{"id":717,"date":"2012-09-09T14:45:00","date_gmt":"2012-09-09T12:45:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=717"},"modified":"2021-07-05T10:30:19","modified_gmt":"2021-07-05T08:30:19","slug":"die-syro-malankarisch-katholische-kirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/die-syro-malankarisch-katholische-kirche\/","title":{"rendered":"Die Syro-Malankarisch-Katholische Kirche"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Apostolische Wurzeln<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im S\u00fcden Indiens (Kerala) bl\u00fcht eine Gemeinschaft des christlichen Ostens schon seit dem fr\u00fchen Christentum, \u201edie Thomaschristen\u201c; benannt nach dem Apostel Thomas, der den christlichen Glauben der Tradition zufolge an die Malabark\u00fcste (S\u00fcdwestindien) brachte. Auch wenn oft behauptet wird, das Christentum in Indien habe seine Wurzeln in der westlichen Kolonisation des 16. Jahrhunderts, ist es auf dem Subkontinent schon seit fast 2000 Jahren vertreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Thomas ist als Apostel Indiens bekannt. Heute wird diese Tatsache von den Historikern weitgehend anerkannt. Es gibt verschiedene Hinweise bez\u00fcglich seiner Verk\u00fcndigungst\u00e4tigkeit in Indien. Viele der fr\u00fchen Kirchenv\u00e4ter des christlichen Altertums bezeugen das Apostolat, das Martyrium und das Grab des Hl. Thomas wie: Der Hl. Ephr\u00e4m der Syrer (+373), der Hl. Gregor von Nazianz (+390), der Hl. Ambrosius von Mailand (+397), der Hl. Johannes Chrysostomos (+407) und andere.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Hl. Johannes Chrysostomos sagt: \u201eWir wissen nicht, wo sich die Gr\u00e4ber der meisten Apostel befinden. Aber die Gr\u00e4ber von Petrus, Paulus, Johannes und Thomas sind \u00fcberall bekannt und ber\u00fchmt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Buntes Bild von Kirchent\u00fcrmen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Thomaschristen verstanden sich bis zum 17. Jahrhundert als Glieder der einen <em>heiligen, katholischen und apostolischen Kirche, <\/em>auch wenn sie zu den Christen in Europa und zum Bischof von Rom kaum Kontakt hatten. Die Entwicklungen im 16. und 17. Jahrhundert jedoch f\u00fchrten zu Zersplitterung und Spaltung in der Kirche.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Thomaschristen bieten ein Bild verschiedener Destinationen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das Bildungs- und Sozialwesen haben die Kirchen trotz ihrer Zersplitterung Vorbildliches geleistet. Der Bundesstaat Kerala weist die h\u00f6chste Alphabetisierungsrate unter allen indischen Bundesstaaten auf. An der allgemeinen Lebendigkeit des kirchlichen Lebens unter den Thomaschristen hat auch die Syro-Malankarisch-Katholische Kirche ihren Anteil.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Geschichte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1653 gab es einen Aufstand fast aller Thomaschristen gegen die Einmischung der Portugiesen (koloniale Machthaber) in das Leben der Kirche. Schliesslich kam ein Teil unter den Einfluss der syrisch-jakobitischen Kirche und der westeurop\u00e4ischen anglikanischen Kirche. Diese Gruppe verlor ihre volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche. Die andere Gruppe sind heute die Syro-Malabarischen Katholiken. Die Geschichte bezeugt mehrere weitere Spaltungen der erstgenannten Gruppe: eine kleine Gruppe bildet die Kirche von Thozhiyur (1772), eine andere Gruppe wurde zu CMS-Anglikanern (Church Missionary Society) 1836, wieder eine andere Gruppe wurde die reformierten Jakobiter (Marthomiten) 1889, eine vierte Gruppe sind die Syrisch-Orthodoxen 1912 und eine Gruppe daraus vereinte sich wieder mit der katholischen Kirche 1930. Innerhalb dieser Syrisch-Orthodoxen Kirche kam es 1911 zu einer Spaltung in zwei Parteien. Eine Gruppe bef\u00fcrwortete die enge Bindung an das Patriarchat von Antiochien (Patriarchatspartei), w\u00e4hrend eine andere Gruppe die Autokephalie der indischen Kirche unter einem eigenen Katholikos anstrebte (Katholikatspartei).<\/p>\n\n\n\n<p>So erwuchs 1912 aus der Katholikatspartei die autokephale \u201eOrientalisch-Orthodoxe\u201c oder \u201eMalankara Orthodoxe Syrische Kirche\u201c, w\u00e4hrend die Gl\u00e4ubigen der Patriachatspartei der Syrisch-Orthodoxen Kirche unter der Jurisdiktion des Syrisch-Orthodoxen Patriachats von Antiochien angeh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Entstehung der Syro-Malankarisch-Katholischen Kirche<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die so entstandene Doppelhierarchie f\u00fchrte zu einer Unzufriedenheit unter den Gl\u00e4ubigen. Die meisten waren \u00fcber diese Situation nicht gl\u00fccklich, und so wurden Anstrengungen unternommen, die Einheit wieder herzustellen. Die &nbsp;&nbsp;&nbsp;Synode der Katholikatspartei beauftragte 1926 einen Vertreter, mit der R\u00f6misch-Katholischen Kirche Kontakt aufzunehmen. Dieser Vertreter war der 1925 zum Bischof geweihte Mar Ivanios, Metropolit von \u201eBethany\u201c. In diesen Unionsverhandlungen konnten mit Rom drei Bedingungen erreicht werden:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Die Beibehaltung des west-syrischen Ritus<\/li><li>Die Anerkennung der Weihen der Bisch\u00f6fe, Priester und Diakone<\/li><li>Die Akzeptanz einer eigenst\u00e4ndigen west-syrischen Kirchenstruktur in vollst\u00e4ndiger Unabh\u00e4ngigkeit vom Syrisch-Katholischen Patriachat von Antiochien.