{"id":852,"date":"2010-07-05T14:08:00","date_gmt":"2010-07-05T12:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=852"},"modified":"2021-07-05T14:09:33","modified_gmt":"2021-07-05T12:09:33","slug":"auf-den-spuren-biblischer-staetten-und-ortschaften-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/auf-den-spuren-biblischer-staetten-und-ortschaften-ii\/","title":{"rendered":"Auf den Spuren biblischer St\u00e4tten und Ortschaften II"},"content":{"rendered":"\n<p>(Libanon, Syrien und Jordanien)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>29. September bis 13. Oktober 2009<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am <strong>7. Oktober <\/strong>bereisten wir Syriens S\u00fcden, genauer die Region Hauran. Die Landschaft ist sehr vielf\u00e4ltig. Die wild zerkl\u00fcftete Lavalandschaft mit Vulkankegeln und einer sanften fruchtbaren Ebene, deren Weinfelder die Trauben f\u00fcr den syrischen Arrak liefern, zeigte sich uns im Kleid der Morgensonne. Der Hauran war schon in fr\u00fchester Zeit von Menschen bewohnt. Er war ein Schmelztiegel vieler Kulturen und V\u00f6lker, die alle ihre Spuren hinterlassen haben. So fuhren wir von einem H\u00f6hepunkt zum andern und tauchten f\u00fcr einige Stunden in die Vergangenheit ein.<\/p>\n\n\n\n<p>In Shaba, das unter Kaiser Philippus Arabs einst Philippopolis hiess, findet man noch Reste alter Tore, r\u00f6mische Thermen, ein Theater und eine gut erhaltene Stadtmauer.<\/p>\n\n\n\n<p>Qanawat, das antike Kanatha, liegt an einem Ausl\u00e4ufer des Jebel ad Druz. 63 v.Chr. gliederte Pompeius die Stadt der Dekapolis (Zehnst\u00e4dtebund) an. Unter Herodes Agrippa war sie bis ins 1. Jh. in j\u00fcdischem Besitz. Unter dem r\u00f6mischen Kaiser Trajan (98-117) geh\u00f6rte die Stadt zur Provinz Syria und stellte dem r\u00f6mischen Heer eigene Kohorten. Die Bisch\u00f6fe von Kanatha nahmen an den Konzilien von Chalcedon 451 und Konstantinopel 553 teil. 635 fiel die Stadt in die H\u00e4nde der Muslime. In der Ruinenstadt findet man das Podium eines Jupiter-Tempels. Besonders beeindruckend ist das Atrium; das geh\u00f6rte zu einer vorchristlichen Basilika, die im 4. Jh. In eine Kirche umgewandelt wurde. Viele Reliefs der T\u00fcrst\u00fcrze zeugen noch von einer bl\u00fchenden christlichen Vergangenheit.<\/p>\n\n\n\n<p>In Suweida reichte es aus zeitlichen Gr\u00fcnden nur noch f\u00fcr den Mittagshalt, wir entschieden uns zugunsten von Bosra weiterzufahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Bosra liegt in einer fruchtbaren Ebene etwa 150 km s\u00fcdlich von Damaskus. Die Bibel erw\u00e4hnt die Stadt (im 2.Jh.v.Chr.) als eitel, gross und fest, in der viele Juden lebten (1.Makkab\u00e4er 5,26). Als Sitz eines Bischofs wurde sie um 300 Metropolis. Ihre Bisch\u00f6fe beteiligten sich lebhaft an den dogmatischen Auseinandersetzungen der fr\u00fchen Kirche und missionierten aus dem S\u00fcden nach Syrien str\u00f6mende Araber.<\/p>\n\n\n\n<p>Bosra ist Unesco-Welterbe. Aus der R\u00f6merzeit stammen das westliche Stadttor, ein dreifacher Triumphbogen, Ruinen von Thermen und anderen Bauten. Das f\u00fcr mich Beeindruckendste war das gut erhaltene Theater, um das die Araber im 13. Jh. eine m\u00e4chtige Festung bauten. Die Trib\u00fcnen bieten 15\u2018000 Sitzpl\u00e4tze. Erw\u00e4hnenswert ist auch die hervorragende Akustik; denn von jedem Platz aus ist, ohne jegliche technische Hilfsmittel, jedes Wort zu verstehen. Welch architektonische Meisterleistung.