{"id":708,"date":"2012-03-09T14:16:00","date_gmt":"2012-03-09T13:16:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=708"},"modified":"2021-07-05T10:34:07","modified_gmt":"2021-07-05T08:34:07","slug":"christus-nachahmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/christus-nachahmen\/","title":{"rendered":"Christus nachahmen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Von den christlichen Tugenden<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Ein reges Interesse an den Tod-s\u00fcnden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gerade vor einem Jahr, im Februar 2011, ging im Kunstmuseum Bern und im Zentrum Paul Klee eine auch in den Medien viel beachtete Ausstellung zu den <strong>\u201eSieben Tods\u00fcnden\u201c<\/strong> zu Ende. Sie dokumentierte die k\u00fcnstlerische Auseinandersetzung mit diesem Thema vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Diese sieben Tods\u00fcnden, oder vielleicht besser: die sieben Untugenden, die zur S\u00fcnde verleiten, sind:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Hochmut, Neid, Zorn, Geiz, Tr\u00e4gheit, V\u00f6llerei und Wollust.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das breite Interesse, auf das diese Ausstellung gestossen ist, zeigt, wie sehr sich auch heutige Menschen mit diesem vermeintlich antiquierten Thema auseinandersetzen. Es ist nach wie vor ein Bed\u00fcrfnis, \u00fcber moralische Werte, \u00fcber ethisches oder eben unethisches Verhalten, \u00fcber Tugend und Laster und schliesslich auch \u00fcber die S\u00fcnde nachzudenken.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Ausstellung zu den \u201eSieben Tods\u00fcnden\u201c hat sicher viele Besucherinnen und Besucher nachdenklich gestimmt. Vielleicht mag auch die Frage aufgetaucht sein: \u201eWas ist nun das Gegenteil der Tods\u00fcnden?\u201c oder: \u201eWie k\u00f6nnte man das Bestreben, die Tods\u00fcnden zu meiden, positiv formulieren?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Tugenden \u2013 die Arznei gegen &nbsp;&nbsp;die S\u00fcnde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend k\u00f6nnte man sagen: Willst du die Tods\u00fcnden meiden, bem\u00fche dich um die entsprechenden <strong>Tugenden<\/strong>. Schon die Kirchenv\u00e4ter warnten nicht nur von den S\u00fcnden, sondern sie sprachen ebenso davon, wie diese durch die Tugenden \u00fcberwunden resp. vermieden werden k\u00f6nnen. Den Untugenden oder Laster werden die entsprechenden Tugenden gegen\u00fcbergestellt:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Demut, Wohlwollen, Geduld, Mildt\u00e4tigkeit, Fleiss, M\u00e4ssigung und Keuschheit.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Diese traditionellen Tugenden \u2013 und noch viele weitere, die hier gar nicht erw\u00e4hnt werden &#8211; zu pflegen und im Leben so gut als m\u00f6glich zu verwirklichen, ist die Aufgabe eines jeden Menschen, nicht allein des christlichen. Als Christen jedoch werden wir unweigerlich und immer wieder darauf aufmerksam gemacht, wie sehr die Tugenden f\u00fcr ein gelingendes, gutes Leben unabdingbar sind. Beispiel und Vorbild ist schliesslich Christus selber, der \u201eumherzog, Gutes tat und alle heilte\u201c (Apg 10,38) und der von sich selber sagt: \u201e\u2026lernt von mir; denn ich bin g\u00fctig und von Herzen dem\u00fctig; so werdet ihr Ruhe finden f\u00fcr eure Seele\u201c (Mt 11,29).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"296\" height=\"309\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-2-2012_Christus.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-709\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-2-2012_Christus.jpg 296w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-2-2012_Christus-287x300.jpg 287w\" sizes=\"(max-width: 296px) 100vw, 296px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>V\u00e4ter wie z.B. Ignatius von Antiochien (1. Jh) \u201e\u2026und viele andere V\u00e4ter fordern uns auf: `Bem\u00fcht euch, Nachahmer Christi zu werden\u2026 in aller Reinheit und Enthaltsamkeit` (Ign Eph 10,2). Auch die Heiligen werden von den V\u00e4tern zur Nachahmung empfohlen. Maximus der Bekenner (ca. 580 \u2013 662) schreibt\u2026 `Lasst uns nachahmen ihren pausenlosen Wettlauf, die gl\u00fchende Bereitschaft, die Ausdauer der Enthaltsamkeit, die Heiligung durch die Keuschheit, den Edelmut der Geduld, die Nachsicht des Grossmutes, das Mitleid des Erbarmens, das Unersch\u00fctterliche der Sanftheit, die Glut des Eifers, das Ungeheuchelte der Liebe, die H\u00f6he der Demut, die Schlichtheit der Armut, die Mannhaftigkeit, die G\u00fcte, die Milde.