11.5.1917) fest, dass die Kirche Jesu Christi weder lateinisch noch griechisch noch slawisch ist, sondern katholisch. Dementsprechend macht sie keinen Unterschied zwischen ihren Kindern. Griechen, Lateiner, Slawen und Mitglieder aller anderen Nationen sind in den Augen des Apostolischen Stuhls gleich.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1917 hat Papst Benedikt XV. auch ein Institut f\u00fcr h\u00f6here Orientalische Studien errichtet, wo vergleichende Theologie, \u00f6stliches Kirchenrecht, Liturgie, Geschichte, Arch\u00e4ologie, Sprache, Literatur und Ethnologie gelehrt werden und auch zwei wissenschaftliche Zeitschriften ver\u00f6ffentlicht werden. Es war der Wunsch der P\u00e4pste, dass aus jeder Di\u00f6zese Studenten sich auf dem Gebiet der Ostkirchen spezialisieren. Solche Experten k\u00f6nnen dann in katholischen Einrichtungen lehren oder sollen sonst im immer wichtiger werdenden Bereich der \u00d6kumene aktiv sein. Auch Orthodoxe Studenten wurden immer ermutigt, Kurse am Institut zu belegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Papst Johannes XXIII. selber wurde im Laufe seiner langen Dienstzeit als Vertreter des Heiligen Stuhls in Bulgarien, der T\u00fcrkei und Griechenland mit den Orthodoxen und Katholiken der \u00f6stlichen Riten und ihren Problemen sehr vertraut. Sein Wissen in diesem Bereich war pers\u00f6nlich und aus erster Hand.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"551\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-4-2013_flashV8.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-692\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-4-2013_flashV8.jpg 600w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-4-2013_flashV8-300x276.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Angelo Giuseppe Roncalli kam am 25. April 1925 als Apostolischer Visitator f\u00fcr die katholischen Gemeinden von Bulgarien (40.000 des lateinischen Ritus und 4.000 des byzantinischen Ritus) in Sofia an. 85 Prozent der Christen im Land geh\u00f6rten zum orthodoxen Glauben. Sofort passte er sich der Kultur des Landes an und lernte von seiner Geschichte, den Br\u00e4uchen, Traditionen, und sogar der Sprache, was er konnte. Er studierte das kyrillische Alphabet und die slawische Sprache und hielt 1927 einen Teil seiner Weihnachtspredigt auf Bulgarisch. W\u00e4hrend seines Aufenthalts zeichnete er sich durch seine gemeinn\u00fctzige Arbeit w\u00e4hrend der Wirtschaftskrise aus. Seine Sanftheit und G\u00fcte taten viel, um die Position der katholischen Kirche inmitten einer orthodoxen Gesellschaft zu st\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p>1934 wurde er Apostolischer Delegat in der T\u00fcrkei und in Griechenland. Erzbischof Roncalli vertiefte dort sein Verst\u00e4ndnis der \u00f6stlichen Riten dieser L\u00e4nder und seine Liebe f\u00fcr ihre V\u00f6lker. Das Studium des christlichen Ostens und der Ursachen des Schismas waren seit fast zwanzig Jahren sein best\u00e4ndiges Anliegen. Im Winter 1942 suchte als Folge des Krieges eine Hungersnot Griechenland heim. Es wird gesch\u00e4tzt, dass innerhalb von 16 Monaten 300\u2018000 Menschen durch Unterern\u00e4hrung und Krankheit starben, davon 1\u2018000 t\u00e4glich allein in Athen. Erzbischof Roncalli \u00fcbernahm die Leitung der vom Heiligen Stuhl finanzierten Hilfst\u00e4tigkeiten. Er besuchte Krankenh\u00e4user, Gef\u00e4ngnisse, Konzentrationslager, milit\u00e4rische Zentren und organisierte die Unterst\u00fctzung von allen, die in Not waren. Er half den Kriegsgefangenen und verteilte Lebensmittel und Medikamente je nach Bedarf. Dieses Werk der N\u00e4chstenliebe gewann die Herzen des griechischen Volkes. Als katholischer Erzbischof durfte er sogar neben dem orthodoxen Erzbischof stehend an der Zeremonie teilnehmen, die das Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1945 markierte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"627\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-4-2013_J23Eastern.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-694\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-4-2013_J23Eastern.jpg 1024w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-4-2013_J23Eastern-300x184.jpg 300w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-4-2013_J23Eastern-768x470.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat Papst Johannes XXIII. besonders an die Einheit appelliert. Er erinnerte an Kardinal Bessarion, der auf dem Konzil von Florenz (1439) die Einheit zwischen \u201eLateinern\u201c und \u201eGriechen\u201c verfocht. Der Papst stellte das Konzil unter die Schirmherrschaft und den Schutz der grossen Lehrer der Kirche: den hl. Gregor von Nazianz, den hl. Johannes Chrysostomus (von dem Reliquien in St. Peter in Rom aufbewahrt werden) und den hl. Gregor den Grossen. Viele Probleme, neue und alte, die zwischen Orthodoxen und Katholiken, auch Katholiken der \u00f6stlichen Riten, bestanden, sollten diskutiert und auf diesem Konzil gel\u00f6st werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"397\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-4-2013_john-xxiii-byz_APh-sw-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-696\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-4-2013_john-xxiii-byz_APh-sw-1.jpg 397w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-4-2013_john-xxiii-byz_APh-sw-1-300x272.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 397px) 100vw, 397px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Auch wenn der Wunsch nach L\u00f6sung der vielen Probleme zwischen Rom und den Kirchen des Ostens nicht in Erf\u00fcllung ging, hat sein Beispiel doch zu einem fruchtbaren Interesse vieler Gl\u00e4ubigen an den Ostkirchen gef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>P. Kilian Karrer<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 50 Jahren, am 3. Juni 1963, starb Papst Johannes XXIII. Er hatte ein ganz pers\u00f6nliches Interesse an den Ostkirchen. Seine eigenen Kontakte und Erfahrungen in fr\u00fcheren Jahren pr\u00e4gten auch sein Pontifikat. 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