Viele Bezeichnungen für ein Fest
«Pas’cha» leitet sich her vom gr. Verb «pas’chein» = leiden und meint damit die nach dem Todesleiden erfolgte Auferstehung Christi. Diese Bezeichnung steht im Zusammenhang mit der jüdischen Pesach-Feier, die an die Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Knechtschaft erinnert.
Für uns Christen bedeutet das die vergegenwärtigende Erinnerung an Christus, das Lamm Gottes: «…als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden» (1 Kor 5,7)
Das griechische Wort ging über das lateinische in die romanischen Sprachen ein (frz. Pâques, ital. Pasqua, port. Pascoa, sp. Pascua).
Das deutsche «Ostern» leitet sich her vom althochdeutschen «eostarun» und erinnert daran: als die Frauen «beim Morgenrot» das Grab Jesu aufsuchten. Damit verwandt ist das englische «easter».
Die slawischen Völker nennen das Fest «Voskresenie» = Auferstehung.
Fest der Feste in der Ostkirche
Nennt Johannes von Damaskus ( 754) Ostern. Als «Fest der Feste» überstrahlt Ostern als Tag der Auferstehung Christi nicht nur das ganze Kirchenjahr, sondern prägt auch die Frömmigkeit der Gläubigen.
Das Auferstehungsfest beginnt mit der grossen Vigil am Vorabend. Die sich über mehrere Stunden hinziehende Osternachtfeier verbindet mehrere «Gottesdienstarten».
Was ist es um diese Nacht, von der der heilige Gregor von Nyssa sagt, dass sie heller ist als der Tag. Die «helle Nacht» wie sie genannt wird, ist eine einzige, wahre Freude und ein Geschenk. Der gesamte Gottesdienst ist eine einzige Antwort auf die Freude, er spricht alle Sinne an, er berührt die Herzen der Gläubigen. «Ihr alle, tretet ein in die Freude eures Herrn, ihr Reichen und ihr Armen, kommt zum Fest; empfangt alle Reichtümer liebender Güte…
Lasst niemanden seine Armut beklagen, denn das allen gehörende Königreich ist enthüllt worden.»
Die Feier der Osternacht
I Orthros (Morgengottesdienst)
1. Osterlicht
Beräucherung des Altars (= Opfertisch, Grab, Thron)
Austeilung des Lichts
2. Prozession
Dreimaliger Umgang um die Kirche
Öffnung des Grabes (Psalmverse und Ostertroparion vor dem Portal)
Einzug in die Kirche
3. Grosse (Friedens-)Litanei
4. «Goldener Kanon» des hl. Johannes von Damaskus
Preisgesang auf die Auferstehung des Herrn und die Wiedergeburt der Schöp- fung. – Ein Kanon besteht aus neun Oden (die zweite Ode kommt jedoch nur in der Fastenzeit vor). – Jede Ode (Ge- sang) beginnt mit dem Heirmos (Leit- strophe); nach den einzelnen Troparien (Strophen) singt man das Hypophon (Kehrvers), am Schluss wird der Heirmos als Katabasia («Herabschreiten» der Chöre, Abschluss) wiederholt. – Während jeder Ode wird mit Zuruf des Ostergrus- ses beräuchert, danach eine kleine Li- tanei gebetet. – Zusätzlich nach der 3. Ode: Hypakoē («Antwort»-Hymnus); nach der 6. Ode: Kontakion (Poetische Festpredigt), Oikos (Loblied) und Aufer- stehungshymnus. Die 9. Ode ist ver- flochten mit dem Megalynarion (mario- logischer Lobpreis). – Den Abschluss des Kanons bildet das Exaposteilarion («Aus- sendungslied»).
5. Laudes (Loblieder)
Ostersticheren («Versgesang», Hymnen)
Osterkuss
6. Osteransprache des hl. Johannes Chrysostomus
Troparion zum hl. Johannes Chrysostomus
7. Litaneien
Inständige Litanei
Bittlitanei
8. Schluss
Segen
Entlassung

II Prim (Erste Hore, Stundengebet)
Doxologie (Eingangssegen)
Ostertroparion (dreimal)
Auferstehungshymnus
Hypakoē
Kontakion
Troparien, Theotokion (Muttergotteslied)
Segen
Ostertroparion (dreimal)
Entlassung, Ostergruss
III Göttliche Liturgie des hl.Johannes Chrysostomos
Wenn man in der Westkirche (römischen) von
der Osternacht als die Königin aller Liturgien spricht, wieviel mehr trifft dies auf die ostkirchliche Osternachtfeier zu. Der ganze Gottesdienst ist ein einziges Mysterium und die Grundlage aller Geheimnisse der Kirche.
Der Mitternachtsgottesdienst bildet die Verbindung zwischen Karwoche und Ostern, indem die Kirche der Grablegung Christi und seines Hinabsteigens in den «Hades» gedenkt.
Die anschliessende Auferstehungsfeier ist mit Lichtsymbolik durchdrungen und endet mit der Göttlichen Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomus.
Um die Dichte dieser «Königin der Liturgien» etwas zu verdeutlichen, finden Sie einen Ablauf nach Dr. J.-P. Deschler.
In Verbundenheit mit den Christen des Ostens und des Westens teile ich mit Ihnen allen die Osterfreude im Namen der Catholica Unio.
Christus ist auferstanden!
Er ist wahrhaft auferstanden!
V. Roger Schmidlin