Pascha – Ostern

Für die Juden ist Pascha, für die Christen Ostern das wichtigste Fest im religiösen Jahreskalender. Folgend ein Vergleich.

Pascha – Pessach

Pascha, auch Pessach genannt, ist eines der drei Wallfahrtsfeste im Judentum. Juden und Jüdinnen gedenken des Auszugs aus Ägypten. Von Gott bestimmt führte Moses, mit der Unterstützung seines Bruders Aaron, das Volk der Israeliten aus Ägypten heraus, um sie von der Versklavung, Knechtschaft und Unterdrückung zu befreien. Allerdings erreichten sie nicht unmittelbar das von Gott Verheissene Land. Erst nach einer mühsamen Wanderschaft von vierzig Jahren gelangte das von Gott auserwählte Volk an sein Ziel. Moses selbst starb, bevor er seinen Fuss auf die geweihte Erde setzen konnte. Allerdings gewährte ihm Gott vom Mount Nebo aus, der heute in Jordanien liegt, den Blick in die verheissene Zukunft.

All diese Begebenheiten, die zum Teil überstürzt eintrafen, prägen bis heute die Pessach-Feier. Pessach wird während acht Tagen begangen, d.h. vom 15. bis 22. Nissan. Diese Rechnung scheint nicht aufzugehen. Bedenkt man jedoch, dass im Judentum die Tage von Sonnenuntergang zu Sonnenuntergang reichen, besagt dies, dass der 15. Nissan bereits am Vorabend, also am 14. Nissan beginnt.

Am bekanntesten ist der grosse Hausputz vor Pessach, denn nichts Gesäuertes, auch nicht ein Brotkrümel darf aufzufinden sein. In Erinnerung an den überstürzten Aufbruch wird nur ungesäuertes Brot, welches nicht aufzugehen braucht, bei uns Fladenbrot oder Mazze genannt, gegessen. Deshalb auch die geläufige Bezeichnung «Fest der Mazzot» anstelle von Pessach.

Pessach oder Pascha heisst übersetzt «Überschreitung». Der Ausdruck bezieht sich auf die in der Bibel erwähnte Stelle, wonach der Engel des Herrn die Erstgeborenen der Juden vor dem Tod verschont hat und an ihren mit dem Blut frisch geschlachteter Lämmer beschmierten Türrahmen vorüberschritt (Ex 12,27). So werden die ersten beiden Abende, nach dem Befolgen einer strengen «Ordnung», «Seder»-Abend genannt. Das Sedermahl wird stehend zum Zeichen des Aufbruchs und der Wanderschaft oder im Stuhl auf Kissen gebettet (vgl. Lk 22,12) halb liegend, nach Art der Vornehmen in früheren Zeiten, eingenommen. Alle Speisen haben eine symbolische Bedeutung und beziehen sich auf den Auszug aus Ägypten.

Der Brauch will, dass zu Pessach Gäste, auch nicht-jüdische, eingeladen werden.

Pascha – Ostern

Im Gedächtnis der Menschen sind Pascha und Ostern miteinander verbunden. Tatsächlich gibt es mehrere Parallelen.

Als erstes fällt die Zahl vierzig auf. Was für die Israeliten vierzig Jahre dauerte, symbolisch die Dauer einer Generation, erscheint in den Evangelien mit vierzig Tagen. Nach der Taufe nahm sich Jesus eine Auszeit, ein Timeout würde man heute sagen, um sich auf seine Aufgabe zu besinnen und geistig vorzubereiten. So ging er vierzig Tage in der Wüste, weg vom alltäglichen Leben, bevor er öffentlich auftrat (Lk 4,1). Dem entsprechend begehen die Christen und Christinnen vor Ostern eine vierzigtägige Fastenzeit, in der sie sich auf den Tod Jesu besinnen, Busse tun und sich bemühen, in ihrem Leben ein Umdenken, eine Umkehr vorzunehmen.

