{"id":739,"date":"2011-09-20T15:06:00","date_gmt":"2011-09-20T13:06:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=739"},"modified":"2021-06-09T15:07:56","modified_gmt":"2021-06-09T13:07:56","slug":"herr-mein-gott-wie-gross-bist-du","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/herr-mein-gott-wie-gross-bist-du\/","title":{"rendered":"Herr, mein Gott, wie gross bist du!"},"content":{"rendered":"\n<p>In Erntedankgottesdiensten wird gerne das Lied von Carl Boberg mit dem Refrain \u201eDann jauchzt mein Herz dir, grosser Herrscher zu: Wie gross bist du!\u201c gesungen. Es erinnert an den Beginn von Psalm 103, der jeweils die byzantinische Vesper er\u00f6ffnet: Lobe den Herrn, meine Seele! Herr, mein Gott, wie gross bist du!<\/p>\n\n\n\n<p>Es war daher besonders passend, dass im Jahre 1989 der \u00d6kumenische Patriarch &nbsp;&nbsp;Dimitrios I. in einer Botschaft dazu aufrief, den 1. September, der f\u00fcr die orthodoxen Kirchen der erste Tag des Kirchenjahrs ist, als einen Tag \u201ader Bewahrung der nat\u00fcrlichen Umwelt\u2019 zu begehen und zu Gott, dem Sch\u00f6pfer aller Dinge zu beten, ihm Dank zu sagen f\u00fcr die grosse Gabe der Sch\u00f6pfung und um seinen Schutz und sein Heil zu bitten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"443\" height=\"648\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2011_Dimitrios_OrthWiki.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-740\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2011_Dimitrios_OrthWiki.jpg 443w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2011_Dimitrios_OrthWiki-205x300.jpg 205w\" sizes=\"(max-width: 443px) 100vw, 443px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Am 15. M\u00e4rz 1992 wurden dann die orthodoxen Gl\u00e4ubigen in aller Welt in einer pan-orthodoxen &#8222;Botschaft der Vorsteher der &nbsp;Heiligen Orthodoxen Kirchen&#8220; aufgerufen, den 1. September eines jeden Jahres dem Gebet und dem Flehen f\u00fcr die Rettung der Sch\u00f6pfung Gottes und dem Erreichen jener Haltung zur Natur zu widmen, welche die G\u00f6ttliche Eucharistie und die asketische Tradition der Kirche gebieten. 1999 hat das Europ\u00e4ische Christliche Umweltnetz (ECEN) diesen Vorschlag aufgegriffen und alle Kirchen aufgefordert, vom 1. September bis zum zweiten Sonntag im Oktober eine \u201aZeit f\u00fcr Gottes Sch\u00f6pfung\u2019 einzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Patriarch Dimitrios I. betonte in seiner Botschaft 1989 die religi\u00f6se Dimension der ganzen Problematik: \u201eMit gr\u00f6sster Sorge verfolgt der \u00f6kumenische Thron der Orthodoxie, Bewahrer und Verk\u00fcnder der jahrhundertealten patristischen Tradition und getreuer Interpret der eucharistischen und liturgischen Erfahrung der orthodoxen Kirche, die unbarmherzige Knechtung und Zerst\u00f6rung der nat\u00fcrlichen Umwelt, die heute von der Menschheit betrieben werden \u2013 mit allen bedrohlichen Gefahren f\u00fcr das \u00dcberleben der nat\u00fcrlichen Welt, wie sie von Gott erschaffen wurde.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIndem der Mensch seine Sonderstellung in der Sch\u00f6pfung und Gottes Auftrag \u201e\u00fcber die Erde zu herrschen (Genesis 1,28)\u201c missbraucht, hat er die Welt an den Rand apokalyptischer Selbstzerst\u00f6rung gef\u00fchrt, sei es durch die Ver\u00adschmutzung der Natur, die alle Lebewesen gef\u00e4hrdet, sei es durch die Ausrottung von Tier- und Pflanzenarten oder auf mancherlei andere Weise.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAngesichts dieser Situation kann die Kirche Christi nicht stumm bleiben. Es geh\u00f6rt zu den grundlegenden \u00dcberzeugungen der Kirche, dass die Welt von Gott dem Vater erschaffen wurde. Im Credo bekennen wir ihn als den \u201eSch\u00f6pfer Himmels und der Erden und alles, was sichtbar und unsichtbar ist\u201d. Nach der Lehre der grossen Kirchenv\u00e4ter ist der Mensch der Prinz der Sch\u00f6pfung; ihm ist das Privileg der Freiheit gegeben. Er geh\u00f6rt sowohl der materiellen als der geistigen Welt an und wurde erschaffen, um die Sch\u00f6pfung Gott darzubringen und sie so vor Zerfall und Tod zu bewahren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNach dem Fall des \u201eersten Adam\u201d wurde diese grosse Bestimmung des Menschen durch den \u201eletzten Adam\u201d, den Sohn und das Wort Gottes, unseren Herrn Jesus Christus verwirklicht. Er vereinigte in seiner Person die geschaffene Welt mit dem ungeschaffenen Gott und bringt sie in immer h\u00f6herem Masse dem Vater als ewige eucharistische Gabe und Opfer dar.