{"id":780,"date":"2010-09-05T10:47:00","date_gmt":"2010-09-05T08:47:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=780"},"modified":"2021-07-05T10:49:25","modified_gmt":"2021-07-05T08:49:25","slug":"dreimalheilig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/dreimalheilig\/","title":{"rendered":"Dreimalheilig"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn Christen der r\u00f6misch-katholischen Kirche eine G\u00f6ttliche Liturgie im byzantinischen Ritus besuchen, dann f\u00e4llt ihnen vielleicht ein bestimmter Hymnus besonders auf, da er ihnen bekannt vorkommt. \u2013 Es ist der mehrgliedrige Hymnus auf den <strong>dreieinigen Gott<\/strong>, den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist im Stil einer Akklamation<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a>: das Dreimalheilig, das Trishagion. \u2013 Der Hymnus lautet:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Heiliger Gott,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Heiliger Starker,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Heiliger Unsterblicher,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>erbarme dich unser.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u0386\u03b3\u03b9\u03bf\u03c2 \u03bf \u0398\u03b5\u03cc\u03c2,<\/p>\n\n\n\n<p>\u03ac\u03b3\u03b9\u03bf\u03c2 \u03b9\u03c3\u03c7\u03c5\u03c1\u03cc\u03c2,<\/p>\n\n\n\n<p>\u03ac\u03b3\u03b9\u03bf\u03c2 \u03b1\u03b8\u03ac\u03bd\u03b1\u03c4\u03bf\u03c2<\/p>\n\n\n\n<p>\u03b5\u03bb\u03ad\u03b7\u03c3\u03bf\u03bd \u03b7\u03bc\u03ac\u03c2.<br><br><\/p>\n\n\n\n<p>Sanctus Deus,<\/p>\n\n\n\n<p>Sanctus Fortis,<\/p>\n\n\n\n<p>Sanctus Immortalis,<\/p>\n\n\n\n<p>miserere nobis.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine bewegte Geschichte<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser altehrw\u00fcrdige Hymnus wurde auf dem vierten \u00f6kumenischen Konzil von Chalzedon (451) zum ersten Mal offiziell angestimmt, nun aber weniger trinitarisch, sondern vielmehr christologisch gedeutet<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a>. Das Konzil definierte denn auch feierlich die <strong>wahre Menschheit und wahre Gottheit Jesu Christi<\/strong>, d.h. es wurde festgehalten, dass in Christus \u2013 in einer Person \u2013 zwei Naturen unvermischt, unverwandelt, ungetrennt und ungesondert bestehen. Nur wenige Jahrzehnte sp\u00e4ter, 468 n.Chr., erg\u00e4nzte der Patriarch von&nbsp; Antiochien, Petrus Fullo, die dritte Anrufung des Trishagions mit dem Zusatz: \u00abder du f\u00fcr uns gekreuzigt wurdest\u00bb. Damit l\u00f6ste er aber eine grosse Auseinandersetzung aus, denn der Patriarch galt als Anh\u00e4nger des Monophysitismus, also jener Lehre, die in Jesus nur noch eine einzige, n\u00e4mlich die g\u00f6ttliche Natur erkennen wollte. Somit w\u00e4re aber \u2013 pointiert formuliert &#8211; mit Jesus auch Gott Vater und der Heilige Geist am Kreuz gestorben. Damit h\u00e4tte Gott aufgeh\u00f6rt zu sein, oder aber der Tod Jesu w\u00e4re kein echter Tod gewesen. Beides aber widersprach und widerspricht der rechtgl\u00e4ubigen Lehre, so dass dieser Zusatz des Patriarchen von all jenen Kirchen abgelehnt wurde, die den Konzilsbeschl\u00fcssen von Chalzedon folgten (chalzedonensische Kirchen). \u2013 Die neuere theologische Diskussion hat jedoch gezeigt, dass dieser auf die Kreuzigung Jesu bezogene Zusatz im Trishagion durchaus legitim ist und rechtgl\u00e4ubig verstanden werden kann. In der damaligen, von harter Auseinandersetzung mit verschiedensten Irrlehren gepr\u00e4gten Zeit, ging das berechtigte Anliegen des Patriarchen Petrus wohl unter, das Anliegen n\u00e4mlich, dass in Jesus nicht allein das Menschliche, sondern auch das G\u00f6ttliche gelitten hat. Als Mensch ist Jesus gestorben, als Gott hat er den Tod besiegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Trishagion in der r\u00f6misch-katholischen Karfreitagsliturgie<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zusammenhang mit dem Leiden und Sterben Jesu hat das Trishagion auch in der r\u00f6misch-katholischen Kirche Eingang gefunden, hier allerdings nur in der Karfreitagsliturgie. Nach der feierlichen Enth\u00fcllung und Erhebung des Kreuzes folgt die Kreuzverehrung. Begleitet wird diese durch verschiedene Ges\u00e4nge, die Improperien, eine Art Klagelieder, die jeweils durch das Trishagion unterbrochen werden. So heisst es in den Improperien etwa:<\/p>\n\n\n\n<p>\u00ab<em>Mein Volk, was habe ich dir getan, womit nur habe ich dich betr\u00fcbt? Antworte mir.\u00bb<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00abVierzig Jahre habe ich dich geleitet durch die W\u00fcste. Ich habe dich mit Manna gespeist und dich hineingef\u00fchrt in das Land der Verheissung. Du aber bereitest das Kreuz deinem Erl\u00f6ser.