{"id":698,"date":"2013-09-09T14:11:00","date_gmt":"2013-09-09T12:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=698"},"modified":"2021-06-09T14:13:29","modified_gmt":"2021-06-09T12:13:29","slug":"kolyva","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/kolyva\/","title":{"rendered":"Kolyva"},"content":{"rendered":"\n<p>1. Das Thema <em>Kolyva<\/em> geh\u00f6rt zum orthodoxen Brauchtum. <em>Kolyva<\/em> bezeichnet eine besondere Speise, die man zum Gedenken an Verstorbene isst. Zubereitet wird sie von den Angeh\u00f6rigen und im Anschluss an eine Totengedenkfeier (gr. <em>Parastasis<\/em>, sl. <em>Pannychida<\/em>)<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a>, manchenorts auch nach dem Begr\u00e4bnis<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a>, an die Anwesenden ausgeteilt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"724\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5_2013_Kolyva_1-724x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-699\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5_2013_Kolyva_1-724x1024.jpg 724w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5_2013_Kolyva_1-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5_2013_Kolyva_1-768x1086.jpg 768w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5_2013_Kolyva_1-1086x1536.jpg 1086w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5_2013_Kolyva_1-1448x2048.jpg 1448w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5_2013_Kolyva_1-scaled.jpg 1810w\" sizes=\"(max-width: 724px) 100vw, 724px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Kolyva<\/em> (Mitte), Br\u00f6tchen mit Kreuz (links), Brotkranz und Wein (rechts).<\/p>\n\n\n\n<p>2. Eine <em>Kolyva<\/em> besteht immer aus <em>Weizenk\u00f6rnern<\/em>, dem Sinnbild f\u00fcr Fruchtbarkeit und dem Grundbestandteil des Hauptnahrungsmittels der Menschen: n\u00e4mlich Brot. Die Urspr\u00fcnge einer Darbringung von Getreide reichen in die Antike, wo man zum Zeichen der Dankbarkeit der Erdenmutter, die auch als Fruchtbarkeitsg\u00f6ttin verehrt wurde, <em>Gaia<\/em> oder meist <em>Demeter<\/em>, die Ertr\u00e4ge der Erde in Form von Getreide und Fr\u00fcchten, besonders Granat\u00e4pfeln, dargebracht hat. Diese waren auch Ausdruck des j\u00e4hrlichen Kreislaufes der Natur.<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> Diese Speisen aus \u201eGetreidesamen, die wie die Toten in der Erde liegen\u201c, waren \u201ezugleich als S\u00fchnopfer f\u00fcr die Unterwelt, Nahrung f\u00fcr die Toten\u201c.<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>3. Die <em>Kolyva<\/em> ist vor allem Brauchtum in der griechischen Orthodoxie, in Mazedonien und S\u00fcdrum\u00e4nien.<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> Auch hier ist zu sagen, dass besondere Formen des Totenged\u00e4chtnisses bis in die Antike zur\u00fcckreichen.<a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a> Dem schloss sich die Tradition des ersten christlichen Jahrhunderts an, bei Totengedenkfeiern Almosen an die Armen zu verteilen \u2013 in der Hoffnung, dass dadurch die Seele des Verstorbenen Frieden finden m\u00f6ge. Mit der Zeit wurde das Geld durch Fr\u00fcchte ersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die orthodoxe Tradition kennt noch eine weitere Quelle, die auf den <em>heiligen Theodor von Tiron<\/em><a href=\"#_ftn7\">[7]<\/a> zur\u00fcckgeht. Dieser M\u00e4rtyrer des 4. Jh.s gebot im Jahr 361 Patriarch Eudoxios von Konstantinopel in einer Vision, den unter Kaiser Julian verfolgten Christen eine <em>Kolyva<\/em> aus gekochten Weizenk\u00f6rnern herzustellen, um so dem Hungertod zu entgehen. Seit jener Zeit wird allj\u00e4hrlich am ersten Samstag der Grossen Fastenzeit vor Ostern dieses Wunders gedacht.<a href=\"#_ftn8\">[8]<\/a> Die <em>Kolyva<\/em> wird seither zu Ehren von Heiligen und an Gedenktagen f\u00fcr Verstorbene zubereitet, denn die Weizenk\u00f6rner symbolisieren \u201edie Verheissung der Auferstehung\u201c und die Fr\u00fcchte \u201edie Gen\u00fcsse des Paradieses\u201c<a href=\"#_ftn9\">[9]<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>4. Heute hat die <em>Kolyva<\/em> in ihrer Zusammensetzung<a href=\"#_ftn10\">[10]<\/a> vor allem geistige Bedeutung erhalten:<\/p>\n\n\n\n<p>Die <em>Weizenk\u00f6rner<\/em> erinnern an das Jesuswort: \u201e<em>Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde f\u00e4llt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht<\/em>\u201c.<a href=\"#_ftn11\">[11]<\/a> Damit wird ein Hinweis auf die Auferstehung von den Toten gemacht, wovon auch das kleinste Korn Zeugnis ablegt, wie etwa der <em>Sesam<\/em>. Die <em>N\u00fcsse<\/em>, <em>Mandeln<\/em>, <em>Rosinen<\/em> und <em>Weinbeeren<\/em> bezeichnen die Fr\u00fcchte des Lebens, das zu seiner Reife gekommen ist. Die roten <em>Granatapfelkerne<\/em> sind zugleich Symbol f\u00fcr Liebe und f\u00fcr Tod, wobei beide Charakteristika ureigenste Beziehung zu Christus haben. <em>Honig<\/em> oder <em>Zucker<\/em> stehen f\u00fcr die s\u00fcssen Stunden und die Sch\u00f6nheit des Lebens. Die <em>Petersilie<\/em> allerdings erinnert daran, dass jedes Leben auch durch Bitternis gekennzeichnet ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Dekoration in <em>Kreuzform<\/em> \u2013 meistens aus <em>Granatapfelkernen<\/em> oder <em>Mandeln<\/em> \u2013 bezeugt, dass jeder Christ und jede Christin durch die Taufe darauf hoffen darf, mit Jesus Christus \u201e<em>auch in seiner Auferstehung vereinigt zu sein<\/em>\u201c und am Ende der Zeiten \u201e<em>auch mit ihm zu leben<\/em>\u201c.