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Abend besuchten wir das christliche Dorf Khabab, wo uns Bischof Boulos Borkhoche erwartete und zum Abendessen einlud. Bei der Ankunft begr\u00fcsste er uns in Arbeitskleidung &#8211; er kam gerade vom Melken. Seine v\u00e4terliche, g\u00fctige Ausstrahlung und vor allem seine enorme Bescheidenheit waren tief beeindruckend.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>8. Oktober <\/strong>&#8211; F\u00fcr die Fahrt von Damaskus nach Amman bestellten wir auf 10 Uhr morgens ein Taxi. Nach der orientalischen Uhr fuhren wir dann endlich nach 11 Uhr ab Richtung Jordanien. Der Taxichauffeur machte vor der Grenze noch zwei, drei Zwischenhalte um, so wie es schien, ein paar Nebengesch\u00e4fte zu t\u00e4tigen. F\u00fcr die Aus- bzw. Einreise von Syrien nach Jordanien braucht es viel Geduld und gute Nerven. Die Grenzformalit\u00e4ten dauerten 3 \u00bd Stunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Bischofssitz in Amman empfing uns der neue Erzbischof freundlich und herzlich. Vater Yasser Ayyache wurde von Heiligen Synod 2007 zum neuen Erzbischof von Petra, Philadelphia (=Amman) und ganz Jordanien gew\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>9. Oktober <\/strong>&#8211; Bischof Ayyache stellte uns f\u00fcr den ganzen Tag seinen Chauffeur zur Verf\u00fcgung. Den ersten Halt machten wir in Madaba, um in der St. Georgs-Kirche die ber\u00fchmten Mosaiken der Pal\u00e4stina-Karte, die um 560 n.Ch. entstanden sind, zu sehen. \u00dcber diesen einmaligen Mosaiken wurde dann im Jahre 1896 durch den Patriarchen von Jerusalem die griechisch-orthodoxe Kirche errichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Land s\u00fcdlich von Amman, das seit biblischen Zeiten Moab heisst, liegt auf einem Kalksteinplateau mit abgerundeten H\u00fcgelkuppen, die von 900 m \u00fcber dem Meeresspiegel bis zu den Gipfeln des Jebel Shihan im S\u00fcden ansteigen. Das biblische Reich Moab reichte vom Toten Meer im Westen bis zur W\u00fcste im Osten, im Norden grenzte es an das Reich Ammon, im S\u00fcden an das Reich Edom. Aus den Steppen Moabs stieg Mose auf den Berg Nebo, von dem aus er das Land Kanaan \u00fcberschaute, ehe er starb.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Mose stieg aus den Steppen von Moab hinauf auf den Nebo, den Gipfel des Pisga gegen\u00fcber Jericho und der Herr zeigte ihm das ganze Land. Er zeigte ihm Gilead bis nach Dan hin, ganz Naftali, das Gebiet von Efraim und Manasse, ganz Juda bis zum Mittelmeer, den Negeb und die Jordangegend, den Talgraben von Jericho, der Palmenstadt, bis Zoar. Der Herr sagte zu ihm: Das ist das Land, das ich Abraham, Isaak und Jakob versprochen habe mit dem Schwur: Deinen Nachkommen werde ich es geben. Ich habe es mit deinen Augen schauen lassen. Hin\u00fcberziehen wirst du nicht. Danach starb Mose, der Knecht des Herrn, dort in Moab, wie es der Herr bestimmt hatte. Man begrub ihn im Tal, in Moab, gegen\u00fcber Bet-Pegor. Bis heute kennt niemand sein Grab (Dtn 34,1-6).