{"id":936,"date":"2021-09-03T16:38:20","date_gmt":"2021-09-03T14:38:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/?p=936"},"modified":"2021-10-25T15:03:09","modified_gmt":"2021-10-25T13:03:09","slug":"maria-die-allerheiligste-jungfrau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/maria-die-allerheiligste-jungfrau\/","title":{"rendered":"Maria &#8211; die allerheiligste Jungfrau"},"content":{"rendered":"\n<p>Am 15. August feiern die Christen das Hochfest zu Ehren der Gottesmutter. Im Westen wird es \u00abMaria Himmelfahrt\u00bb genannt, im Osten heisst es \u00abEntschlafung der allerheiligsten Jungfrau Maria\u00bb. Es ist ein Fest, welches auf eine Jahrhunderte lange Tradition zur\u00fcckblicken kann. Anfang 7. Jh. legte der ostr\u00f6mische Kaiser Mauritius Tiberius das Datum fest, und zwar kurz vor Ende des Kirchenjahres. Nach orthodoxer Tradition ist die Mutter Jesu etwa elf Jahre nach dem Tod ihres Sohnes gestorben, in einem \u2013 f\u00fcr uns Heutige noch recht aktiven \u2013 Alter: mit ca. 59 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Maria, die Mutter Jesu, ist eine Person, die durch alle Zeiten hindurch zu reden gab, bis auf den heutigen Tag: seien es Hochachtung, Bewunderung, Ehrfurcht, seien es Unverst\u00e4ndnis, Skepsis, Ablehnung, die ihr entgegen gebracht werden. Doch das Gute an diesem Hinterfragen ist, dass man sich, vor allem in der Alten Kirche, gleichzeitig auch klar werden musste, wer denn im Grunde Jesus war. So hat das III. \u00d6kumenische Konzil in Ephesus 431 festgelegt, dass Maria \u00abTheotokos\u00bb, \u00abGottesgeb\u00e4rerin\u00bb genannt werden d\u00fcrfe, ein Hoheitstitel, den man im Westen lieber mit \u00abMuttergottes\u00bb oder \u00abGottesmutter\u00bb wiedergibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verehrung der Jungfrau Maria hat dazu gef\u00fchrt, dass es vor allem in der Ostkirche im Zusammenhang mit der Bilddarstellung und der Ikonenmalerei die vielf\u00e4ltigsten Bezeichnungen gibt, die aus der Glaubenserfahrung und Gebetserh\u00f6rung resultiert. Im Nachfolgenden seien einige Bezeichnungen aufgelistet:<\/p>\n\n\n\n<p>1<\/p>\n\n\n\n<p>Panagia \u2013 Allheilige<\/p>\n\n\n\n<p>Theotokos \u2013 Gottesgeb\u00e4rerin<\/p>\n\n\n\n<p>A\u00efparthenos \u2013 Immerw\u00e4hrende Jungfrau<\/p>\n\n\n\n<p>2<\/p>\n\n\n\n<p>Glykophilousa \u2013 Z\u00e4rtlich Liebende<\/p>\n\n\n\n<p>Galaktotrophousa \u2013 Mit Milch Stillende<\/p>\n\n\n\n<p>3<\/p>\n\n\n\n<p>Eleousa \u2013 Barmherzige<\/p>\n\n\n\n<p>Hodegetria \u2013 Wegweisende<\/p>\n\n\n\n<p>Peribleptos \u2013 Alles \u00dcberblickende<\/p>\n\n\n\n<p>Chara ton thlibomenon \u2013 Freude aller Betr\u00fcbten<\/p>\n\n\n\n<p>Elpis ton piston \u2013 Hoffnung der Gl\u00e4ubigen<\/p>\n\n\n\n<p>Pokrov \u2013 Schutzmantel<\/p>\n\n\n\n<p>Zoodochos pige \u2013 Lebenspendende Quelle<\/p>\n\n\n\n<p>4<\/p>\n\n\n\n<p>Kyria ton angelon \u2013 Herrin der Engel<\/p>\n\n\n\n<p>Platytera (ton ouranon) \u2013 Weiter als die Himmel<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei k\u00f6nnte man vier Aspekte unterscheiden:<\/p>\n\n\n\n<p>1 \u2013 Die Person Mariens selbst betreffend<\/p>\n\n\n\n<p>2 \u2013 Die Beziehung zu ihrem Sohn als Kind<\/p>\n\n\n\n<p>3 \u2013 Die Bedeutung f\u00fcr die Gl\u00e4ubigen<\/p>\n\n\n\n<p>4 \u2013 Die Bedeutung f\u00fcr den ganzen Kosmos<\/p>\n\n\n\n<p>Im Folgenden seien drei Ikonen vorgestellt:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pokrov \u2013 Schutzmantel Madonna<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Muttergottes \u00abPokrov\u00bb geht auf eine <em>Legende<\/em> aus dem 10. Jh. zur\u00fcck:<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Zeit der T\u00fcrkenbelagerung war <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Andreas_von_Konstantinopel&amp;action=edit&amp;redlink=1\">Andreas von Konstantinopel<\/a>, von Geburt an Slawe, aber als Sklave nach <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Konstantinopel\">Konstantinopel<\/a> verkauft, die