`\u201c <a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fastenzeit \u2013 Zeit der Ein\u00fcbung in &nbsp;&nbsp;die Tugenden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Vorbereitungszeit auf das hocheilige Osterfest, die vierzigt\u00e4gige Fastenzeit, bietet sich als intensive Zeit der Ein\u00fcbung in die Tugenden an. In dieser Zeit geht es nicht allein darum, sich bestimmter Speisen zu enthalten, sondern ebenso um ein inneres, geistlich-geistiges Geschehen, um ein geistliches Wachstum, und damit verbunden um Busse als Umkehr und Erneuerung des ganzen Menschen. Bei alldem ist es jedoch heilsam, sich st\u00e4ndig vor Augen zu halten, dass auch die Bem\u00fchung um die Tugenden nicht Selbstzweck ist, als ob man damit vor Gott und den Menschen brillieren k\u00f6nnte. Im Gegenteil. \u201eWenn die Tugenden nicht aus Liebe zu Gott erworben werden, f\u00fchren sie leicht zum Pharis\u00e4ismus, zur Selbstgerechtigkeit und zum Stolz. Auch wenn wir mit Gottes Hilfe jemals Tugenden erwerben, gelten f\u00fcr uns die Worte Jesu: \u2018Unn\u00fctze Knechte sind wir; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren\u2018 (Lk 17,10). Die Tugenden sind nicht aus eigenen Kr\u00e4ften selbstst\u00e4ndig erworbene Errungenschaften, sondern sie werden dem darum ringenden Menschen als Gnadengaben geschenkt.\u201c<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Damit die Ein\u00fcbung der Tugenden in rechter Weise gelingen kann und nicht zu einer Pflicht\u00fcbung abrutscht, braucht es vor allem das Gebet, und zwar das Gebet, das von Herzen kommt. Umgekehrt kann aber auch das Gebet allein die pers\u00f6nlichen Bem\u00fchungen nicht ersetzen, die Tugenden im Alltag zu leben, denn Makarius sagt: \u201eWer sich nur zum Gebet zwingt,\u2026 sich aber nicht abm\u00fcht um Demut, Liebe, Sanftmut und die Kette der anderen Tugenden, noch sich dazu zwingt, der gelangt zu folgendem Ende: gelegentlich wird er w\u00e4hrend des Gebete auch von der G\u00f6ttlichen Gnade beschattet, weil Gott auch gut ist und den Bittenden menschenliebend die Bitten erf\u00fcllt. Da er jedoch sich nicht daran gew\u00f6hnt hat, noch erfahren und ge\u00fcbt ist in den Tugenden\u2026 f\u00e4llt er entweder aus der Gnade, die er empfangen hat, und f\u00e4llt durch den Hochmut, oder er macht keinen Fortschritt, noch w\u00e4chst er darin; denn sozusagen Wohn- und Ruhest\u00e4tte des guten Geistes sind die Demut, die Liebe und die Sanftmut, und in der Folge die heiligen Gebote Christi.\u201c<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"198\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-2-2012_Christus-3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-710\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Die Haupttugenden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der Vielfalt des Tugendkataloges ragen f\u00fcr uns Christen nat\u00fcrlich die vier nat\u00fcrlichen oder Kardinaltugenden und die drei theologischen, g\u00f6ttlichen Tugenden heraus:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Klugheit, Masshalten, Tapferkeit und Gerechtigkeit, sowie Glaube, Hoffnung und Liebe.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Aber auch hier gibt es&nbsp; &#8211; k\u00f6nnte man sagen \u2013 eine Art Hierarchie der Tugenden. Ist auch jede einzelne Tugend von hohem Wert, so \u00fcberragt doch die eine alle anderen: die Liebe. Der V\u00f6lkerapostel Paulus lehrt uns am Schluss seines Hoheliedes der Liebe: \u201eF\u00fcr jetzt bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei, doch am gr\u00f6ssten unter ihnen ist die Liebe.\u201c (1Kor 13,13).<\/p>\n\n\n\n<p>Daniel Bl\u00e4ttler, Diakon<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Sergius Heitz Hrsg., Christus in euch: Hoffnung auf Herrlichkeit. Orthodoxes Glaubensbuch, Vandenhoeck und Ruprecht, G\u00f6ttingen, S. 179<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Sergius Heitz, S. 179<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Sergius Heitz, S. 180<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von den christlichen Tugenden<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/708"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=708"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/708\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":711,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/708\/revisions\/711"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=708"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=708"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=708"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}