Darstellung des Herrn (Mariä Lichtmess) oder Hypapante (Begegnung) 2. Februar

Begegnungen sind wichtig in unserem Leben und erfüllen es mit Sinn. Eine Begegnung der besonderen Art erleben zwei Menschen im Evangelium an diesem Fest, der greise Simeon und die Prophetin Hanna. Ihr Leben lang warteten sie auf die Erfüllung der Verheissung Gottes.

«In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels, und der Heilige Geist ruhte auf ihm. …Damals lebte auch eine Prophetin namens Hanna eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher.» Lk 2,25; 36a

Als Jesus am 40. Tag nach mosaischem Gesetz von seinen Eltern im Tempel dargebracht wird, spüren die beiden alten Menschen, dass die Zeit jetzt da ist. Sie erkennen in dem Kind den von Gott versprochenen Messias. Darum heisst dieses Fest in der Ostkirche Hypapante = Begegnung. Simeon und Hanna sind zwei der erstaunlichsten Personen des neuen Testamentes, weil sie sich nicht damit abfinden, was ihnen die Zeit bringt und was sie vor Augen haben. Sie blicken über ihre zeitliche Begrenzung hinaus, schauen mehr, als sich ihnen bietet.

«Simeon wird zum letzten Seher des alten Bundes, zum Repräsentanten des harrenden Volkes, zum Symbol aller Hoffenden…Der Geist Gottes öffnete ihm eine Perspektive über das menschliche, zeitlich begrenzte Wissen hinaus. Simeon wird zu einem Glied im Brückenschlag zwischen Gott und der Menschheit.»1 [1]

Biblischer Hintergrund

Das Fest der Hypapante oder Darstellung hat seinen Ursprung in Jerusalem. Nach einem Bericht der Pilgerin Egeria, 4. Jh., feierte man in Jerusalem den 40. Tag nach Epiphanie (6. Januar) am 14. Februar mit einer Prozession und einer Eucharistiefeier (Göttliche Liturgie). Wo sich der     25. Dezember als Geburtsfest Christi durchsetzte, wurde die Feier vorverlegt auf den 2. Februar. Man liest das Evang. Lk 2,22-40.

Im Abendland hat man bis in unsere Tage die Kerzensegnung und mancherorts auch die feierliche Prozession bewahrt, die man schon im 4. Jahrhundert in Jerusalem hatte.

Nach den Vorschriften des Alten Testaments gilt eine Frau vierzig Tage nach der Geburt eines Knaben (bei Mädchen achtzig Tage) als unrein wegen ihres Blutsverlustes und war während dieser Zeit von kultischen Zusammenkünften ausgeschlossen (Reinheitsvorschriften Lev 12,1-8). Danach hatte sie ein junges Lamm und eine Taube oder bei Armut zwei Tauben als Sühnopfer darzubringen. Darüber hinaus gilt ein Erstgeborener Sohn als Eigentum Gottes; er muss vor Gott gebracht (dargestellt) (Ex 13,2) und durch eine Opfergabe ausgelöst werden.

«Es kam für die Eltern Jesu der Tag, der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, gemäss dem Gesetz des Herrn, in dem es heisst: jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein. Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei jungen Tauben» Lk2,22-24

Im Kirchenjahr existieren eine ganze Reihe von unbeweglichen Festen, die an ein bestimmtes Kalenderdatum gebunden sind.

Die Geburt der Gottesgebärerin 8. September; die Kreuzerhöhung 14. September; die Einführung der Jungfrau Maria in den Tempel 21. November; die Geburt des Herrn 25. Dezember; das Fest der Theophanien (Epiphanie) 6. Januar; das Fest der Begegnung (Hypapante) 2. Februar; Mariä Verkündigung 25. März; die Verklärung des Herrn     6. August; die Entschlafung der Gottesgebärerin 15. August. Von diesen Festen wurde nur das Datum von Hypapante anhand alttestamentlicher Vorschriften vierzig Tage nach der Geburt errechnet.

Die Darstellung Jesu im Tempel oder Hypapante (Begegnung) unseres Herrn und Gottes und Erlösers Jesus Christus mit Simeon feiert die Kirche des Ostens und des Westens vierzig Tage nach Weihnachten am 2. Februar (14. Februar nach altem Kalender). Dieses Fest schliesst die weihnachtliche Zeit ab und weist zugleich voraus auf das Mysterium von Kreuz und Auferstehung.

Kondakion

«Durch deine Geburt hast du den jungfräulichen Mutterschoss geheiligt, die Hände Simeons, wie es recht war, gesegnet und uns jetzt durch dein Zuvorkommen gerettet, Christus, Gott. Gib Frieden der kriegsbedrohten Gemeinde und stärke die Staatslenker, die du liebst, einzig Menschenfreundlicher Du.»

Die Begegnung des Herrn mit dem greisen Simeon und der Prophetin Hanna ist zu verstehen als die in Christus geschenkte Zuwendung Gottes zu den Menschen des Alten Bundes und als Erneuerung und Rettung des Menschen. Maria legt den Heiland der Welt in die Arme Simeons und Hannas.

«Die Mönche und Nonnen und die Priester in der Ost- wie in der Westkirche übernehmen täglich im Abendgebet Simeons Loblied (Nunc dimittis). Dieses Gebet am Ende des Tages erinnert an das Lebensende, an dem der Mensch alles Empfangene und Gewordene loszulassen hat, ein Loslassen allerdings nicht in die Leere und Nichtigkeit. Dieses Gebet stellt dem Betenden aber auch die prüfende Frage, ob er für das täglich ihm begegnende Heilende, für das sein Leben Erfüllende, offengeblieben sei, es entgegengenommen habe, auch in unerwarteten Formen und Ereignissen.»2[1]

«Nun lässt du Herr, deinen Knecht,
wie du gesagt hast, in Frieden scheiden.
Denn meine Augen haben das Heil gesehen
das du vor allen Völkern bereitet hast
ein Licht, das die Heiden erleuchtet
und Herrlichkeit für dein Volk Israel» Lk 2,29-32

Vgl. Jes 40,5; 42,6; 46,13; 49,6; 52,10

Pfarrer Roger Schmidlin


Quellenangabe Texte und Bilder

  • Neophytos Edelby «Liturgikon» Aurel Bongers Recklinghausen 1967
  • Bibel Einheitsübersetzung
  • Begegnung des Herrn (ksl. Sretenie Gospodne; gemalt von Monika Deschler 2007)

  1. A. Thekla Kühnis Hartmann «Begegnung bewegt», Verlag Fluhegg 2006, S. 95 ↩︎
  2. A. Thekla Kühnis Hartmann «Begegnung bewegt», Verlag Fluhegg 2006, S. 97 ↩︎

Projekt: Priester-Altersheim St. Joseph in Indien