{"id":784,"date":"2009-03-05T11:29:00","date_gmt":"2009-03-05T10:29:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=784"},"modified":"2021-07-05T11:31:40","modified_gmt":"2021-07-05T09:31:40","slug":"fastenzeit-zeit-der-vorbereitung-und-der-besinnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/fastenzeit-zeit-der-vorbereitung-und-der-besinnung\/","title":{"rendered":"Fastenzeit \u2013 Zeit der Vorbereitung und der Besinnung"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>In der Kirche des Westens\u2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>genauer: in der katholischen Kirche des lateinischen Ritus, beginnt mit dem Aschermittwoch am 25. Februar die vierzigt\u00e4gige Fastenzeit. Diese wird auch \u00abQuadragesima\u00bb oder \u00ab\u00d6sterliche Busszeit\u00bb genannt und dient der Vorbereitung auf die Feier des Todes und der Auferstehung Christi. Diese 40 Tage der Besinnung und der Busse (die f\u00fcnf Fastensonntage und der Palmsonntag nicht mitgez\u00e4hlt) wollen uns dazu ermutigen, unseren Glauben durch Gebet, Fasten und Werke der N\u00e4chstenliebe zu erneuern. Den Auftakt zu dieser intensiven Zeit gibt auf eindr\u00fcckliche Weise die Liturgie des Aschermittwochs. Diese beginnt mit einer eindringlichen Bitte im Tagesgebet:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00abGetreuer Gott, im Vertrauen auf dich beginnen wir die vierzig Tage der Umkehr und Busse. Gib uns die Kraft zu christlicher Zucht, damit wir dem B\u00f6sen absagen und mit Entschiedenheit das Gute tun\u2026\u00bb<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Sinnhaftes Zeichen dieses Willens zu Umkehr und Busse ist die Auflegung der geweih-ten Asche. Diese wird aus den verbrannten Palmzweigen des letztj\u00e4hrigen Palmsonntages gewonnenen und zu Beginn der Aschermittwochsliturgie gesegnet. Dem herantretenden Gl\u00e4ubigen wird sie mit dem ermahnenden Wort auf Stirn oder Scheitel gestreut:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00abBedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zur\u00fcckkehren wirst!\u00bb<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Oder dann:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00abBekehrt euch und glaubt an das Evangelium!\u00bb<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Begleitet wird dieser sinnenhafte Ritus der Aschenauflegung durch das Responsorium:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00abWir wollen Busse tun f\u00fcr das, was wir gefehlt haben, und uns bessern, damit wir nicht, pl\u00f6tzlich vom Tod \u00fcberrascht, nach einer Gnadenfrist suchen, die uns niemand geben kann. H\u00f6re, Herr, und hab Erbarmen, denn wir haben ges\u00fcndigt vor dir. \u2013 Hilf uns, du Gott unseres Heils! Um der Ehre deines Namens willen reiss uns heraus!\u00bb<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Umkehr und Busse, Innerlichkeit und Besinnung, diese Grundz\u00fcge der Fastenzeit zeigen sich auch in der Feier der Liturgie (Eucharistie): So weisen nicht allein die violette Farbe der Paramenten und der fehlende Blumenschmuck darauf hin, dass wir in einer besinnlichen Zeit stehen, sondern auch der liturgische Gesang unterstreicht dies deutlich: w\u00e4hrend der ganzen Fastenzeit enfallen das festliche Gloria nach dem Bussakt und auch das freudige Alleluja vor der Evangelienlesung. Gloria und Alleluja werden erst wieder &#8211; dann aber um so feierlicher &#8211; in hochheiligen Oster-nacht erklingen und uns von der Auferstehung Christi k\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2026 aber auch in der Kirche des Ostens<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>ist die Grosse Fastenzeit (Triodion) eine wichtige Etappe im Verlauf des Kirchenjahres. Dieses Jahr beginnt f\u00fcr unsere Mitchristen in den Ostkirchen die Fastenzeit mit dem ersten Fastensonntag am 8. M\u00e4rz (nach julianischem Kalender am 23. Februar); vorbereitet wird diese intensive Zeit der Besinnung und Umkehr mit der f\u00fcnf w\u00f6chigen Vorfastenzeit, die bereits am Montag, 2. Februar (nach julianischem Kalender am 26. Januar) begonnen hat. \u2013 Durch die Vorfastensonntage mit ihren je eignen Themenschwerpunkten werden die Gl\u00e4ubigen zu Busse und innerer Umkehr hingef\u00fchrt. An den vier Vorfastensonntagen werden deshalb die Evangelien vom \u00abZ\u00f6llner und Pharis\u00e4er\u00bb (Lk 18,9-14), vom \u00abverlorenen Sohn\u00bb (Lk 15,11-32), vom \u00abJ\u00fcngsten Gericht\u00bb (Mt 25,31-46) und \u00fcber \u00abdas Verzeihen und Fasten\u00bb (Mt 6,14-21) gelesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die Fastenzeit nicht allein