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIn der g\u00f6ttlichen Liturgie setzt die Kirche dieses Werk und diese Darbringung fort, sie braucht dazu Brot und Wein, Elemente, die dem materiellen Universum entnommen sind. Auf diese Weise ruft die Kirche unabl\u00e4ssig in Erinnerung, dass der Mensch nicht dazu bestimmt ist, \u00fcber die Sch\u00f6pfung Herrschaft und Macht auszu\u00fcben, als ob er ihr Besitzer w\u00e4re, sondern als Haushalter zu handeln, sie in Liebe zu pflegen und sie in Dankbarkeit und Ehrfurcht dem Sch\u00f6pfer darzubringen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"660\" height=\"660\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2011_globus.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-741\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2011_globus.jpg 660w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2011_globus-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/06\/CUS_RB-5-2011_globus-150x150.jpg 150w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Seine starken Worte gipfelten in der Erkenntnis und dem Vorwurf dass \u201eextremer Rationalismus und Egozentrik \u2026 in unseren Tagen dazu gef\u00fchrt (haben), dass die Menschen den Sinn f\u00fcr die Heiligkeit der Sch\u00f6pfung verloren haben und sich als willk\u00fcrliche Herrscher und r\u00fccksichtslose Ausbeuter benehmen. An die Stelle des eucharistischen und asketischen Geistes, zu dem die Kirche ihre Kinder w\u00e4hrend Jahrhunderten angeleitet hat, ist ein anderer Geist getreten: die Vergewaltigung der Natur zur Befriedigung nicht von grundlegenden menschlichen Bed\u00fcrfnissen, sondern von nicht enden wollenden und immer gr\u00f6sseren Anspr\u00fcchen, ein Vorgang, der durch die heute herrschende Philosophie der Konsum\u00adgesellschaft ermutigt und beg\u00fcnstigt wird.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>1990 hat Metropolit Nikodemos von Patras f\u00fcr diesen Sch\u00f6pfungstag Gebetstexte entworfen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWelch staunengebietendes Wunder,<\/p>\n\n\n\n<p>der Weisheit Gottes \u00fcberw\u00e4ltigend sch\u00f6nes Kunstwerk,<\/p>\n\n\n\n<p>die sichtbare Sch\u00f6pfung,<\/p>\n\n\n\n<p>die mitteilt die Herrlichkeit des allm\u00e4chtigen Sch\u00f6pfers des Himmels und der Erde,<\/p>\n\n\n\n<p>der alles Sichtbare und Unsichtbare durch Sein Wort vollbrachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Herr, wie sind Deine Werke so gross,<\/p>\n\n\n\n<p>rufen wir Gl\u00e4ubigen und verherrlichen Dich,<\/p>\n\n\n\n<p>Anfangloser !<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sch\u00f6n sind deine wunderbaren Werke,<\/p>\n\n\n\n<p>Christos, Logos des Vaters und wirkende Weisheit,<\/p>\n\n\n\n<p>ewig von Anfang an.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Weltall ist durch Dich,<\/p>\n\n\n\n<p>durch allm\u00e4chtige Anordnung geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Erdgeborenen sind erf\u00fcllt von Deinen Gaben.<\/p>\n\n\n\n<p>Herr, wie sind Deine Werke so gross,<\/p>\n\n\n\n<p>rufen wir ehrf\u00fcrchtig und preisen Deine Macht !<\/p>\n\n\n\n<p>In dem durch Deine g\u00f6ttliche Unterweisung gelernten Gebet ,<\/p>\n\n\n\n<p>lasst uns t\u00e4glich dem Sch\u00f6pfer zurufen:<\/p>\n\n\n\n<p>Vater unser,<\/p>\n\n\n\n<p>der Du im Himmel wohnst,<\/p>\n\n\n\n<p>gib uns das t\u00e4gliche Brot.<\/p>\n\n\n\n<p>Heile unsere Fehler,<\/p>\n\n\n\n<p>gib uns Weisheit und Besonnenheit,<\/p>\n\n\n\n<p>nur das N\u00f6tige zu nehmen,<\/p>\n\n\n\n<p>mit diesem Geschenk uns zu begn\u00fcgen<\/p>\n\n\n\n<p>und nicht zu \u00fcbertreten<\/p>\n\n\n\n<p>die Grenzen der von Dir geschaffenen Natur.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>P. Kilian Karrer OSB<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Erntedankgottesdiensten wird gerne das Lied von Carl Boberg mit dem Refrain \u201eDann jauchzt mein Herz dir, grosser Herrscher zu: Wie gross bist du!\u201c gesungen. Es erinnert an den Beginn von Psalm 103, der jeweils die byzantinische Vesper er\u00f6ffnet: Lobe den Herrn, meine Seele! 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