Muttergottes erschienen. W\u00e4hrend des Mitternachtsgottesdienstes in der Kirche \u00ab<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sankt_Maria_von_Blachernae\">Maria von Blachernae<\/a>\u00bb hatte der Selige folgende Vision: Er sah, wie die Gottesmutter aus der T\u00fcre des Altarraumes hervortrat und unter Tr\u00e4nen lange betete. Gleichzeitig ert\u00f6nte wundervoller Gesang eines Chores. Nachdem die Gottesmutter ihre Gebete beendet hatte, breitete sie ihren Schleier \u00fcber die versammelten Gl\u00e4ubigen aus. Andreas und sein Sch\u00fcler Epiphanius berichteten davon, worauf die T\u00fcrken die Belagerung der Stadt abbrachen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"472\" height=\"647\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/09\/Schutmantel-Madonna-Pokrov-16.-Jh..jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-938\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/09\/Schutmantel-Madonna-Pokrov-16.-Jh..jpg 472w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/09\/Schutmantel-Madonna-Pokrov-16.-Jh.-219x300.jpg 219w\" sizes=\"(max-width: 472px) 100vw, 472px\" \/><figcaption>Schutzmantel-Madonna Pokrov, 16. Jh.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Schon in der Antike kannte man den Rechtsakt des Mantelschutzes, bei dem der Besch\u00fctzende seinen Mantel \u00fcber den Schutzsuchenden ausbreitete.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der Ikone erkennt man in der Mitte erh\u00f6ht die Gottesmutter, ihr Maphorion (Schultertuch) in den H\u00e4nden ausbreitend. Rechts unten im Bild der selige Andreas, ein \u00abNarr um Christi willen\u00bb, an seiner d\u00fcrftigen B\u00fcsserbekleidung erkennbar, der zu Epiphanius gewandt auf die Muttergottes zeigt. Unterhalb der Allheiligen steht Romanos der Melode, als Hymnendichter in der S\u00e4ngerkanzel dargestellt. Beider Gedenktag ist am 1. Oktober.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Panagia Kardiotissa<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auf den ersten Blick hat diese Ikone \u00c4hnlichkeit mit der Eleousa oder Glykophilousa. Es f\u00e4llt jedoch auf, dass das Jesus-Kind voll seiner Mutter zugewandt ist und sich quasi an sie klammert, indem es dem Betrachter oder der Betrachterin den R\u00fccken zukehrt. Anders als \u00fcblich schaut es diese nicht an. Das Kind klammert sich angstvoll an seine Mutter, welche ihren Sohn sch\u00fctzend in den Armen h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/09\/Muttergottes-Kardiotissa.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-939\" width=\"477\" height=\"656\" srcset=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/09\/Muttergottes-Kardiotissa.jpg 493w, https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/09\/Muttergottes-Kardiotissa-218x300.jpg 218w\" sizes=\"(max-width: 477px) 100vw, 477px\" \/><figcaption>Muttergottes Kardiotissa<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die Panagia Kardiotissa stellt die besonderen Umst\u00e4nde der Flucht nach \u00c4gypten dar und dr\u00fcckt Angst und Schrecken vor dem von K\u00f6nig Herodes angeordneten Kindermord aus. Dies l\u00e4sst sich auch im Ausdruck der Gottesmutter ablesen: ein wissender Blick f\u00fcr die Bedrohung des Kindes und Entschlossenheit, dieses Kind vor allen Gefahren zu sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer <em>Legende<\/em> entsprechend soll 1914 ein T\u00fcrke, dessen Tochter von Geburt an gel\u00e4hmt war, dieser wundert\u00e4tigen Panagia immer wieder Geschenke gebracht haben, so zwei Flaschen \u00d6l und zwei Flaschen Honig. Die Tochter genas und der T\u00fcrke verehrte die Muttergottes. Im August 2012 fand man die Flaschen in einer H\u00f6hle versteckt in der N\u00e4he der Kirche.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Ikone reiht sich in die typische Ikonenmalerei Kretas aus dem 15. Jh. ein; sie ersetzt jedoch typographisch die Originalikone aus dem 9. Jh.