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Daraufhin trat am 20. September 1930 Mar Ivanios zusammen mit Bischof Mar Theophilos in die Katholische Kirche ein. (Einige Jahre sp\u00e4ter folgten zwei weitere Bisch\u00f6fe). Dieses Datum gilt als die Geburtsstunde der Syro-Malankarischen Kirche. 1932 bekam sie eine eigene Hierarchie, Mar Ivanios erhielt vom Papst das Pallium als erster Metropolit von Trivandrum (Thiruvananthapuram) und wurde somit erstes Oberhaupt der Syro-Malankarischen Kirche.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gegenwart<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Promulgation des Ostkirchenrechts durch Papst Johannes Paul II. im Jahre 1990 \u00e4nderte sich ihr Status. Die Leitung der Kirche wurde der Synode der Bisch\u00f6fe \u00fcbertragen. Papst Johannes Paul II. erhob 2005 die Syro-Malankarische Kirche kanonisch als autonomes Grosserzbistum (quasi-patriarchale Kirche) mit seiner Seligkeit Cyril Mar Baselios als ersten <strong>Katholikos, <\/strong>nach dessen Tode wurde 2007 der bisherige Metropolit von Tiruvalla, Mar Baselios Cleemis zum Nachfolger gew\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Syro-Malankarisch-Katholische Kirche z\u00e4hlt heute gegen 500 000 Gl\u00e4ubige, innerhalb Indiens ist sie aufgegliedert in 8 Di\u00f6zesen und 1 Exarchat<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Grosserzbistum Trivandrum (Thiruvanan-thapuram)<\/li><li>Eparchie Marthandom (Bundesstaat Tamil Nadu)<\/li><li>Eparchie Mavelikara<\/li><li>Eparchie Pathanamthitta<\/li><li>Erzeparchie Tiruvalla<\/li><li>Eparchie Battery<\/li><li>Eparchie Muvattupuzha<\/li><li>Eparchie Puthur<\/li><li>Apostolisches Exarchat der USA<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Zahlreiche Gemeinden in USA\/Kanada\/Europa und in den Golfstaaten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Syro-Malankarische Liturgie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Syro-Malankarische Kirche feiert ihre Liturgie im westsyrischen oder antiochenischen Ritus. Diese Liturgie hat ihren Ursprung in Jerusalem und ist somit eine der \u00e4ltesten Liturgien \u00fcberhaupt. Die Liturgie ist voller Symbolik, die Gew\u00e4nder, die Ornamente, das ganze Ritual haben eine tiefe symbolische Bedeutung, alle Sinne werden angesprochen. Zum Beispiel die Altardecke hat die Farben rot, gr\u00fcn und weiss: Rot f\u00fcr das Universum; gr\u00fcn f\u00fcr die Erde und weiss f\u00fcr die Kirche. Es wird besonders die Opfergabe Jesu am Kreuz betont. Die Heilsgeschichte beginnt im Alten Testament und findet ihre Vollendung in Tod und Auferstehung Jesu. Stark betont sind der Lobpreis und der Dank an die Dreifaltigkeit. Die Eucharistie ist der Urquell des geistlichen Lebens und daher der Mittelpunkt der sieben Sakramente.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gebrauch der Volkssprache (Malayalam in Indien) f\u00fcr die Liturgie (Qurbono) tr\u00e4gt dazu bei, dass zwischen dem Priester, dem Diakon oder Lektor und der Gemeinde ein fortw\u00e4hrender Dialog stattfindet. Manche Teile werden auch in syrisch gehalten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mar Ivanios ein Br\u00fcckenbauer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der enorme Aufschwung der Syro-Malankarischen Kirche in ihren Anfangsjahren und ihre heutige beachtliche Gr\u00f6sse w\u00e4re ohne das unerm\u00fcdliche Wirken ihres ersten Metropoliten nicht denkbar. Sein theologisches Denken und sein diakonisch-karitatives Wirken haben ihn zu einer herausragenden charismatischen Gestalt der indischen Kirche und Theologie gemacht. Er geniesst bis heute \u00fcber Konfessions- und Religionsgrenzen hinweg h\u00f6chstes Ansehen auf dem Subkontinent.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Syro-Malankarische Kirche geht bewusst ihren eigenen Weg, der sich ausdr\u00fccklich der eigenen westsyrischen Tradition verpflichtet weiss.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie ist verwurzelt in der indischen Erde und angepasst an die indische Lebensweise.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Herausforderung der Gegenwart und der Zukunft der Kirche in Indien ist zweifelsohne das fruchtbringende gemeinsame Miteinander der drei in S\u00fcdindien vertretenen Katholischen Kirchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Bereich der \u00d6kumene kommt der Syro-Malankarischen Kirche eine besondere Rolle zu; sie wird oft als Br\u00fccke zwischen den verschiedenen Kirchen bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Kurzvorstellung der Syro-Malankarisch-Katholischen Kirche erhebt keinerlei Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit; sie ist lediglich ein Versuch, die komplexe und komplizierte Kirchenlandschaft der Thomaschristen etwas vereinfacht darzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Pfarrer Roger Schmidlin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Apostolische Wurzeln<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/717"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=717"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/717\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":718,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/717\/revisions\/718"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=717"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=717"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=717"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}