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Unser Ausblick reichte allerdings nicht so weit, denn das Jordantal, das Tote Meer sowie die Stadt Jericho zeigten sich in tr\u00fcbem Schleiergewand. Bei klarer Wetterlage soll man bis nach Jerusalem sehen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kirche, die Klosterruinen, das Taufbecken und das bedeutende Mosaik konnten wir leider nicht besichtigen, da zurzeit fast das ganze Gel\u00e4nde abgesperrt war. Offenbar k\u00f6nnen die Arch\u00e4ologen infolge der Pilger- und Touristenstr\u00f6me nicht ungehindert ihrer Forschung nachgehen. Die Instandhaltung der historischen St\u00e4tten wird heute vom Bibelinstitut des Franziskanerordens in Jerusalem betreut.<\/p>\n\n\n\n<p>Der biblische Text \u00fcber den Berg Nebo und Moses liess mich nicht mehr los, so dass ich im Jordantal geistigerweise noch immer auf dem Berg Nebo verweilte. Es schien mir, als h\u00e4tte die Zeit einen kurzen Halt gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jordantal folgten wir einem Schild mit der Aufschrift Babtism Site, ber\u00fchmt geworden als Taufplatz Jesu. Der Ort lag lange Zeit in einer milit\u00e4rischen Sperrzone. Erst ab 1997 wurden in gr\u00f6sserem Umfang Ausgrabungen gemacht. Darunter befinden sich byzantinische Kirchen, Taufbecken aus byzantinischer und r\u00f6mischer Zeit. Viele mittelalterliche Quellen, Berichte von Pilgern, beschreiben detailliert die Bauwerke und die Gegebenheiten dieses Ortes. Bereits damals kannte und verehrte man sie als den Ort, wo Johannes der T\u00e4ufer wirkte und wo sehr wahrscheinlich Jesu getauft wurde. Die Berichte stimmen bis ins Detail mit den Ergebnissen der Ausgrabungen \u00fcberein. Wer sich den Jordan auch nur als kleinen Fluss vorstellt, wird herb entt\u00e4uscht. Er gleicht heute eher einem schwach fliessenden B\u00e4chlein.<\/p>\n\n\n\n<p>Um zu unserm n\u00e4chsten Ziel Kerak zu gelangen, fuhren wir Richtung S\u00fcden, dem Toten Meer entlang. Die Strasse ist fast schnurgerade, nur unweit vom Ufer entfernt. Diese Gegend ist sehr trocken und heiss. Je nach Jahreszeit befindet sich der Wasserstand etwa 400 m unter dem Meeresspiegel. Das Tote Meer spielt in der Bibel eine wichtige Rolle. Die im Buch Genesis erw\u00e4hnten St\u00e4dte Sodom, Gomorrha, Admah, Zeboiim und Zoar liegen in der Ebene im s\u00fcdlichen Teil des Toten Meeres. Mehrere St\u00e4tten kommen als Kandidaten hierf\u00fcr in Frage. Auf der Strasse nach Kerak fuhren wir an einer von ihnen, Bab adh-Dhraa, vermutlich Sodom, vorbei. Die Fahrt entlang des Toten Meeres war einmalig sch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<p>In Kerak besichtigten wir die alte Kreuzfahrerburg aus dem 12. Jh. mit Bergfried, Burggraben, Wachturm, Ritters\u00e4len und einer Kapelle.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach diesem anstrengend Tag besuchten wir in Amman noch die Familie unseres Chauffeurs, wo wir nach orientalischer Manier empfangen wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Am <strong>10. Oktober<\/strong> begleitete uns Bischof Yasser Ayyache nach dem n\u00f6rdlich von Amman gelegenen Jerash, dem r\u00f6mischen Gerasa, welches wir nach knapp einer Autostunde erreichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ruinen des antiken Gerasa &#8211; wegen seiner gut erhaltenen Ruinen oft Pompeji des Ostens genannt &#8211; vermitteln einen guten Eindruck von einer Provinzstadt an der s\u00fcd\u00f6stlichen Grenze des R\u00f6mischen Reichs. Als ein Teil der r\u00f6mischen Dekapolis