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die gewaltige Schutzherrin<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Gottesmutter-Ikone des Klosters Koutloumousiou auf dem Berg Athos hat eine besondere Geschichte, weshalb sie \u00abPhobera Prostasia\u00bb \u2013 \u00abThe Mighty Protection\u00bb \u2013 \u00abDie gewaltige Schutzherrin\u00bb genannt wird. Auf dieser Ikone h\u00e4lt die Gottesmutter Jesus, den Christus, auf dem linken Arm, w\u00e4hrend das Kind ihre rechte Hand mit beiden H\u00e4nden umklammert. Sein Blick ist \u00e4ngstlich auf den Engel am rechten Bildrand gerichtet. Dieser h\u00e4lt die Passionszeichen in der Hand: Kreuz, Lanze, Ysopzweig, Kelch.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/09\/Muttergottes-Phobera-Prostasia-13.-Jh..jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-940\" width=\"454\" height=\"580\" \/><figcaption>Muttergottes Phobera Prostasia, 13. Jh.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Der Name der Ikone \u00abDie gewaltige Schutzherrin\u00bb h\u00e4ngt mit folgendem <em>Ereignis<\/em> zusammen: W\u00e4hrend eines \u00dcberfalls von Piraten auf den Berg &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Athos waren die M\u00f6nche in eine sehr schwierige Lage geraten. Sie suchten bei dieser Ikone Zuflucht und baten die Gottesmutter um Schutz. Die Jungfrau Maria bewirkte durch aufkommenden Nebel, dass das Kloster nicht mehr zu sehen war, so dass die Eindringlinge das Kloster nicht finden konnten, worauf sie den Berg Athos verliessen. Alle haben erkannt, dass dies durch Intervention der Gottesmutter geschehen war. So kam die wundert\u00e4tige Ikone zu ihrer Bezeichnung: \u00abDie gewaltige Schutzherrin\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. theol. Maria Brun<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Quellen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Pokrov<\/em>: Onasch Konrad, Schnieper Annemarie: Ikonen. Faszination und Wirklichkeit. Herder 1995, 176f. Auch: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mari%C3%A4_Schutz_und_F%C3%BCrbitte\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Mari%C3%A4_Schutz_und_<br>F%C3%BCrbitte<\/a> (16.7.2021)<\/p>\n\n\n\n<p><em>Kardiotissa<\/em>: <a href=\"https:\/\/www.ekivotos.com\/el\/001-a4-0002\">https:\/\/www.ekivotos.com\/el\/001-a4-0002<\/a> (16.7.2021); <a href=\"https:\/\/www.cretanbeaches.com\/el\/%CE%B8%CF%81%CE%B7%CF%83%CE%BA%CE%B5%CF%85%CF%84%CE%B9%CE%BA%CE%AC-%CE%BC%CE%BD%CE%B7%CE%BC%CE%B5%CE%AF%CE%B1-%CE%BA%CF%81%CE%AE%CF%84%CE%B7\/%CE%BC%CE%BF%CE%BD%CE%B1%CF%83%CF%84%CE%AE%CF%81%CE%B9%CE%B1-%CF%83%CF%84%CE%B7%CE%BD-%CE%BA%CF%81%CE%AE%CF%84%CE%B7\/%CE%BC%CE%BF%CE%BD%CE%AE-%CF%80%CE%B1%CE%BD%CE%B1%CE%B3%CE%AF%CE%B1%CF%82-%CE%BA%CE%B5%CF%81%CE%AC%CF%82-%CE%BA%CE%B1%CF%81%CE%B4%CE%B9%CF%89%CF%84%CE%AF%CF%83%CF%83%CE%B7%CF%82\"><u>\u2b50<\/u><u> \u03a4\u03b1\u03be\u03b9\u03b4\u03b9\u03c9\u03c4\u03b9\u03ba\u03cc\u03c2 \u039f\u03b4\u03b7\u03b3\u03cc\u03c2 \u039a\u03c1\u03ae\u03c4\u03b7\u03c2<\/u><u>\u26f5\u2b50<\/u><u> &#8211; \u039c\u03bf\u03bd\u03ae \u03a0\u03b1\u03bd\u03b1\u03b3\u03af\u03b1\u03c2 \u039a\u03b5\u03c1\u03ac\u03c2 \u039a\u03b1\u03c1\u03b4\u03b9\u03ce\u03c4\u03b9\u03c3\u03c3\u03b1\u03c2 cretanbeaches.com<\/u><\/a> (16.7.2021).<\/p>\n\n\n\n<p>Ikone Privatbesitz.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Prostasia<\/em>: <a href=\"https:\/\/www.vimaorthodoxias.gr\/agio-oros\/i-moni-koutloumousiou-ki-i-thavmatourgi-eikona-tis-panagias-fovera-prostasia\/\">https:\/\/www.vimaorthodoxias.gr\/agio-oros\/i-moni-koutloumousiou-ki-i-thavmatourgi-eikona-tis-panagias-fovera-prostasia\/<\/a> (16.7.2021)<\/p>\n\n\n\n<div data-wp-interactive=\"core\/file\" class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/09\/Rundbrief-5-2021-1.pdf\">Rundbrief-5-2021-1<\/a><a href=\"https:\/\/www.catholica-unio.ch\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2021\/09\/Rundbrief-5-2021-1.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 15. 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