Anfangs September weilte der melkitische Erzbischof Georges Khawam aus dem syrischen Latakia für ein paar Tage in der Schweiz. Jacques Berset, Journalist und Nahostkenner, sprach mit ihm. Das Gespräch kann unter www.cath.ch/newsf/la-population-syrienne-sous-embargo-depuis-2011-est-exsangue/ nachgelesen werden.
Bischof Georges Khawam beschreibt die Lebenssituation in Syrien nach 12 Jahren Krieg, der Flucht von fast 7 Millionen Menschen ins Ausland – fast ein Drittel der Bevölkerung – und ebenso vielen Binnenvertriebenen. Er berichtet vom Wunsch vieler, ein Land zu verlassen, das sie nicht mehr ernähren kann. Ein Land, in dem es nur alle fünf Stunden Strom gibt, das eine hohe Inflation und grosse Versorgungsengpässe aufweist. «Man schnürt uns die Luft ab!»
Mehr als 90 Prozent der Syrerinnen und Syrer leben in Armut. «Die Kirche versucht etwas zu tun, aber sie ist nicht in der Lage, die Lücke zu füllen…» Er trifft bei Besuchen in den Bergdörfern im Tal der Christen auf verzweifelte Menschen. «Die, die bereits gegangen sind, sind die Jungen, die Gebildeten, die Akademiker, die Lehrer, die Ärzte, die Krankenschwestern, die Geschäftsleute. Zurückgeblieben sind nur jene, die es sich nicht leisten konnten, wegzugehen, die Älteren, die oft alles verkauft haben – Grundstücke, Häuser, Autos, Schmuck -, damit ihre Kinder ins Ausland gehen können…» Beim Verteilen von Bargeld – Spenden aus dem Ausland – an die Christen in seiner Diözese haben sie ihm auch schon gesagt: «Wir wollen euer Geld nicht, gebt uns ein Visum, damit wir gehen können!»
Kranke, die über die Kirche Medikamente erhalten, verkaufen diese heimlich weiter, nur um etwas zu essen zu haben. «In manchen Familien wird mir gesagt, dass heute nur eines der Kinder essen kann, sein Bruder oder seine Schwester werden am nächsten Tag essen. Sie essen abwechselnd, das ist unmenschlich!»
«Es ist wichtig, dass die Welt erkennt, was wir durchmachen!» Wir fühlen mit ihm und danken Ihnen von ganzem Herzen für jede Gabe.
Spendenvermerk: Unterstützung für Latakia