erlangte Gerasa durch Handel und den Abbau von Eisenerz grossen Wohlstand. Unser Rundgang durch die Ruinenstadt dauerte 2 \u00bd Stunden. Wir betraten sie durch den Hadriansbogen im S\u00fcden. Er wurde zum Gedenken an den Besuch Kaiser Hadrians 129 n.Ch. erbaut. Des Weiteren besichtigten wir die typischen Merkmale einer antiken Stadt: Hippodrom, Forum, Zeustempel, Artemistempel, Thermen, und die \u00dcberreste alter Kirchen. Besonders eindr\u00fccklich war das S\u00fcdtheater, das 3\u2019000 Zuschauern Platz bot. Griechische Inschriften nennen reiche Einwohner als Sponsoren. Ein Highlight ist die 12 m breite und ca. 800 m lange Nord-S\u00fcd Achse, das Cardo maximus. Diese Hauptstrasse der Stadt war fr\u00fcher durch G\u00e4nge mit ionischen und korinthischen S\u00e4ulen, von denen einige noch heute erhalten sind, begrenzt. Bei Anbruch der Dunkelheit fuhren wir nach Amman zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>11. Oktober <\/strong>&#8211; Um 9 Uhr begann die g\u00f6ttliche Liturgie in der St. Georgs-Kathedrale, wo wir als Konzelebranten eingeladen wurden. Nach dem Gottesdienst trafen sich die Gl\u00e4ubigen mit dem Bischof im neben der Kathedrale gelegenen Bischofshaus zum Kaffee und Austausch. Dabei erfuhren wir allerlei \u00fcber das Leben der Christen in diesem Land und ihre Sorgen und N\u00f6te. Danach verabschiedeten wir uns von unserem lieb gewonnenen Erzbischof Yasser Ayyache, und bestiegen ein Taxi nach Syrien.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zollformalit\u00e4ten an der Grenze verliefen recht speditiv, die Ausreisegeb\u00fchr am jordanischen Zoll betrug 5 Jord. Dinare. Auch der syrische Formalismus verlief dieses Mal schneller; die Einreisegeb\u00fchr (resp. Visa) betrug 30 Euro. Nach rund 4 Stunden ereichten wir das Patriarchat in Damaskus.<\/p>\n\n\n\n<p>Als kr\u00f6nender Abschluss unserer Reise organisierte V. Felix f\u00fcr uns eine Audienz bei seiner Seligkeit Patriarch Gregorios III., der uns sehr herzlich empfing. Wir staunten, wie seine Seligkeit die Situation der Christen in Westeuropa sehr genau analysiert und kennt. Nach einem gemeinsamen Foto verabschiedeten wir uns von seiner Seligkeit Patriarch Gregorios III. und von Damaskus. Die Zeit ist gekommen, Richtung Libanon, zur\u00fcck zu unserem Ausgangspunkt Harissa, aufzubrechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am <strong>12. Oktober<\/strong> war Ruhetag angesagt, da wir am n\u00e4chsten Tag sehr fr\u00fch am Flughafen sein mussten. Zeit also, auszuruhen und um das Erlebte nochmals Revue passieren zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vollgeladen mit Eindr\u00fccken und gl\u00fccklich, viele freundliche, herzensgute Menschen kennen gelernt zu haben, kehrten wir in die Schweiz zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich war es nicht bloss eine Kulturreise! Was mich besonders beeindruckt hat, war vor allem das sp\u00fcrbare Erleben der Anf\u00e4nge der Kirche und des Christentums. Dass dies m\u00f6glich wurde, verdanke ich besonders dem Grossarchimandrit V. Felix Dillier sowie V. Elias Aghia, der uns auf der ganzen Reise begleitete.<\/p>\n\n\n\n<p>Roger Schmidlin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Libanon, Syrien und Jordanien) 29. September bis 13. Oktober 2009 Am 7. 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