<a href=\"#_ftn12\">[12]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"724\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2013_Kolyva_2-724x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-700\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2013_Kolyva_2-724x1024.jpg 724w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2013_Kolyva_2-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2013_Kolyva_2-768x1086.jpg 768w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2013_Kolyva_2-1086x1536.jpg 1086w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2013_Kolyva_2-1448x2048.jpg 1448w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2013_Kolyva_2-scaled.jpg 1810w\" sizes=\"(max-width: 724px) 100vw, 724px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Priester, hier Pfr. Dan Moldovan von der rum\u00e4nisch-orthodoxen Gemeinde in Luzern, segnet <em>Kolyva<\/em> und Gaben. Chor (rechts).<\/p>\n\n\n\n<p>5. <em>Kolyva<\/em> und allf\u00e4llige andere Gaben wie Brot und Wein \u2013 in Anlehnung an die eucharistischen Gaben \u2013 werden auf einem Tisch, normalerweise vor der Ikonostase, mit brennenden Kerzen hergerichtet. Am Ende der Liturgie, vor der Entlassung, segnet der Priester die Gaben, indem er folgendes Gebet spricht:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Du selbst, oh Herr, segne diese K\u00f6rner, die geschm\u00fcckt sind mit verschiedenen Fr\u00fcchten, und die sie geniessen werden. Segne sie zu Deiner Ehre (und zur Ehre Deines Heiligen N.N.) und gedenke derer, die diese Gaben hergestellt haben, und zum Ged\u00e4chtnis der in Fr\u00f6mmigkeit und im Glauben Dahingeschiedenen<\/em>.\u201c<a href=\"#_ftn13\">[13]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"724\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2013_Kolyva_3-724x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-701\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2013_Kolyva_3-724x1024.jpg 724w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2013_Kolyva_3-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2013_Kolyva_3-768x1086.jpg 768w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2013_Kolyva_3-1086x1536.jpg 1086w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2013_Kolyva_3-1448x2048.jpg 1448w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2013_Kolyva_3-scaled.jpg 1810w\" sizes=\"(max-width: 724px) 100vw, 724px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Angeh\u00f6rige verteilen die Gaben an die Anwesenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschliessend verteilen die Angeh\u00f6rigen die <em>Kolyva<\/em> an die Anwesenden, die beim Genuss derselben der Verstorbenen gedenken und sie mit guten Gedanken begleiten. Davon zu essen bedeutet ausserdem, \u201eden Toten nichts nachzutragen\u201c<a href=\"#_ftn14\">[14]<\/a>. Auch Fremden, die am Gottesdienst teilnehmen, wird <em>Kolyva<\/em> ausgeteilt. Durch den gemeinsamen Verzehr der <em>Kolyva<\/em> und das gemeinsame Gedenken entsteht unter den Anwesenden eine geistige Gemeinschaft, welche in der orthodoxen Kirche einen wichtigen Platz einnimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Maria Brun, Dr. theol.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Mit <em>Kolyva<\/em> wird auch eine <em>Litia<\/em>, d.h. eine gek\u00fcrzte Form der <em>Parastasis<\/em> oder <em>Pannychida<\/em>, bezeichnet. \u2013 Vgl. in: Mysterium der Anbetung (hg. von Sergius Heitz), Bd. I. \u2013 K\u00f6ln 1986, 455ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Wird eine <em>Kolyva<\/em> auf dem Friedhof verteilt, werden auch einige K\u00f6rner ins Grab gestreut, bevor sie von den Anwesenden gegessen wird.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Mavromataki Maria, Mythologie und Kulte Griechenlands. \u2013 Athen 1997, 69ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Spitzing G\u00fcnter, Lexikon byzantinisch-christlicher Symbole. \u2013 M\u00fcnchen 1989, 302.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> In \u00e4hnlicher Form auch bei orthodoxen Balkanslawen und Russen zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> Am letzten Festtag der Grossen Dionysien (M\u00e4rz-April), der den Toten gewidmet war, brachte man Dionysos und Hermes Getreidek\u00f6rner dar. (Vgl. Mavromataki, id. 108.)<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> Gedenktag am 17. Februar bzw. am 1. Samstag der Fastenzeit, vor dem \u201eSonntag der Orthodoxie\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a> Le Synaxaire. Vies des Saints de l\u2019Eglise orthodoxe, t. 3. \u2013 Thessalonique 1990, 155-158.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\">[9]<\/a> Id. 158, Anm. 3.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\">[10]<\/a> Vgl. Auch Hertig Noam (Hg.), Was isSt Religion? \u2013 Z\u00fcrich 2012, 72-75.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\">[11]<\/a> <em>Joh 12,24<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref12\">[12]<\/a> R\u00f6m 6,3-8<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref13\">[13]<\/a> Mikron Euchologion. \u2013 Athen 2012, 354f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref14\">[14]<\/a> Spitzing G., id. 302.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Thema Kolyva geh\u00f6rt zum orthodoxen Brauchtum. Kolyva bezeichnet eine besondere Speise, die man zum Gedenken an Verstorbene isst. Zubereitet wird sie von den Angeh\u00f6rigen und im Anschluss an eine Totengedenkfeier (gr. Parastasis, sl. 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