Während in der Welt von Esoterik der Glaube an die Engel boomt, tun sich viele westliche Theologen schwer damit. Wer noch an die Engel glaubt und in der christlichen Verkündigung über sie spricht, gilt in manchen Kreisen als unwissenschaftlich und unseriös; so die Aussage eines engagierten Zeitgenossen.
Die Lehre über die Engel ist aber tief in der Bibel verwurzelt.
In der Westkirche wird der Erzengel Michael, Gabriel und Raphael am 29. September gedacht. In der Ostkirche (byzant.) ist es der 8. November.
Die Erzengel und ihre Namen
Alle drei haben die Silbe «EL» im Namen (EL=Gott -> hebr.)
Schon der Name drückt also eine enge Beziehung zu Gott aus.

Michael bedeutet: «Wer ist wie Gott». Nach der Überlieferung war er es, der Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben hat. Er verhinderte ebenfalls, dass Abraham seinen Sohn Isaak opferte. In der Offenbarung des Johannes des Theologen hat Michael eine besondere Bedeutung, weil seine Posaune am jüngsten Tag die Toten auferweckt, dann aber auch, weil er den Drachen, der die gottfeindlichen Mächte repräsentiert, tötet.

Gabriel bedeutet: «Gott ist stark». Gabriel ist der Verkündigungsengel, der Maria die Botschaft überbrachte, dass sie die Mutter Gottes wird. Er hat auch den Hirten von Bethlehem die Weihnachtsbotschaft verkündet.
Raphael bedeutet: «Gott heilt». Er bewacht nach der Tradition das Paradies und gehört zudem zu den sieben Engeln um den Thron Gottes. In der Bibel spielt er im Buch Tobit eine besondere Rolle, er macht den blinden Tobit wieder sehend: Er heilt, was Leib und Seele krank macht. Er ist der Schutzengel unter den Engeln und zeigt uns die Fürsorge Gottes.
Der heilige Augustinus sagt: «Engel bezeichnet das Amt, nicht die Natur. Fragst du nach seiner Natur, so ist er ein Geist; fragst du nach dem Amt, so ist er ein Engel. Seinem Wesen nach ist er ein Geist, seinem Handeln nach ein Engel». vlg. Ps 103
Engel – Boten Gottes in der Bibel (aggelos=Bote gr.)
«Am Anfang erschuf Gott Himmel und Erde». (Gen 1,1) In diesem ersten Vers der Bibel ist ein Hinweis gegeben, dass durch Gott eine unsichtbare geistliche, und eine sichtbare materielle Welt geschaffen wurde. Die Bibel erwähnt die Engel mehrfach, jedoch gibt es keine Erzählung von ihrer Erschaffung. «Als die Sterne gebildet wurden, da jubelten mir mit gewaltiger Stimme alle meine Engel zu» (Ljob 38,7 Septuaginta). Die Engel zeigen sich auch als Boten, die von Gott zu den Menschen gesandt sind. Ein paar Beispiele:
Die Verheissung der Geburt Christi (Lk 1,26-38); ein Engel machte den Hirten die Geburt des Messias bekannt (Lk 2,8-20); beim Gebet Christi im Garten Getsemani (Lk 22,43); am leeren Grab des auferstandenen Herrn (Mt 28,2-7); Jesus selbst spricht zu seinen Jüngern mehrmals von den Engeln (Mt 18,10); die Wiederkunft Christi beim jüngsten Gericht (Mt 24,31); Engel dienten Jesus in der Wüste (Mt 4,11).
«Jeder Gläubige hat an seiner Seite einen Engel als Beschützer und Hirten, um ihn zum Leben zu führen». Hl. Basilius der Grosse
Johannes von Damaskus charakterisiert die Engel wie folgt: Leichtigkeit, Feurigkeit, Leidenschaftlichkeit, aussergewöhnlicher Scharfsinn, Heldenhaftigkeit, von beständigem Streben zum Höheren.
Er bezeichnet die Engel als zweites Licht. Weil sie sich in unmittelbarer Nähe Gottes befinden, nähren sie sich von seinem Licht und geben es an uns weiter.
Die Haupttätigkeit der Engel ist der unaufhörliche Lobpreis Gottes. Unter ihnen werden die Cherubim und die Seraphim besonders hervorgehoben. Den Lobgesang der sechsflügeligen Seraphim am Thron Gottes vernimmt der Prophet Jesaja in einer Vision (Jesaja 6,1-3)
«Heilig, heilig, heilig ist der Herr Sabaot, die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit»
Die Lehre über die Engel bei den Vätern:
Dionysios vom Aeropag, Gregorios der Theologe, Isaak der Syrer und Johannes von Damaskus
Ihre Engelslehre ist sehr umfangreich. Sie versuchen das Wirken der Engel zu ergründen und ihre unübersehbare Zahl in eine Ordnung zu bringen. Sie teilen die Engelhierarchie in neun Ränge, die wir auch in der liturgischen und ikonographischen Tradition der Kirche finden.
Cherubim – Seraphim – Throne
Herrschaften – Mächte – Gewalten
Fürstentümer – Erzengel – Engel
Die Engel bringen uns die vielen Seiten Gottes nahe. Von Engeln zu sprechen bedeutet, davon überzeugt sein, dass die Welt von Gottes lebendiger Gegenwart erfüllt ist und diese eine heilende, helfende und schützende Macht darstellt. Gott ist der Herr der sichtbaren und unsichtbaren Welt.
Im Gottesdienst wissen wir sie mit uns um den Altar, d.h. dass die Engel Gottes die Göttliche Liturgie immer unsichtbar mitfeiern.
Sie zeigen uns durch ihre unsichtbare Gegenwart, dass unser Gottesdienst keine nur irdische Feier ist, sondern eine Liturgie, die Himmel und Erde umspannt.

«Im Moment der Göttlichen Liturgie umgeben die Engel den Priester, und der ganze Altar, der ganze Ort des Opfers erfüllt sich mit himmlischen Mächten, um Gott zu ehren, der dort gegenwärtig ist». Hl. Johannes Chrysostomos
Archimandrit Roger Schmidlin
Literatur
- Liturgikon, Neophytos Edelby
- Orthodox Leben, Johannes Krammer