Das Pfingstfest

Das Fest der Heiligen Drei-faltigkeit

Das Fest der Herabkunft des Heiligen Geistes

Am 12./13. Juni haben wir in Ost und West Pentekoste gefeiert, den 50. Tag nach Ostern. Die Frühgeschichte dieses Hochfestes liegt im Dunkeln. Das Fest dürfte seine Wurzeln im Erntedankfest 50 Tage nach Pessach haben und in der Erinnerung an die Erneuerung des Bundes Gottes mit dem Volk Israel durch die Übergabe der Gesetzestafeln an Mose (Ex 19)[1] – Die Kirchen des Ostens und des Westens feiern an Pfingsten den Heiligen Geist, die Kraft Gottes, allerdings mit etwas unterschiedlichen Akzentuierungen.

„Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer… Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt.“
(Apg 2,3-4)

In den westlichen Kirchen ist der Pfingstsonntag das Fest des Heiligen Geistes, genauer: das Fest der Herabkunft des Heiligen Geistes, die Vollendung und Bestätigung von Ostern. Durch den Heiligen Geist wissen wir: Jesus lebt, er ist der Christus, der Herr.[2] Die Herabkunft des Geistes Gottes gilt als Geburtsstunde der Kirche. Jetzt sind die Jüngerinnen und Jünger bereit, in die Welt hinauszugehen und Jesus Christus, den Auferstandenen, zu verkünden. Der Geist Gottes ist wie Feuer auf sie herabgekommen und hat ihre Herzen mit Liebe und Begeisterung erfüllt. Aus dieser Liebe und Begeisterung heraus sind sie bereit, Zeugnis für Christus abzulegen und – wenn es sein muss – auch ihr Leben dafür hinzugeben.

Rot – Farbe der Liebe und der Hingabe

Feuer, Liebe, Hingabe – davon zeugt auch    die Farbe Rot, die an Pfingsten in der       römisch-katholischen Kirche vorherrscht. Die  in Rot gehaltenen liturgischen Gewänder unterstreichen die Wirkung des Heiligen Geistes, der die Herzen mit dem Feuer der Liebe und der tiefen Begeisterung entfacht. Es ist diese Liebe, diese Begeisterung, die im Verlauf der Geschichte der Kirche so viel Gutes bewirkt, aber auch so manches Leben gefordert hat. Wie viele Frauen und Männer haben überzeugend und glaubwürdig die frohe Botschaft verkündet und sich auf vielfältige Weise für ihre Mitmenschen eingesetzt. Aber auch umgekehrt: Wie viele Glaubenszeuginnen und -zeugen mussten für ihre Treue zu Christus als Märtyrer ihr Leben lassen.

Es ist der Geist Gottes, der Heilige Geist, der dazu Kraft und Mut verleiht.

So bittet die Kirche am Pfingsttag inständig um diesen Heiligen Geist, wenn sie im Tagesgebet betet:

„Allmächtiger, ewiger Gott, durch das Geheimnis des heutigen Tages heiligst du deine Kirche in allen Völkern und Nationen. Erfülle die ganze Welt mit den Gaben des Heiligen Geistes, und was deine Liebe am Anfang der Kirche gewirkt hat, das wirke sie auch heute in den Herzen aller, die an dich glauben.“

Noch eindringlicher erklingt dann diese Bitte in der Pfingstsequenz, wo es u.a. heisst:

„Komm herab, o Heil’ger Geist, der die finstre Nacht zerreisst, strahle Licht in diese Welt.

Komm, der alle Armen liebt, komm, der gute Gaben gibt, komm, der jedes Herz erhellt….

Komm, o du glückselig Licht, fülle Herz und Angesicht, dring bis auf der Seele Grund.

Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund…“

Das Fest der Dreifaltigkeit

Anders als in den Kirchen des Westens feiern die Kirchen des Ostens am Pfingstsonntag das Geheim-nis der Hei-ligen Drei-faltigkeit (im Westen: Sonntag nach Pfingsten), denn „das Herabkommen  des Heiligen Geistes… brachte zugleich die volle Offenbarung der Dreieinheit Gottes. So ist Pfingsten auch die Vollendung des Auferstehungsglaubens und als Feier der Heiligen Dreiheit die Schlussfeier der österlichen Zeit.“ [3]

Grün – Farbe des Lebens und Gedeihens

Die orthodoxen Christen schmücken an diesem Tag ihre Häuser und Kirchen mit grünen Zweigen und Blumen, in Erinnerung daran, dass alles auf dem Berg Sinai grünte und blühte, als Mose die Gesetzestafeln von Gott erhielt und in Erinnerung an den grünen Hein in Mamre, wo die Heiligste Dreifaltigkeit dem Abraham erschienen war (Gen 18).

So sind die liturgischen Gewänder an Pfingsten grün und die Geistlichen verrichten ihre liturgischen Handlungen mit Sträussen aus Birkenzweigen und Blumen in der Hand.[4]

Erst mit der Grossen Vesper am Pfingsttag rückt das Geheimnis des Heiligen Geistes ins Zentrum des Gebets und des Feierns. Am Abend von Pfingsten beten die Gläubigen – erstmals seit Ostern wieder kniend – um die Vergebung der Sünden als Gabe des Heiligen Geistes für die Lebenden und die Toten:

„Versammle alle in dein Reich!

Gewähre Verzeihung denen, die auf Dich hoffen! Vergib ihnen und uns die Sünden! Reinige uns durch die Kraft des Heiligen Geistes. Vernichte die gegen uns gerichteten Anfeindungen des Widersachers.“ [5]

Mit der Vesper wird der Pfingstmontag eingeleitet, der nun ganz dem Heiligen Geist gewidmet ist, der lebendigen und lebensschaffenden Gegenwart Gottes unter den Menschen. Wo der Heilige Geist sich selber gibt, da empfängt der Mensch Gott selbst, denn der Heilige Geist ist Gott, eine der drei Personen Gottes. – So betet die Kirche im Morgengebet voller Freude:

„Den Heiligen Geist lasset uns preisen, Seine Gottheit bekennen und sprechen: Du bist Gott, Leben, Liebe, Licht, Vernunft; Du bist Güte; Du herrschest in die Äonen.“[6]

Dass der Geist Gottes in uns allen Wirken, unsere Herzen bewegen und uns den Weg zur Einheit im Glauben weisen möge, darum dürfen und sollen wir beten, nicht nur an Pfingsten.

Daniel Blättler, Diakon


[1] Vgl. K. Onasch, Lexikon – Liturgie und Kunst der Ostkirche,   
  Buchverlag Union, München. S. 311

[2] Vgl. Schott-Messbuch für die Sonn- und Festtage des Lese-
  jahres A, Herder Freiburg, S. 311

[3] Sergius Heitz Hrsg., Christus in euch: Hoffnung auf Herrlich-
  keit. Orthodoxes Glaubensbuch, Vandenhoeck und Ruprecht,  
  Göttingen, S. 98.

[4] Vgl. A. Lorgus, M. Dudko, Orthodoxes Glaubensbuch. Eine
  Einführung in das Glaubens- und Gebetsleben der Russischen  
  Orthodoxen Kirche, Verlag Der Christliche Osten, Würzburg,
  2001. S. 160

[5] S. Heitz, S. 99

[6] S. Heitz, S. 100