Verzicht auf leibliche Nahrung bedeutet, sondern ebenso die Dimension eines geistlichen Fastens hat, wird an der liturgischen Ordnung ersichtlich. So wird in der Grossen Fastenzeit nur noch jeweils am Samstag und Sonntag die G\u00f6ttliche Liturgie (Eucharistie) gefeiert, w\u00e4hrend die Woche hindurch nur mittwochs und freitags die Liturgie der Vorgeweihten Gaben (Vesper mit Kommunionfeier) gefeiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Fastenwoche ist ist gepr\u00e4gt durch den Busskanon des hl. Andreas von Kreta (gest. um 740), dessen neun Oden auf vier Tage verteilt von Montag bis Donners-tag im Abend-gottesdienst gelesen werden. So heisst es zu Beginn des Kanons in der ersten Ode:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00abO Christus, womit soll ich beginnen, wenn ich die schlechten Taten meines Lebens beweinen m\u00f6chte? Welche k\u00f6nnen die ersten Worte dieses Klageliedes sein? In Deiner Barmherzigkeit gew\u00e4hre mir die Vergebung all meiner S\u00fcnden\u00bb<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Und gegen Ende des Kanons, in der neunten Ode lesen wir:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u00abDie Beispiele des Neuen Testaments laden uns zur Reue und Umkehr ein. Die Gerechten spornen uns an zur Heiligkeit. Dem Weg der S\u00fcnder wollen wir nicht folgen. Das Fasten und das Gebet, die Demut und die Wachen, \u00f6ffnen unser Herz f\u00fcr den Herrn\u00bb<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das besondere, allgegenw\u00e4rtige, t\u00e4gliche Bussgebet der Fastenzeit ist jedoch jenes des Hl. Ephr\u00e4m des Syrers (gest. 373), das auch in der Liturgie der Vorgeweihten Gaben gebetet und mit grossen Metanien (sich auf den Boden niederwerfen) verbunden wird:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"153\" height=\"276\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/07\/CUS_RB-2-2009_kreuz-10.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-785\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>\u00abHerr und Gebieter meines Lebens: den Geist des M\u00fcssigganges, des Kleinmuts, der Herrschsucht und der Geschw\u00e4tzigkeit gib mir nicht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Den Geist der Lauterkeit, Demut, Geduld und Liebe<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>aber verleihe mir, Deinem Diener.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ja, Herr und K\u00f6nig, lass<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>mich meine eigenen S\u00fcnden erkennen und nicht meinen Bruder verurteilen &#8211; denn gepriesen bist Du in alle Ewigkeit. \u2013 Amen.\u00bb<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>So dicht und beeindruckend die liturgischen Besonderheiten in der Fastenzeit, und so differenziert die Regeln zum Einhalten des Fastens auch sind, wichtiger als all diese Regeln und Vorschriften ist die ganz pers\u00f6nliche Umkehr des Gl\u00e4ubigen. \u2013 So vermerkt Sergius Heitz in seinem \u00abOrthodoxen Glaubensbuch\u00bb: \u00abRecht verstandenes Fasten erf\u00fcllt nicht einfach ritualistisch irgendwelche unverstandenen Vorschriften, sondern nimmt an einem konkreten Punkt die Busse als genzheitliche Umkehr an und bew\u00e4hrt sie im Verzicht. Gef\u00e4hrlicher als Missachtung des Fastens ist daher innerhalb der Kirche der gesetzlich-ritualistische Missbrauch, der abstumpft statt sensibilisiert. Durch ihn wird das Fasten leicht zum Ruhekissen des Selbstgerechten oder zum Hochleistungssport hochm\u00fctiger Prahlerei.\u00bb<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Damit ist wohl das Wesentliche gesagt: die kirchliche Fastenzeit will uns Hilfe, Anregung, Ermutigung sein, unser Leben wieder neu auf Gott auszurichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das geht wohl kaum ohne Umkehr, ohne Erneuerung des Gebetes und ohne die Bereitschaft, etwas vom \u00dcberfluss an den Notleidenden abzutreten. \u2013 Die Erneuerung des Lebens uns Glaubens macht uns aber vor allem bereit, das Fest aller Feste, die Auferstehung Jesu Christi, mit frohem Herzen zu feiern.<\/p>\n\n\n\n<p>Daniel Bl\u00e4ttler, Diakon<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Sergius Heitz, Christus in euch: Hoffnung auf Herrlichkeit.<br>&nbsp;&nbsp; Orthodoxes Glaubensbuch f\u00fcr erwachsene und heranwach-<br>&nbsp;&nbsp; sende Gl\u00e4ubige, G\u00f6ttingen 1982, S. 86<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Kirche des Westens\u2026 genauer: in der katholischen Kirche des lateinischen Ritus, beginnt mit dem Aschermittwoch am 25. 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