\u00bb<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00abWas h\u00e4tte ich dir mehr tun sollen und tat es nicht? Als meinen erlesenen Weinberg pflanzte ich dich, du aber brachtest mir bittere Trauben, du hast mich in meinem Durst mit Essig getr\u00e4nkt und mit der Lanze deinem Erl\u00f6ser die Seite durchstossen.\u00bb<a href=\"#_ftn3\"><strong>[3]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>So ruft das Trishagion bei r\u00f6misch-katholischen Gl\u00e4ubigen vor allem Kreuz und Tod Jesu in Erinnerung; das Dreimalheilig geh\u00f6rt zur Liturgie des Karfreitags und verstummt dann wieder f\u00fcr ein Jahr, bis zum n\u00e4chsten Tag des Leidens und Sterbens Jesu.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Das Trishagion in der byzantinschen Liturgie<\/h1>\n\n\n\n<p>Anders als in der r\u00f6mischen, hat das Trishagion in der byzantinischen Liturgie (Eucharistiefeier) seinen festen Platz. Ausser in der Osterzeit und bei einigen Herrenfesten wird nach dem Kleinen Einzug mit dem Evangeliar (Christus, das Wort Gottes, kommt in die Welt) und nach den Fest- und Tagesges\u00e4ngen das Trishagion als Akklamation auf Christus dreimal gesungen. Vorausgehend betet der Priester leise:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00abHeiliger Gott, Du ruhst in den Heiligen; durch das \u201aDreimalheilig\u2019 der Seraphim wirst Du besungen, durch die Cherubim verherrlicht, und von allen himmlischen M\u00e4chten angebetet; Du hast alle Dinge aus dem Nichtsein ins Dasein gebracht, den Menschen nach Deinem Bilde und Gleichnis erschaffen und ihn mit jeglicher Gnadengabe geschm\u00fcckt; Du gibst dem Bittenden Weisheit und Verstand und verwirfst den S\u00fcnder nicht, sondern legst ihm Busse auf zur Rettung. Du hast uns, Deine niedrigen und unw\u00fcrdigen\u00a0 Diener, gew\u00fcrdigt, auch zu dieser Stunde vor der Herrlichkeit Deines heiligen Opferaltares zu stehen, und Dir das Lob und die Anbetung, die Dir geb\u00fchrt, darzubringen: Gebieter, nimm aus dem Munde von uns S\u00fcndern diesen dreimalheiligen Lobgesang an, und suche uns heim in Deiner G\u00fcte. Vergib uns jede S\u00fcnde, vors\u00e4tzliche und unvors\u00e4tzliche; heilige unsere Seelen und Leiber, und gib, dass wir in Heiligkeit Dir dienen alle Tage unseres Lebens: auf die F\u00fcrbitten der heiligen Gottesgeb\u00e4rerin und aller Heiligen, die Dir von Ewigkeit an wohlgefallen haben.\u00bb<a href=\"#_ftn4\"><strong>[4]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Zum Trishagions machen Priester, Diakon und alle Gl\u00e4ubigen jeweils eine tiefe Verneigung und bekreuzigen sich; man steht und verneigt sich vor Christus, sinnbildlich vergegenw\u00e4rtigt in seinem Wort, dem Evangeliar auf dem Altar. \u2013 Mit dem Trishagion, dem Lobgesang auf Christus Gott, ist der Gl\u00e4ubige nun bereit, das Wort Gottes zu h\u00f6ren und in sich aufzunehmen; so folgen nun die Lesung, das Alleluja zur Begr\u00fcssung Christi in seinem Wort und schliesslich der H\u00f6hepunkt des Wortgottesdienstes: die Verk\u00fcndigung des Evangeliums, der Frohbotschaft unseres Herrn Jesus Christus.<\/p>\n\n\n\n<p>Daniel Bl\u00e4ttler<\/p>\n\n\n\n<p>Diakon<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p>[1] Vgl. Konrad Onasch, Lexikon Liturgie und Kunst der Ostkirche,<br>&nbsp; Union. S. 369<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Vgl. Michael Kunzler, Wir haben das wahre Licht gesehen.<br>&nbsp; Einf\u00fchrung in Geist und Gestalt der byzantinischen Liturgie,<br>&nbsp; Paulinus-Verlag. S. 154-155<\/p>\n\n\n\n<p>[3] Die Feier der Heiligen Messe, Messbuch, F\u00fcr die Bist\u00fcmer des<br>&nbsp; deutschen Sprachgebietes. Benziger Einsiedeln.<\/p>\n\n\n\n<p>[4] Vgl. Orthodoxer Gottesdienst Band X,1, Die Liturgie des<br>&nbsp; heiligen Johannes Chrysostomos, Verlag Fluhegg, S. 18.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Christen der r\u00f6misch-katholischen Kirche eine G\u00f6ttliche Liturgie im byzantinischen Ritus besuchen, dann f\u00e4llt ihnen vielleicht ein bestimmter Hymnus besonders auf, da er ihnen bekannt vorkommt. \u2013 Es ist der mehrgliedrige Hymnus auf den dreieinigen Gott, den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist im Stil einer Akklamation[1]: das Dreimalheilig, das Trishagion. \u2013 Der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/780"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=780"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/780\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":781,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/780\/revisions\/781"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=780"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=780"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=780"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}