Entsprechend dem Auftrag, der von Gott an Moses erging, steht am Anfang des Neuen Bundes Jesus, der Sohn Gottes, dessen irdisches Leben ein Auftrag Gottes war. Er war berufen, das Reich Gottes zu verkünden, die Menschen darauf vorzubereiten und ihnen den Weg dorthin zu zeigen. So predigte er ein neues Gesetz, in dem alle 613 mosaischen Gebote und Verbote enthalten sind: Das Liebesgebot – «Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst» (Lk 10,27) – soll als einzige Richtschnur im Leben der Menschen gelten. Dies kam einer Befreiung von der Unterjochung unter das alttestamentliche Gesetz gleich, denn wer sein Leben nach der Liebe ausrichtet, bleibt auf Gottes Spuren und lebt in der Wahrheit.

Christen und Christinnen glauben zudem, dass Jesus durch seinen Kreuzestod die Menschen von der Verhaftung in der Sünde erlöst hat. Jesu Tod und Auferstehung geben Zeugnis über den Tod des alten, der Sünde verhafteten Menschen und die Schaffung eines neuen Menschen, der fähig ist, an der Vergegenwärtigung einer neuen Erde, nach dem Bild Gottes, der ursprünglichen Vorstellung einer guten Welt, in der alle glücklich sein können, mitzuwirken (Gn 1).

Hier drängt sich die Frage auf: Wo steht die Menschheit heute? Haben die Menschen die Osterbotschaft vergessen?

Abendmahl – Sedermahl

Eine weitere Parallele zwischen Pascha und Ostern ist das Abendmahl.

Man unterscheidet im Christentum zwischen dem Letzten Abendmahl und den übrigen «Mahlfeiern», welche das Jahr hindurch begangen werden. Das Letzte Abendmahl wird am Hohen Donnerstag Abend, dem Rüsttag vor Pessach, also am 14. Nissan gefeiert. Durch die Einführung des neuen gregorianischen Kalenders hat sich eine Verschiebung der Daten mit dem jüdischen Pascha und der orthodoxen Ostern, welche weiterhin nach dem julianischen Kalender berechnet wird, ergeben.

Mit wenigen Ausnahmen wird das Abendmahl von den Christen nicht nur einmal im Jahr begangen, sondern – je nach Tradition – mehrmals, d.h. an den grossen Feiertagen, oder wöchentlich am Sonntag, als dem Tag des Herrn, dem Tag der Auferstehung Christi. Entsprechend Jesu Auftrag (Lk 22,19) praktizierte bereits die Urkirche dieses Gemeinschaftsmahl (Apg 2,46). Verbreitet ist die Bezeichnung Eucharistiefeier, was Dankgottesdienst bedeutet.

Das Letzte Abendmahl entspricht in einigen konkreten Details dem Sedermahl bzw. Jesus hat diese an die Urkirche weitergegeben; sie finden sich in jeder Eucharistiefeier:

Zunächst ist es ein Zusammensein und Teilen mit anderen Menschen. Psalmen, Bibeltexte, Dankesworte, Gebete, Lieder und Segenssprüche durchziehen die Mahlgemeinschaft. Der feierliche Kiddusch, das Segensgebet, mit dem jeder Sabbat und der Sederabend eröffnet werden, ist auch im christlichen Gottesdienst anzutreffen. Danksagung, Deutung und Segensworte über Brot und Wein kennzeichnen die eigentliche Eucharistiefeier, indem Jesu Einsetzungsworte gesprochen werden (Mk 14,12-25) und erheben so die eucharistischen Gaben zum Spezifikum des christlichen Gottesdienstes. All diese Elemente charakterisieren die Eucharistiefeier.

Mit Pessach endet die Winterzeit und die Regenzeit ist im Vorderen Orient vorbei. Ostern gilt als Frühlingsfest, an dem sich viele Bräuche mit Elementen von Ostern und Frühling vermischen. Ostern wird gerne in der Natur gefeiert.

Die Zeit nach Ostern bzw. Pessach verläuft zeitlich wieder parallel. Allerdings gelten die fünfzig Tage bis Schawuot im Judentum als Trauerzeit. Im Christentum wird nach der 40-tägigen Osterzeit Christi Himmelfahrt begangen und zehn Tage später, also am fünfzigsten Tag nach Ostern, das Pfingstfest. Die ganze nachösterliche Zeit ist von der Freude über den auferstandenen Christus gekennzeichnet, der uns den Himmel eröffnet hat.

Dr. theol. Maria Brun

Projekt: Hilfe für Libanon